Papier des Robert Koch-Instituts »Die vierte Welle hat begonnen«

Laut RKI befindet sich Deutschland in der nächsten Ausbreitungswelle des Coronavirus. Die Behörde betont einmal mehr die Wichtigkeit des Inzidenzwerts – offenbar zum Missfallen einiger Länderchefs.
Englischer Garten in München: Zusätzliche »Basisschutz-Maßnahmen« seien notwendig

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Bruno Kickner / imago images

Angesichts der Diskussion über den Umgang mit steigenden Infektionszahlen hat sich RKI-Chef Lothar Wieler einem Medienbericht zufolge weiterhin für die Inzidenz als »Leitindikator« ausgesprochen. Wie die »Bild« am Dienstag berichtete, präsentierte der Direktor des Robert Koch-Instituts bei einer Schaltkonferenz zwischen Kanzleramtschef Helge Braun und den Chefs der Staatskanzleien der Länder am Montag ein Papier, in dem er dafür plädierte, an der Inzidenz festzuhalten.

Laut »Bild« geht aus dem Papier hervor, dass Prävention »weiterhin die höchste Priorität« habe. »Inzidenz ist Leitindikator für Infektionsdynamik (hohe Inzidenzen haben zahlreiche Auswirkungen)«, steht wörtlich in dem Papier, das der Deutschen Presse-Agentur vorliegt und über das auch »The Pioneer« berichtet hatte. Die Sieben-Tage-Inzidenz bleibe wichtig, um die Situation in Deutschland zu bewerten und frühzeitig Maßnahmen zur Kontrolle zu initiieren.

Ländervertreter nicht einverstanden

Nach Informationen der »Bild«  waren die Ländervertreter mit Wielers Festhalten an der Niedriginzidenzstrategie überwiegend nicht einverstanden. Teilnehmer sprachen sich dagegen aus, die Inzidenz weiter als wichtigsten Maßstab für die Coronamaßnahmen zu betrachten.

Zur aktuellen Lage heißt es in dem RKI-Papier, dass die Inzidenzen seit rund drei Wochen wieder stiegen, der Anteil der Hospitalisierungen seit rund zwei Wochen. »Die vierte Welle hat begonnen.«

Hohe Impfquoten verlangsamen die Virusausbreitung zwar deutlich, reichen allein aber nicht aus, um die vierte Welle flach zu halten. Zusätzliche »Basisschutz-Maßnahmen« seien notwendig, um die vierte Welle so zu senken, dass die Patientenzahlen in Krankenhäusern nicht zu hoch würden, heißt es in dem Papier. Als Maßnahmen nennt das RKI eine Reduzierung der Kontakte sowie der Mobilität.

Fachleute gehen derzeit davon aus, dass durch das Impfen eine deutlich höhere Inzidenz vertretbar wäre, als es noch im vergangenen Jahr der Fall war. Da durch den Impfschutz weniger Menschen schwer erkranken, ist das mit Blick auf die Zahl der Covid-19-Patienten in den Krankenhäusern schlüssig.

Abseits davon bergen viele Ansteckungen aber weiterhin Risiken (mehr dazu lesen Sie hier ). Unter anderem werden sich sehr viele Kinder, für die noch keine Impfung zugelassen ist, und Ungeimpfte in kurzer Zeit infizieren, wenn die Inzidenz hoch ist. Damit werden auch mehr Langzeitfolgen, bekannt als Long- oder Post-Covid, in Kauf genommen.

Braun erklärte die Frage, welche Bedeutung die Inzidenz künftig haben solle, laut »Bild« zur Richtungsentscheidung. Bund und Länder sollten bis zur nächsten Ministerpräsidentenkonferenz am 10. August entscheiden, ob sie ausschließlich dem Ziel folgen, eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern – oder ob sie anstreben, die Nachverfolgung der Coronainfektionen sicherzustellen und somit die Inzidenz niedrig zu halten.

jme/dpa/AFP
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