Infektionen in Deutschland Die Grippe tötet hier Tausende, das Coronavirus bislang niemanden

Während Deutschland über das neuartige Coronavirus redet, steigt die Zahl der Grippefälle - und der Grippetoten: Vor zwei Jahren waren es 25.000. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

In Bayern hat sich ein Mann mit dem neuartigen Coronavirus 2019-nCoV infiziert. Laut dem bayerischen Gesundheitsministerium hat sich der 33-Jährige bei einer chinesischen Kollegin angesteckt, deren Eltern aus der Region Wuhan kommen und mit denen die Frau vor ihrer Reise nach Deutschland Kontakt hatte. (Verfolgen Sie die Entwicklungen im Newsblog.)

Natürlich wirft die Nachricht viele Fragen auf, zuallererst: Müssen wir nun in Deutschland einen größeren Ausbruch erwarten? Wie gefährlich ist die Lungenkrankheit, die der Erreger mit dem Namen 2019-nCoV auslöst? Wie kann man sich vor dem Virus schützen?

Das sind alles berechtigte Fragen. Allerdings sollte man sie sich aktuell auch, oder sogar eher in Bezug auf einen anderen Erreger stellen: Denn das Influenzavirus, Auslöser der Grippe, kursiert aktuell in weit größerem Ausmaß in Deutschland. Wie jeden Winter.

In der vergangenen Woche erkrankten circa 7000 Menschen nachweislich an der Grippe, in der Woche zuvor waren es rund 4400, wie das Robert Koch-Institut (RKI) berichtet . Seit Beginn der Grippewelle waren mehrere Tausend Patienten so schwer erkrankt, dass sie im Krankenhaus behandelt werden mussten. 32 an Grippe erkrankte Menschen sind gestorben.

Während der sehr heftigen Saison im Winter 2017/2018 starben laut Schätzung des RKI  25.000 Menschen an der Grippe, im Jahr zuvor waren es knapp 23.000. Auswertungen des RKI legen nahe, dass schwere Grippewellen sogar die Entwicklung der Lebenserwartung in Deutschland negativ beeinflussen.

Die Grippewelle 2018/2019 verlief zwar vergleichsweise mild. Allerdings kam es auch in jenem Winter zu rund 3,8 Millionen Arztbesuchen wegen Grippe-Erkrankungen. Rund 18.000 Erkrankte mussten im Krankenhaus behandelt werden.

Es wäre also nicht ratsam, sich wegen des neuartigen Coronavirus Sorgen zu machen, während man die Grippe ignoriert.

Müssen wir in Deutschland einen größeren Ausbruch erwarten?

In Bezug auf die Grippe lässt sich diese Frage klar mit Ja beantworten. Aktuell steigt die Zahl der Grippekranken. Wie schwer diese Welle wird, ist noch nicht genau zu sagen. Oft erreicht die Grippewelle im Februar ihren Höhepunkt, in manchen Jahren zieht sie sich bis in den März.

In Bezug auf das Coronavirus 2019-nCoV kann man zu diesem Zeitpunkt nur mutmaßen. Noch wissen wir schlicht nicht, ob es dazu kommen wird, dass sich das Virus in Deutschland in größerem Maßstab von Mensch zu Mensch überträgt und nicht nur punktuell bei Reisenden auftritt, die sich in China angesteckt haben. Dass einzelne Fälle in Deutschland auftreten, ist nicht überraschend und heißt noch nicht, dass eine Gefahr für die Bevölkerung insgesamt besteht. Diese Einschätzung könne sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern, schreibt jedoch auch das RKI.

Wie gefährlich ist die Lungenkrankheit, die das Virus auslöst?

Bisherigen Berichten zufolge sind bislang vor allem Menschen an einer 2019-nCoV-Infektion gestorben, die bereits unter einer schweren Grunderkrankung litten, also bereits geschwächt waren. Laut den Informationen aus China starben etwas mehr als 100 von 4500 Infizierten, also etwa zwei Prozent der Erkrankten. Diese Zahl ist allerdings mit Vorsicht zu betrachten, weil gerade zu Beginn eines Ausbruchs vor allem die schweren Fälle bekannt werden und die leichteren eher übersehen werden. Es ist also wahrscheinlich, dass das Virus weniger Todesfälle nach sich zieht, als die Zahl von zwei Prozent vermuten lässt.

Das Virus kann sich offenbar in den unteren Atemwegen festsetzen und so eine Lungenentzündung auslösen. Betroffene haben Fieber, trockenen Husten, Atemnot. An Schnupfen leiden sie dagegen nicht. Dem infizierten Mann aus Bayern geht es nach Auskunft seines behandelnden Arztes bereits wieder gut.

Wie gefährlich die Grippe ist, hängt sehr davon ab, welche Virusstämme kursieren. Influenzaviren sind sozusagen eine große Familie - mit harmloseren und gefährlicheren Vertretern.

Auch bei einer Grippe sind Menschen mit Vorerkrankungen besonders gefährdet, ebenso wie Säuglinge und Kleinkinder, Senioren und Schwangere. Betroffene haben bis zu 41 Grad Fieber, trockenen Husten, Kopf- und Muskelschmerzen. Sie fühlen sich abgeschlagen und haben keinen Appetit. Komplikationen  wie Lungenentzündungen, Mittelohrentzündungen, aber auch Herzrhythmusstörungen oder in seltenen Fällen Hirnhautentzündungen sind möglich.

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Wie kann man sich vor dem Virus schützen?

Zwischen 2019-nCoV und den Influenzaviren besteht ein großer Unterschied: Gegen die Grippe existiert eine Impfung, gegen das neuartige Coronavirus bisher nicht. Weil in jeder Grippe-Saison andere Virusstämme kursieren, ist es zwar notwendig, sich jedes Jahr erneut zu impfen - doch es bleibt der beste Schutz vor einer Ansteckung. Die Ständige Impfkommission (Stiko) rät einigen Personengruppen, die jährliche Schutzimpfung wahrzunehmen. Das gilt unter anderem für:

  • alle ab 60-Jährigen,

  • viele chronisch Kranke,

  • Schwangere (ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel).

  • Menschen, die ein größeres Risiko haben, im Krankheitsfall andere anzustecken, medizinisches Personal zum Beispiel.

Zwar wird empfohlen, sich früher zu impfen, jedoch kann auch jetzt eine Grippeimpfung noch sinnvoll sein.

Davon abgesehen gleichen sich die Empfehlungen zum Schutz vor einer Ansteckung bei beiden Virusinfektionen: Häufiges Händewaschen sorgt dafür, Erreger zu beseitigen, die möglicherweise an den Händen haften. Wer niest und hustet, sollte dabei Abstand zu anderen halten - und danach die Hände waschen.

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