Leserfrage Kann ich mich bei keuchenden Sportlern anstecken?

Individueller Sport an der frischen Luft ist noch erlaubt. Aber könnten Jogger oder Fahrradfahrer unwissentlich infektiöse Coronaviren in Aerosolen ausstoßen, fragt eine Leserin.
Draußen Joggen oder Fahrradfahren ist noch erlaubt - aber auch hier ist Abstand halten angesagt

Draußen Joggen oder Fahrradfahren ist noch erlaubt - aber auch hier ist Abstand halten angesagt

Foto: Riccardo Antimiani/ EPA-EFE/Shutterstock

Hier und in unserem Newsletter beantworten wir regelmäßig eine Frage unserer Leserinnen und Leser zum Coronavirus.

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Leserin Christine Hahn fragt: Können keuchende Outdoor-Sportler, die mit dem Coronavirus infiziert sind, aber keine Symptome haben, das Virus über die Luft weitergeben?

Die Antwort von Katherine Rydlink aus dem Gesundheitsressort des SPIEGEL: Um die Frage zu beantworten, muss man sich zunächst einmal die Übertragungswege von Sars-CoV-2 anschauen: "Es kann davon ausgegangen werden, dass die hauptsächliche Übertragung über Tröpfchen erfolgt", schreibt das Robert Koch-Institut (RKI) auf seiner Website . "Theoretisch möglich sind auch Schmierinfektion und eine Ansteckung über die Bindehaut der Augen."

Dabei sind auch Fälle bekannt, in denen asymptomatische Patienten das Virus ausgeschieden haben sollen. Die Evidenz, also die Beweislage, für eine asymptomatische Übertragung ist laut RKI jedoch insgesamt schwach.

Bei einer Tröpfcheninfektion wird der Krankheitserreger über Speichel- oder Schleimtröpfchen beim Husten, Niesen oder beim Sprechen ausgeschieden und kann von einem anderen Menschen eingeatmet werden. Um sich davor zu schützen, empfiehlt das RKI, mindestens 1,5 Meter Abstand von seinen Mitmenschen zu halten.

In der Regel sind die Tröpfchen so schwer, dass sie unmittelbar nach dem Ausscheiden zu Boden sinken. Nun gibt es aber auch Erreger, die in Tröpfchen überdauern, die eine sehr geringe Größe haben (kleiner als 5 µm) und in sogenannten Aerosolen in der Luft schweben bleiben können. Eine Studie , die im "New England Journal of Medicine" veröffentlicht wurde, hat belegt, dass Sars-CoV-2 bis zu drei Stunden in Aerosolen überdauern kann. Die Wissenschaftler schlussfolgern, dass ein solcher Übertragungsweg plausibel sein könnte. Es kommt jedoch auch darauf an, wie hoch die Viruslast in den Aerosolen ist und ob diese ausreicht, um einen anderen Menschen zu infizieren.

Das RKI schreibt, dass es bisher keine Evidenz dafür gibt, dass sich Menschen über Aerosole mit Sars-CoV-2 angesteckt haben. Da die Studienlage dazu jedoch noch recht dünn ist, kann die Möglichkeit auch nicht völlig ausgeschlossen werden.

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Nun zurück zur ursprünglichen Frage: Angenommen, ein Jogger, der unwissentlich mit Sars-CoV-2 infiziert ist, geht laufen und stößt dabei geringe Mengen des Virus durchs Atmen aus. Die Tröpfchen müssten so klein sein, dass sie in Aerosolen in der Luft schweben bleiben. Die Viruslast in den Aerosolen müsste zudem ausreichen, um eine andere Person zu infizieren und sich in deren Rachen zu vermehren. Diese andere Person müsste noch dazu so viel Pech haben, genau diese winzigen Schwebeteilchen im richtigen Moment einzuatmen, bevor sie etwa von einem Windstoß davongetragen werden.

Ausgeschlossen werden kann dieser Übertragungsweg nach derzeitiger Studienlage also nicht. Es scheint jedoch sehr unwahrscheinlich, dass man sich auf diese Weise mit Covid-19 anstecken kann. Derartige Fälle sind derzeit nicht bekannt.

Davon abgesehen gilt auch beim Joggen: Bitte mindestens 1,5 Meter Abstand halten.

kry
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