Sinkende Fallzahlen Hongkongs Führung berät über Corona-Lockerungen

Nach einem heftigen Coronaausbruch geht die Zahl der Neuinfektionen in der Metropole zurück. Die Regierung erwägt Lockerungen. Gleichzeitig werden fast 250 weitere Todesfälle gemeldet.
Eine Frau und ein Kind gehen an mobilen Isolierkabinen in Hongkong vorbei

Eine Frau und ein Kind gehen an mobilen Isolierkabinen in Hongkong vorbei

Foto: Kin Cheung / dpa

Hongkong ächzt unter der Last der Coronakrise. In der chinesischen Sonderverwaltungszone, die an die Industriestadt Shenzhen grenzt, wütete das Virus in den vergangenen Wochen besonders heftig. In der 7,4 Millionen Einwohner zählenden Hafenstadt wurden mehr als eine Million Coronainfektionen registriert. Die rapide Ausbreitung der Omikron-Variante hat zu einer Überlastung der Krankenhäuser und der höchsten Corona-Sterberate weltweit geführt. Dennoch will Hongkongs Regierungschefin Carrie Lam am Montag über Lockerungen der Coronabeschränkungen beraten.

Als Grund für diese Überlegungen werden sinkende Fallzahlen angegeben. Meldete die Stadt Anfang des Monats noch 50.000 Neuinfektionen pro Tag, waren es am Samstag 16.583. Angesichts dessen müsse eine »verantwortungsvolle Regierung« die verhängten Coronabeschränkungen »regelmäßig und energisch überprüfen«, so Lam.

Zu diesen Beschränkungen zählt in Hongkong ein Versammlungsverbot für Gruppen von mehr als zwei Personen. Öffentliche Einrichtungen, auch Spielplätze und Strände wurden geschlossen, Präsenzunterricht ausgesetzt und eine Maskenpflicht eingeführt. Reisende aus dem Ausland müssen sich für zwei Wochen nach ihrer Ankunft in Hotelquarantäne begeben. Fluggesellschaften aus neun Ländern, darunter Australien und Großbritannien, dürfen den Flughafen der Stadt nicht anfliegen. Einen rigorosen Lockdown samt Ausgangssperre, wie er über einige chinesische Städte verhängt wurde, gab es in Hongkong bisher nicht.

Leere Regale in einem Supermarkt in Hongkong

Leere Regale in einem Supermarkt in Hongkong

Foto: Vincent Yu / dpa

Dennoch werden die Straßen der sonst quirligen Metropole als ungewöhnlich ruhig und leer beschrieben. Viele Restaurants und Bars sind geschlossen, jene, die noch öffnen, bleiben meist leer. Dass sich die Bewohner der Stadt auf eine längere Zeit zu Hause eingerichtet haben, ist auch in den Supermärkten zu sehen: Nach Hamsterkäufen sind viele Regale leer.

249 Todesfälle an einem Tag

Einer der Gründe, weshalb das Virus Hongkong schwer getroffen hat, sind die dort verwendeten Impfstoffe. »Die chinesischen Impfstoffe helfen schon nicht besonders gut gegen die Delta-Variante«, sagte Leif Eric Sander, Impfstoffexperte an der Berliner Charité, dem SPIEGEL Ende Dezember 2021. Für Omikron gelte das wahrscheinlich erst recht.

Ein anderer Grund ist die niedrige Impfquote. Nur 82 Prozent der Bevölkerung sind doppelt geimpft, die Zahl der Menschen mit Booster-Impfung liegt weit darunter. Kritisch ist die geringe Impfquote insbesondere unter den Älteren . Sie treiben die Sterberate stark nach oben. Nur knapp 68 Prozent der Menschen zwischen 70 und 79 sind in Hongkong mit mindestens zwei Dosen geimpft, in der Gruppe ab 80 sind es sogar nur 38 Prozent.

Szene aus der Notaufnahme eines Krankenhauses in Hongkong: Vor allem alte Menschen sind betroffen

Szene aus der Notaufnahme eines Krankenhauses in Hongkong: Vor allem alte Menschen sind betroffen

Foto: Emmanuel Serna / dpa

Daten der Johns Hopkins University zufolge sind in der Stadt seit dem Ausbruch der Coronakrise 5650 Menschen an oder mit dem Virus gestorben, mehr als in China, das 4638 Todesfälle meldet. Allein am Samstag wurden in Hongkong 249 Todesfälle gemeldet. Besonders hoch ist hier der Anteil ungeimpfter Personen.

Die Situation sei immer noch ernst, »auch wenn wir den Höhepunkt offenbar erreicht haben und es einen Abwärtstrend gibt«, sagte Lam am Sonntag. Untersuchungen von Abwasserproben hätten jedoch gezeigt, »dass es zu einem Wiederanstieg kommen könnte«.

mak, mit Material von Reuters und AP
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