Coronalage in Deutschland Bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 458,5

Das Robert Koch-Institut meldet 123.097 Neuinfektionen binnen 24 Stunden – 17.257 mehr als vor einer Woche. Unterdessen machen mehrere Bundesländer offenbar Druck auf die Regierung, schärfere Maßnahmen zu ermöglichen.
Coronaschnelltests

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Foto: IMAGO/Thomas Trutschel/photothek.de / IMAGO/photothek

Die Coronazahlen gehen weiter nach oben. Das Robert Koch-Institut (RKI) meldet 123.097 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Das sind 17.257 mehr als am Dienstag vor einer Woche, als 105.840 Coronafälle verzeichnet wurden.

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 458,5 von 447,3 in der Vorwoche. Außerdem wurden 182 weitere Personen registriert, die im Zusammenhang mit dem Virus starben. Am vergangenen Dienstag waren es 107. Damit erhöht sich die Zahl der gemeldeten Todesfälle auf 140.358.

Experten gehen seit einiger Zeit von einer hohen Zahl nicht vom RKI erfasster Fälle aus – vor allem weil bei Weitem nicht alle Infizierten einen PCR-Test machen lassen. Nur positive PCR-Tests zählen in der Statistik. Zudem können Nachmeldungen oder Übermittlungsprobleme zu einer Verzerrung einzelner Tageswerte führen. Die oft vergleichsweise hohen Infektions- und Todesfallzahlen an Dienstagen lassen sich mit Nachmeldungen von am Wochenende nicht registrierten Fällen erklären.

Unterdessen drängen Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen laut der Nachrichtenagentur dpa den Bund angesichts einer drohenden Coronawelle im Herbst, schnell die gesetzlichen Voraussetzungen für schärfere Schutzmaßnahmen zu schaffen. Die Ampel müsse noch vor der Sommerpause eine Änderung des Infektionsschutzgesetzes vorlegen, heißt es in einem Beschlussentwurf der vier Länder für die Konferenz der Gesundheitsminister in dieser Woche. Dies sei nötig, um auf einen Anstieg der Infektionen im Herbst mit geeigneten Gegenmaßnahmen reagieren zu können. »Dazu zählen insbesondere Maskenpflicht in Innenräumen, 3G/2G-Zugangsregeln, Testpflichten, Personenobergrenzen und Kontaktbeschränkungen«, heißt es in dem Vorschlag der vier Länder, der der dpa vorliegt.

Die drei unionsgeführten Länder und das grün-schwarz regierte Baden-Württemberg pochen zudem darauf, dass sie bei der Beratung des Gesetzes einbezogen werden. Der Bund müsse schnell rechtliche, finanzielle und organisatorische Planungssicherheit schaffen. Die Gesundheitsminister der vier Länder fordern unter anderem, die Corona-Testverordnung über Ende Juni hinaus »sachgerecht« zu verlängern. »Es bedarf auch weiterhin kostenfreier und unbürokratischer Testmöglichkeiten, um insbesondere den Schutz im Umfeld von Einrichtungen für vulnerable Personen und Gruppen sicherzustellen.«

Die Länder drängen vor der Ministerkonferenz in Magdeburg ab Mittwoch auch darauf, rasch zu klären, ob es eine allgemeine Empfehlung für eine vierte Impfung geben soll. Die Ständige Impfkommission empfiehlt eine zweite Auffrischungsimpfung bisher nur für Menschen ab 70 Jahren. Der Bund soll zudem zusammen mit den Ländern planen, wie im Herbst und Winter geimpft werden soll. Berlin müsse sicherstellen, dass genügend Impfstoff beschafft wird. Darüber hinaus müsse der Bund den Ländern wieder bei der Finanzierung der staatlichen Impfstrukturen wie Impfzentren unter die Arme greifen. Bei der Vorbereitung einer neuen Impfkampagne müsse auch eine mögliche Influenzawelle mitbedacht werden.

Baden-Württemberg, Bayern, Hessen und Nordrhein-Westfalen fordern die Bundesregierung daneben auf, die Krankenhäuser für die erwartete nächste Welle zu rüsten. Es müsse zum Beispiel finanzielle Anreize geben, um Personal zu halten und neues zu gewinnen. »Auch die finanzielle Absicherung der Krankenhäuser muss durch Bundesrettungsschirme erneut in Aussicht gestellt werden, sollte sich die Versorgungslage in den Krankenhäusern erneut zuspitzen.«

bbr/Reuters/dpa