AstraZeneca-Vakzine Was bereits Geimpfte jetzt wissen müssen

Millionen Menschen haben bereits den Covid-19-Impfstoff von AstraZeneca bekommen. Nun wurde die Immunisierung damit in Deutschland vorsorglich unterbrochen. Was bedeutet das für Menschen, die bereits damit geimpft wurden?
Impfzentrum im Vogtland

Impfzentrum im Vogtland

Foto: Jan Woitas / dpa

Vorerst finden in Deutschland vorsorglich keine Covid-19-Impfungen mit dem Mittel von AstraZeneca mehr statt. Das hat das Bundesgesundheitsministerium am Montag mitgeteilt. Grundlage ist eine Auskunft des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) , das zunächst neue Meldungen von Blutgerinnseln der Hirnvenen im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung prüfen möchte.

Die europäische Arzneimittelbehörde Ema hatte den Covid-19-Impfstoff von AstraZeneca Ende Januar zur Zulassung empfohlen.

Am Donnerstag setzte zunächst Dänemark die Impfungen vorsichtshalber aus. Der Ema waren bis zu dem Zeitpunkt 30 Fälle von Gerinnungsstörungen nach einer AstraZeneca-Impfung gemeldet worden  – bei bislang knapp fünf Millionen Geimpften im Europäischen Wirtschaftsraum. Die Beschwerden waren unter Geimpften demnach nicht häufiger als in der Allgemeinbevölkerung.

Was bedeutet das für jene Menschen, die den Impfstoff bereits erhalten haben? Mit welchen Nebenwirkungen ist zu rechnen und wann sollten frisch Geimpfte zum Arzt gehen?

Unklar, ob Impfung die Ursache ist

Der Impfstopp erfolgt vorsorglich. Bislang ist nicht geklärt, ob die Blutgerinnsel, auch bekannt als Thrombosen, durch die Impfung verursacht werden oder ohnehin aufgetreten wären. Falls ein ursächlicher Zusammenhang bestehen sollte, wäre es eine sehr seltene Nebenwirkung.

Geimpfte sollten allerdings wachsam sein, falls es ihnen nach der Impfung über mehrere Tage immer schlechter geht. Personen, die den Covid-19-Impfstoff von AstraZeneca erhalten hätten und sich »mehr als vier Tage nach der Impfung zunehmend unwohl fühlen – zum Beispiel mit starken und anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen« –, sollten sich unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben, rät das PEI.

Treten Kopfschmerzen nach der Impfung über einen kürzeren Zeitraum auf, ist das dagegen kein Hinweis auf eine ernste Nebenwirkung. Stattdessen gehören die Beschwerden zu den sogenannten Impfreaktionen. Diese treten auf, wenn sich der Körper mit dem Impfstoff auseinandersetzt und eine Immunantwort entsteht. Sie sind ein Zeichen, dass die Impfung wirkt.

Impfreaktionen häufig, aber nicht gefährlich

Sowohl Vektorimpfstoffe wie die Covid-19-Vakzinen von AstraZeneca oder Johnson & Johnson als auch mRNA-Impfstoffe wie die Covid-19-Mittel von Biontech/Pfizer und Moderna rufen Impfreaktionen deutlich häufiger hervor als herkömmliche Impfstoffe, die etwa auf abgeschwächten Viren basieren. Impfreaktionen sind unangenehm, aber nicht gefährlich, und sie verschwinden von allein wieder, wenn der Impfstoff im Körper abgebaut wurde.

Laut Beipackzettel  des AstraZeneca-Mittels muss mehr als eine von zehn Personen nach der Impfung mit Schmerzen, Druck, Wärme, Juckreiz oder Blutergüssen an der Einstichstelle rechnen. Zu den sehr häufigen Reaktionen gehören zudem Müdigkeit, Unwohlsein, Schüttelfrost oder erhöhte Temperatur, Kopfschmerzen, Übelkeit und Muskelschmerzen.

Bei bis zu einer unter zehn geimpften Personen kommt es zudem zu Schwellungen an der Einstichstelle, Fieber mit einer Körpertemperatur von über 38 Grad, Erbrechen und Durchfall. Selten, bei bis zu einer unter hundert Personen, treten zwischenzeitlich Symptome wie geringerer Appetit, vergrößerte Lymphknoten, Schweißausbrüche oder Ausschlag auf.

Bereits vor Start der Impfkampagne in Deutschland hatten Fachleute gewarnt, dass die Bevölkerung besser über Impfreaktionen im Zusammenhang mit den Covid-19-Impfstoffen aufgeklärt werden müsse. Zwar seien die Beschwerden unbedenklich und vorübergehend, Geimpfte müssten aber Bescheid wissen, um sie richtig einordnen zu können, hieß es damals.

Zweitimpfung lässt sich nachholen

Der Covid-19-Impfstoff von AstraZeneca verhindert schwere bis tödliche Verläufe der Krankheit mit nahezu absoluter Sicherheit und reduziert das Erkrankungsrisiko deutlich – um ungefähr 60 bis 80 Prozent. Eine Verzögerung bei den Impfungen ist demnach auch nicht ohne Risiko und kann Menschenleben kosten.

In Deutschland wurden bislang ungefähr 1,6 Millionen Menschen einmal mit dem Mittel geimpft. Die zweite Dosis, die für einen vollen Impfschutz benötigt wird, steht in aller Regel noch aus. Ein paar Tage Verzögerung dürften hier allerdings keine Probleme machen.

Laut Daten aus großen Phase-III-Studien verringert der AstraZeneca-Impfstoff das Covid-19-Risiko um gut 80 Prozent, wenn zwischen zwei vollen Impfdosen mindestens drei Monate liegen. Wie lange der Abstand maximal sein sollte, ist nicht klar. Grundsätzlich gilt beim Impfen aber: Jede Dosis zählt, auch wenn Abstände nicht perfekt eingehalten werden.

Auch die erste Impfung dürfte das Erkrankungsrisiko bereits reduzieren. Unter knapp 6000 Studienteilnehmerinnen und -teilnehmern, die in den Zulassungsstudien nach 61 bis 90 Tagen nur eine Impfdosis erhalten hatten, gab es 23 Covid-19-Fälle. Vier davon traten unter den mit dem Wirkstoff geimpften Personen auf, 19 in der Placebogruppe.

Das entspräche einer Wirksamkeit von 78 Prozent. Allerdings gibt es aufgrund der kleinen Datenbasis noch Unsicherheiten. Die Wirksamkeit nach einer Impfung könnte demnach auch nur bei 36 Prozent liegen . Wie lange der Schutz hält, ist offen.

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Gesundheitsminister Jens Spahn erklärte am Montag, Folgeimpfungen könnten nachgeholt werden, falls die Ema nach der Prüfung des Covid-19-Impfstoffs von AstraZeneca keine Probleme sieht. Es besteht zudem die Möglichkeit, einen anderen Impfstoff zu erhalten, falls die Zulassung für das Produkt zurückgezogen werden sollte.

Spahn hofft, dass die Ema »idealerweise« noch in dieser Woche zu einer Entscheidung kommt.

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