Covid-19 in Bayern Erster deutscher Coronavirus-Patient aus Klinik entlassen

Neun Corona-Patienten wurden in der München Klinik Schwabing behandelt. Einer von ihnen konnte nun "vollständig gesund" entlassen werden.
München Klinik Schwabing: Erster Coronavirus-Patient entlassen

München Klinik Schwabing: Erster Coronavirus-Patient entlassen

Foto: Lennart Preiss/ Getty Images

16 Tage lang harren einige der mit dem neuartigen Coronavirus infizierten Patienten bereits auf der Isolierstation der München Klinik Schwabing aus. Nun hat das Krankenhaus den ersten Patienten entlassen. Er sei wieder "vollständig gesund, nicht mehr ansteckend" und erfülle alle vom Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in enger Abstimmung mit den behandelnden Ärzten und einem wissenschaftlichen Expertengremium diskutierten Entlassungskriterien. Darunter seien mehrere negative Tests auf das Coronavirus, die im Krankenhaus durchgeführt worden seien.

Insgesamt gibt es in Deutschland bislang 16 bestätigte Infektionsfälle. Allein in Bayern sind 14 Menschen mit dem Virus infiziert, alle von ihnen sind auf einen Fall beim Autozulieferer Webasto zurückzuführen. Nach dem Besuch einer chinesischen Kollegin Mitte Januar war die erste Infektion bekannt geworden.

Neun der Patienten wurden in der Münchner Klinik isoliert und behandelt. Die acht verbleibenden Patienten seien klinisch stabil, hieß es in der Mitteilung des Krankenhauses . Auch sie seien weitestgehend symptomfrei und könnten voraussichtlich bald entlassen werden. "Der Patient, bei dem eine Entzündung der Atemwege diagnostiziert wurde, entwickelt sich positiv", sagte der behandelnde Chefarzt Clemens Wendtner. "Wir beobachten eine abklingende Entzündung. Insgesamt zeigen die meisten Patienten im Verlauf ihres Aufenthalts bei uns lediglich leichte grippeähnliche Symptome, wobei fast alle inzwischen wieder weitestgehend symptomfrei sind."

Eine vierköpfige Familie wird in der Klinik Trostberg behandelt, ein weiterer Fall in einer anderen bayerischen Klinik, die das Gesundheitsministerium aus Gründen des Privatsphärenschutzes nicht nennen wollte.

Auch die entlassene Person habe darum gebeten, anonym zu bleiben. "Wir sprechen mit den Patienten ab, was wir über ihren Gesundheitszustand nach außen geben", sagte Wendtner. "Sie haben uns gebeten, transparent zu informieren, aber darüber hinaus keine zusätzlichen privaten oder gesundheitlichen Details zu veröffentlichen."

Patienten seien "wahre Helden"

"Wer von uns offiziell entlassen wird, kann ohne Kontaktsperre wieder in seinen Alltag zurückkehren", sagte Wendtner. "Hier gibt es keinen Anlass mehr zur Sorge oder zur Zurückhaltung." Er habe großen Respekt vor den Patienten, die mit dieser belastenden Situation ruhig und gelassen umgegangen seien. "Sie sind wahre Helden", sagte er.

Allgemeine Kriterien für eine Entlassung seien unter anderem kein Coronavirus-Nachweis in den Atemwegssekreten, Symptomfreiheit und eine ausreichend lange Isolationsdauer, erklärte LGL-Präsident Andreas Zapf. "Bei Erfüllung dieser Kriterien ist davon auszugehen, dass von den Betroffenen keine Ansteckungsgefahr mehr ausgeht", sagte er.

"Die letzten Wochen waren eine enorme Belastung"

Der Vorstandsvorsitzende der Webasto-Gruppe begrüßte die Entlassung seines Mitarbeiters: "Ich freue mich sehr, dass der erste unserer Mitarbeiter gesund entlassen und zu seiner Familie zurückkehren konnte", sagte Holger Engelmann. "Die Vertreter der Medien bitte ich, die Privatsphäre unserer Mitarbeiter zu respektieren. Die letzten Wochen waren eine enorme Belastung für die Kollegen und ihre Familien. Sie brauchen jetzt vor allem Zeit für sich und ihre Angehörigen."

Am Mittwoch öffnete Webasto nach zweiwöchiger Schließung seine Zentrale im bayerischen Stockdorf wieder. Das Gebäude wurde zuvor von einer Spezialfirma gereinigt und desinfiziert. Die meisten der rund 1000 Beschäftigten hatten in der Zwischenzeit im Homeoffice gearbeitet.

Die München Klinik Schwabing wies darauf hin, dass die Versorgung auf der Isolierstation der Infektiologie ausschließlich für bestätigte Coronavirus-Patienten vorgesehen sei. "Deshalb gilt: Wer hohes Fieber hat, hat mit sehr großer Wahrscheinlichkeit eine normale Erkältung oder Grippe", sagte Wendtner. "Bevor diese Patienten in Schwabing in unserer Infektiologie aufgenommen werden, sollte der Coronavirus-Test erfolgt sein." Grippeverdachtsfälle könnten in andere Krankenhäuser in Bayern gehen, die über Versorgungs- und Isolationsmöglichkeiten von Influenzafällen verfügten.

Während die deutschen Covid-19-Fälle alle milde zu verlaufen scheinen, nimmt die Epidemie in China ein immer größeres Ausmaß an. In der Nacht war die Zahl der Infektionen allein in der Provinz Hubei sprunghaft um rund 15.000 Fälle angestiegen - rund neun Mal so viel wie am Vortag. Allerdings sind diese Zahlen mit Vorsicht zu betrachten: Wie die chinesische Gesundheitskommission mitteilte, hat China das Diagnoseverfahren geändert, was auch die Aufnahme der Fallzahlen in die Statistik beeinflusst hat. Rund 1350 Menschen sind in China bisher an Covid-19 gestorben.

Nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) könnte das neuartige Coronavirus auch international für große Probleme sorgen. "Die globale Entwicklung legt nahe, dass es zu einer weltweiten Ausbreitung des Virus im Sinne einer Pandemie kommen kann", warnte das Institut am Mittwoch. Eine solche Pandemie könnte vor allem Länder mit geringen Ressourcen im Gesundheitssystem besonders stark treffen.

kry
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