Covid-19 in Italien Erste Fälle auf Sizilien und in Florenz

Covid-19 hat nun auch den Süden Italiens erreicht: Auf Sizilien und in Florenz wurden die ersten Fälle bekannt. Auch in Südtirol gibt es einen Verdachtsfall. Das EU-Parlament zieht Konsequenzen für Mitarbeiter.
Soldaten mit Mundschutz patrouillieren über den Domplatz in Mailand

Soldaten mit Mundschutz patrouillieren über den Domplatz in Mailand

Foto: Claudio Furlan/ dpa

In Italien gibt es Medienberichten zufolge drei neue Fälle von Covid-19 in bisher nicht betroffenen Regionen. Wie unter anderem die Tageszeitung "Corriere della Sera" meldet , sei ein 60-jähriger Geschäftsmann, der von einer Reise aus Singapur zurückgekehrt war, in Florenz im Krankenhaus. Außerdem habe sich ein 49-jähriger Informatiker infiziert, der in der vergangenen Woche in der Lombardei auf Dienstreise war - und zwar in Codogno, einem der inzwischen abgeriegelten Orte. Eine Touristin aus Bergamo sei in der sizilianischen Stadt Palermo positiv auf das Coronavirus getestet worden und befinde sich in Isolation. Der Zivilschutz bestätigt die Ausweitung des Virus auf die Toskana und Sizilien in einer Pressemeldung .

Bergamo liegt in der besonders betroffenen Region Lombardei. Dort waren die Fallzahlen in den vergangenen Tagen sprunghaft angestiegen. 229 Menschen sind im Norden Italiens bereits positiv auf das Sars-CoV-2 genannte Coronavirus getestet worden, sieben Menschen starben.

Auch Südtirol meldete den ersten wahrscheinlichen Fall. Bei einem Mann aus Terlan sei der zweite Test positiv gewesen, erklärte Landeshauptmann Arno Kompatscher am Montagabend. Ein dritter Test soll den Fall nun endgültig bestätigen. Der Mann hatte sich zuvor in der Lombardei aufgehalten. Italien ist damit binnen kurzer Zeit zum größten Herd des Coronavirus in Europa geworden.

Die Ausbreitung des gefährlichen neuartigen Coronavirus in Norditalien ist nach Angaben von Regierungschef Giuseppe Conte auch auf den fehlerhaften Umgang eines Krankenhauses mit dem Erreger zurückzuführen. Eine Klinik habe die Vorschriften nicht eingehalten, dort habe es "ungerechtfertigte Alleingänge" gegeben, sagte Conte am Montagabend im italienischen Fernsehen. Nähere Angaben zu dem Krankenhaus machte er nicht.

Auch auf den Kanarischen Inseln gibt es den Agenturen Reuters und AP zufolge einen Coronavirus-Fall. Ein Hotel in der Stadt Adeje auf Teneriffa wurde demnach unter Quarantäne gestellt, nachdem ein italienischer Arzt dort positiv auf das Virus getestet wurde. Er befinde sich isoliert in einem örtlichen Krankenhaus. Nun werden alle Hotelgäste, die Kontakt mit dem Patienten hatten, getestet. Die Angaben wurden bisher nicht von den spanischen Behörden bestätigt.

EU-Parlament fordert Mitarbeiter zur Heimarbeit auf

Das EU-Parlament hat Mitarbeiter, die unlängst eine Region mit vielen Coronavirus-Infektionen besucht haben, zur Heimarbeit aufgefordert. Auch wenn keinerlei Verdacht auf eine Ansteckung bestehe, sollten die Mitarbeiter mindestens 14 Tage nach Rückkehr nicht ins Parlament kommen, heißt es in einer E-Mail der Parlamentsverwaltung, die der Nachrichtenagentur AFP vorlag. Neben China, Singapur und Südkorea werden die norditalienischen Regionen Lombardei, Piemont, Emilia-Romagna und Venetien aufgeführt.

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Das EU-Parlament empfiehlt Mitarbeitern, die eine der Regionen in den vergangenen 14 Tagen besucht haben, zwei Mal täglich Fieber zu messen. Sollten Symptome von Covid-19 auftreten oder Kontakt zu womöglich infizierten Menschen bestanden haben, "kontaktieren Sie bitte Ihren Hausarzt (...) und begeben Sie sich nicht in die Klinik ohne vorherigen telefonischen Kontakt", heißt es in der E-Mail der Parlamentsverwaltung.

Das Europäische Zentrum für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) sieht derzeit ein "mittleres bis hohes" Risiko, dass sich das Virus auch in anderen EU-Ländern ausbreiten könnte. Die EU-Kommission hält es bislang nicht für nötig, aufgrund der Epidemie systematische Grenzkontrollen einzuführen. Italien ist Teil des Schengenraums, in dem es normalerweise keine Ein- und Ausreisechecks gibt. Nach Angaben der Brüsseler Behörde wären vorübergehende Kontrollen wegen des Virus grundsätzlich möglich.

In China, wo die Epidemie zuerst ausgebrochen war, stieg die offizielle Zahl der Toten bis Dienstag um weitere 71 Fälle auf 2663. Zudem wurden weitere 508 Infektionsfälle bestätigt, womit die amtliche Gesamtzahl der Ansteckungen auf rund 77.500 wuchs.

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Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

kry/AFP/dpa