Coronavirus in Deutschland Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 1474,3

Das Robert Koch-Institut hat binnen 24 Stunden 209.789 Corona-Neuinfektionen registriert. Die Sieben-Tage-Inzidenz ist auf einen neuen Höchstwert gestiegen. Derweil äußern sich Wissenschaftler über mögliche Lockerungen.
Corona-Testzentrum in Düsseldorf

Corona-Testzentrum in Düsseldorf

Foto: Sascha Steinbach / EPA

Die Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen in Deutschland hat erneut einen Höchstwert erreicht. Sie lag nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI)  am Samstagmorgen bundesweit bei 1474,3. Am Freitag hatte sie bei 1472,2 gelegen, am Samstag vergangener Woche noch bei 1388,0. Die Inzidenz beziffert die Zahl der neuen Ansteckungen pro 100.000 Einwohner im Zeitraum von sieben Tagen.

Wie das RKI unter Berufung auf Daten der Gesundheitsämter mitteilte, lag die Zahl der Neuinfektionen binnen 24 Stunden am Samstagmorgen bei 209.789 – nach 240.172 am Freitag und 217.815 am Samstag vergangener Woche. Wie das RKI weiter mitteilte, wurden am Samstag zudem 198 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit dem Coronavirus verzeichnet.

Seit Pandemie-Beginn verzeichneten die Gesundheitsämter nach Angaben des RKI insgesamt 12.219.501 Infektionsfälle. Die Gesamtzahl der registrierten Coronatoten in Deutschland liegt nun bei 119.877. Die Zahl der von einer Corona-Erkrankung genesenen Menschen in Deutschland beziffert das RKI auf rund 8.679.400.

Als entscheidenden Maßstab für eine Verschärfung oder Lockerung der Coronamaßnahmen hatten Bund und Länder im November die sogenannte Hospitalisierungs-Inzidenz festgelegt. Dieser Wert gibt an, wie viele Menschen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen wegen einer Coronainfektion im Krankenhaus liegen. Laut dem aktuellsten RKI-Bericht lag die Hospitalisierungs-Inzidenz am Freitag bundesweit bei 6,46.

Was Wissenschaftler über mögliche Lockerungen sagen

Die Debatte über Lockerungen der Coronamaßnahmen läuft in Deutschland auf Hochtouren – vor dem nächsten Bund-Länder-Treffen am kommenden Mittwoch hört man auch aus der Wissenschaft unterschiedliche Stimmen, was der richtige Weg ist. Die einen warnen vor zu schnellen Öffnungsschritten, andere peilen bereits den Weg zurück zur Normalität an. Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte zuletzt Lockerungen »deutlich vor Ostern« in Aussicht gestellt.

In der Diskussion sind etwa die 2G- und 2G-plus-Regelungen. Etwa im Einzelhandel sind die Vorgaben in den Ländern teils unterschiedlich: In manchen ist 2G bereits gekippt, andere Länder planen entsprechend. Epidemiologe Timo Ulrichs von der Akkon Hochschule für Humanwissenschaften in Berlin erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur dpa: »Generell wäre eine jetzige Lockerung der 2G-Regeln riskant, weil wir immer noch nicht abschätzen können, wie sich das auf die Omikron-Verbreitung und damit zeitversetzt auf die Einweisung ungeimpfter Infizierter und Erkrankter in die Krankenhäuser auswirken würde.«

Etwas anders hatte das zuletzt der Bonner Virologe Hendrik Streeck bewertet und die G-Regelungen infrage gestellt: »Wir müssen vorsichtig zur Normalität zurück. Da darf es aus meiner Sicht keinen Unterschied zwischen Geimpften und Ungeimpften mehr geben«, sagte er dem »Münchner Merkur«. Aus seiner Sicht übertragen doppelt Geimpfte das Virus wie Ungeimpfte. Mit dem Booster ändere sich das zwar etwas, sicher aber nur für ein paar Monate. »Daher muss man sich generell die Frage stellen, ob man an den G-Regeln festhalten will.«

Der Immunologe Carsten Watzl wies auf Anfrage darauf hin, dass es bei den 2G-Regelungen grundsätzlich nicht so sehr darum gehe, dass sich Ungeimpfte generell schneller ansteckten, sondern darum, dass sie ein höheres Risiko hätten, schwer zu erkranken. »Das ist auch bei Omikron noch so, auch wenn die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Verlauf mit einer Omikron-Infektion gegenüber einer Delta-Infektion auch für Ungeimpfte reduziert ist«, stellte der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie klar. Vor einem solchen schweren Verlauf schützten Impfung und besonders Booster sehr gut, bekräftigte Watzl.

Mit Blick auf die Frage, inwiefern sich überhaupt das Infektionsrisiko bei der besonders leicht übertragbaren Omikron-Variante zwischen Ungeimpften, Grundimmunisierten und Menschen mit Auffrischimpfung unterscheide, gibt Watzl zu bedenken, dass dies von weiteren Faktoren wie etwa der Zeit seit der letzten Impfung oder auch dem verimpften Vakzin abhänge.

Hajo Zeeb vom Leibniz-Institut für Präventionsforschung und Epidemiologie in Bremen verwies dazu auf einen aktuellen Bericht der britischen Gesundheitsbehörde (UKHSA). Demnach ist die Effektivität von Impfung und Booster gegen Omikron zwar geringer als gegen Delta, aber immer noch deutlich vorhanden, während Ungeimpfte keinen Schutz haben, erklärte Zeeb. Der Schutz vor einem schweren Verlauf, der ins Krankenhaus führe, sei auch bei Omikron noch deutlich höher.

Wie wichtig FFP2-Masken im Kampf gegen Omikron blieben, hoben Ulrichs, Watzl und Zeeb hervor. »Sehr entscheidend, um die Omikron-Ausbreitung zu verlangsamen, ist das generelle Tragen von FFP2-Masken«, so Ulrichs. »Maskentragen sollten wir noch mindestens bis zum vollständigen Abklingen der Omikron-Welle beibehalten.«

Aus Zeebs Sicht dürfte die Maske die am längsten beizubehaltende Schutzmaßnahme sein, auch wenn sonst in absehbarer Zukunft immer mehr Einschränkungen fielen – »gegebenenfalls auch einfach als Gebot und nicht als Pflicht«, so der Experte.

Doch auch Kontaktreduzierung und Abstandsregelungen bleiben aus seiner Sicht wichtig. Auch, wenn nach und nach überall die 2G-Regelungen fielen, halte er es für sinnvoll, »über Begrenzung der Anzahl von Personen in Innenräumen nachzudenken« – sowohl in Geschäften als auch in Restaurants.

Streeck hatte dem »Münchner Merkur« gesagt, er halte für den Sommer eine Abschaffung von Coronamaßnahmen – so auch der Maskenpflicht – für wünschenswert. »Ich plädiere für einen Sommer-Modus und für einen Winter-Modus«. In der warmen Jahreszeit könne auf Maßnahmen verzichtet werden, im Herbst und Winter müssten Maßnahmen sein.

cop/dpa