Coronavirus in Asien Britische Forscher gehen von 1700 Infizierten aus

Bisher vermeldeten chinesische Behörden 45 Infektionen und zwei Todesfälle im Zusammenhang mit der neuartigen Lungenkrankheit Corona. Doch britische Gesundheitsexperten bezweifeln diese Zahlen.
Passanten in Tokio: Auch in Japan wurde bereits ein Patient positiv auf das Corona-Virus getestet

Passanten in Tokio: Auch in Japan wurde bereits ein Patient positiv auf das Corona-Virus getestet

Foto: Eugene Hoshiko/ dpa

Nach Einschätzung britischer Forscher könnten sich deutlich mehr Menschen mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt haben, als bisher von den chinesischen Behörden gemeldet. Die tatsächliche Zahl der Infizierten liegt nach Berechnungen der Wissenschaftler vom Imperial College London bei rund 1700 - und nicht wie bisher angenommen bei 45. Zwei Menschen starben bereits an den Folgen der Infektion.

"Unsere Schätzungen legen nahe, dass alle Krankenhauspatienten mit Lungenentzündung und Atemwegserkrankungen in der Wuhan-Region und in anderen gut angebundenen chinesischen Städten überprüft werden sollten", schreiben die Wissenschaftler in einem am Freitag vom Zentrum für die Analyse globaler Viruserkrankungen in London vorgelegten Forschungsbericht . In der Metropole Wuhan war das Virus im Dezember zuerst aufgetreten.

Die Forscher begründeten ihre Schätzung mit dem Auftreten des Virus auch in Thailand und Japan, wo bislang insgesamt drei Infektionen gemeldet wurden. Dass die Krankheit von Wuhan aus auch ins Ausland gelangt sei, setze voraus, "dass es viel mehr Fälle gibt, als gemeldet worden sind", sagte der Studienautor Neil Ferguson der BBC. "Ich bin deutlich besorgter als noch vor einer Woche", sagte der Wissenschaftler. Es sei jedoch zu früh, um Alarm zu schlagen.

Am Mittwoch war nach Angaben der chinesischen Behörden der zweite Patient an der Lungenkrankheit gestorben. Der 69-Jährige hatte sich den Angaben zufolge am 31. Dezember mit dem Erreger infiziert.

Vorsichtsmaßnahmen vor dem chinesischen Neujahrsfest

Nach Angaben der Gesundheitsbehörden in Wuhan trat das Virus im Dezember zuerst auf einem Fischmarkt in Wuhan auf. Er wurde am 1. Januar geschlossen. Bislang wurde den Behörden zufolge keine Übertragung von Mensch zu Mensch nachgewiesen. Allerdings könne "nicht ausgeschlossen" werden, dass es noch dazu komme.

Ferguson sagte der BBC, die Wahrscheinlichkeit von Mensch-zu-Mensch-Übertragungen sollten "ernster genommen" werden als bislang. Es sei unwahrscheinlich, dass allein die Übertragung vom Tier auf den Menschen Ursache der Infektionen sei.

Das neue Virus stammt aus der Erregerfamilie, zu der auch das tödliche Sars-Virus gehört. An der Sars-Epidemie waren in den Jahren 2002 und 2003 knapp 350 Menschen in Festlandchina sowie knapp 300 weitere in Hongkong gestorben.

Die USA führen Virus-Kontrollen bereits an mehreren Flughäfen durch, die mit der Elf-Millionen-Metropole Wuhan verbunden sind. Offizielle des Zentrums für Seuchenkontrolle und -prävention (CDC) teilten mit, seit vergangenem Freitag würden die Einreisenden nach den Symptomen befragt und bei ihnen werde Fieber gemessen. Auch in Thailand werden aus Wuhan eintreffende Passagiere bereits an mehreren Flughäfen auf das Virus getestet.

China hat bisher keine Reisebeschränkungen erlassen. Insbesondere mit Blick auf das anstehende chinesische Neujahrsfest haben chinesische und Hongkonger Behörden aber umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen getroffen. In Hongkong wurden unter anderem Fieber-Messstationen für ankommende Reisende eingerichtet. Rund um das Neujahrsfest sind jedes Jahr Millionen Chinesen in Zügen, Bussen und Flugzeugen unterwegs.

lmd/AFP