Zunehmende Belastung der Kliniken Intensivmediziner fordern gesetzliche Grundlage für Triage

Auf den deutschen Intensivstationen wird es zunehmend eng. Spätestens in einem Monat erwarten Mediziner besorgniserregende Zustände – für ihre Arbeit brauchen sie Rechtssicherheit.
Intensivstation in Greifswald: Mediziner erwarten noch einmal steigende Fallzahlen

Intensivstation in Greifswald: Mediziner erwarten noch einmal steigende Fallzahlen

Foto: Jens Büttner / dpa

Mediziner der Deutschen interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi) befürchten, dass Ärztinnen und Ärzte in Deutschland in Situationen geraten könnten, in denen sie Covid-19-Patienten nicht sofort behandeln können. Für die dann möglicherweise zum Einsatz kommende Triage fordern sie nun mehr Rechtssicherheit.

Triage bedeutet, dass Ärzte entscheiden müssen, welche Patienten sie bei begrenzten medizinischen Kapazitäten bevorzugt behandeln. Bei Corona-Patienten müssten die Ärzte demnach etwa entscheiden, wer als Erstes an ein Beatmungsgerät angeschlossen wird und wer nicht beatmet werden kann.

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Bislang keine Triage in Deutschland

Steffen Weber-Carstens von der Berliner Charité betonte, dass es im Moment die Situation dieser sogenannten Triage in Deutschland noch nicht gebe. Dies gelte auch für Sachsen, wo die Ansteckungszahlen derzeit besonders hoch sind. Von dort würden Patienten aber in andere Bundesländer verlegt, sagte Weber-Carstens.

Die Intensivmediziner betonten, dass es eine ausgearbeitete Strategie gebe, wie Patientinnen und Patienten innerhalb von Deutschland verlegt werden könnten, falls ein Krankenhaus keine Kapazitäten mehr hat. Dies müsse bundeslandübergreifend geschehen, um den Druck aus belasteten Kliniken herauszunehmen  und eine schnelle Therapie für Patienten sicherzustellen.

Es werde bis in den Januar hinein eine »fortgesetzte Grenzsituation auf den Intensivstationen« geben, sagte der Präsident der Divi, Uwe Janssens, bei einer virtuellen Pressekonferenz. Die Zahl der Corona-Patienten wird nach Ansicht der Divi-Experten zunächst weiterhin zunehmen und könnte Berechnungen zufolge Mitte oder Ende Januar eine Spitze erreichen.

Auch die Zahl der belegten Betten werde weiter steigen, sagte der Sprecher des Divi-Intensivregisters, Christian Karagiannidis. Die Mediziner hofften, dass die Zahlen nach diesem Anstieg dann aufgrund des derzeitigen Lockdowns wieder fallen. Ganz sicher sei aber, dass die Intensivmedizin noch mal stärker belastet werde. Hintergrund ist, dass bei steigenden Corona-Infektionszahlen die Zahl der intensivpflichtigen Corona-Patienten erst mit zeitlicher Verzögerung zunimmt.

Hartes Weihnachtsfest steht bevor

»Es wird ein sehr hartes Weihnachtsfest werden, auch für die Pflegekräfte«, sagte Divi-Präsident Janssens. Er rief dazu auf, Weihnachten im kleinsten Umfeld zu feiern. Auch Stefan Klug vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) zeigte sich besorgt über die mögliche Mobilität während der Feiertage. »Meine jetzige Prognose wäre, dass der Lockdown nicht zum 10. Januar zu Ende sein wird, das kann den aktuellen Zahlen zufolge eigentlich nicht sein«, so Kluge. Die Intensivmediziner waren sich einig, dass die Lage in den Kliniken noch mehrere Wochen oder Monate angespannt bleiben wird.

kry/AFP
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