Ärzteverband über die Corona-Pandemie Die zweite Welle ist schon da

In Deutschland steigt die Zahl der Neuinfektionen wieder. Der Ärzteverband Marburger Bund sieht darin den Beginn der zweiten Corona-Welle - und warnt davor, das Erreichte zu verspielen.
Menschen in der Hamburger Innenstadt (Archiv): Die zweite Welle ist da

Menschen in der Hamburger Innenstadt (Archiv): Die zweite Welle ist da

Foto: Georg Wendt/ dpa

Deutschland wird nach Einschätzung des Ärzteverbands Marburger Bund bereits von einer zweiten Coronavirus-Welle erfasst: "Wir befinden uns ja schon in einer zweiten, flachen Anstiegswelle", sagte die Verbandsvorsitzende Susanne Johna der "Augsburger Allgemeinen" (Dienstagsausgabe). Sie sei aber nicht vergleichbar mit der Situation im März und April. Dennoch steige die Zahl der Neuinfektionen. "Damit ist die Gefahr, dass wir die Erfolge, die wir bislang in Deutschland erzielt haben, in einer Kombination aus Verdrängung und Normalitätssehnsucht wieder verspielen", warnte Johna.

Die Krankenhäuser seien auf eine zweite Welle vorbereitet, sagte die Verbandschefin. Anders als bei der ersten Welle sollen Krankenhausbetten diesmal nicht pauschal, sondern am Bedarf orientiert freigehalten werden. "Weil sich das Pandemiegeschehen langsam aufbaut, müssen wir für Covid-19-Patienten gestuft Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung stellen, also eine zeitliche Staffelung der Vorhaltung einführen", sagte Johna.

Stufenweise zur Auslastung

Demnach wird zunächst eine geringere Anzahl an Intensivbetten freigehalten. Sind diese belegt, tritt 24 Stunden später Stufe zwei in Kraft, und die Kapazitäten in den Intensivstationen werden erweitert. "So geht das Schritt für Schritt weiter, bis man dann in der höchsten Alarm- und Ausbaustufe alle für Covid-19-Patienten verfügbaren Intensivkapazitäten ausschöpft", sagte Johna.

Johna mahnte eindringlich, die Hygieneregeln einzuhalten und Masken zu tragen. Sie verglich die Maske mit der Einführung des Sicherheitsgurts im Auto, wogegen es damals auch heftigen Widerstand gegeben habe. Heute fühlten sich viele Menschen von einer Mundschutzpflicht bevormundet. Aber das Gegenteil sei der Fall: So wie der Gurt Leben rette, "so rettet auch der Mundschutz Leben", sagte die Verbandschefin.

kry/dpa
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