Geringe Nachfrage Lauterbach hält Novavax-Impfungen aktuell für »nicht wirklich erfolgreich«

Viele Impfskeptiker warteten angeblich auf den Proteinimpfstoff von Novavax – seit knapp einer Woche ist er in Deutschland verfügbar. Doch bisher wurden nur rund 13.200 Erstimpfungen gemeldet.
Eine Spritze mit dem Novavax-Impfstoff wird aufgezogen (Symbolbild)

Eine Spritze mit dem Novavax-Impfstoff wird aufgezogen (Symbolbild)

Foto: Nicolas Maeterlinck / Belga / IMAGO

Knapp eine Woche nach Beginn der Impfungen mit dem neuen Novavax-Impfstoff sind in Deutschland bisher rund 13.200 Dosen des US-Herstellers als Erstimpfungen verabreicht worden. Das geht aus aktuellen Daten des Robert Koch-Instituts  (RKI) hervor.

Gesundheitsminister Karl Lauterbach erläuterte, dass das Präparat aktuell »nicht wirklich erfolgreich« verimpft werden könne. »Wir versuchen das natürlich, wir kämpfen dafür«, sagte der SPD-Politiker am Donnerstagabend bei einer Onlinediskussion der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. Mittlerweile sei aber auch eine »Verhetzung« dieses Impfstoffs durch Impfgegner in sozialen Medien weit fortgeschritten, sodass er nicht wirklich platzierbar sei. Der einzige Weg, deutlich voranzukommen, sei eine allgemeine Impfpflicht.

Eine andere Technologie

Bei dem Novavax-Mittel Nuvaxovid handelt es sich um einen Proteinimpfstoff – also eine andere Technologie als bei den bisher zumeist eingesetzten mRNA-Präparaten von Pfizer und Moderna. Gegen diese Impfstofftypen haben manche Menschen Bedenken, weil es sich um eine verhältnismäßig neue Technologie handelt.

Der Proteinimpfstoff von Novavax wird, im Gegensatz zu den klassischen Totimpfstoffen, mithilfe gentechnischer Methoden hergestellt. Er besteht aus dem Spikeprotein, das auf der Oberfläche des Coronavirus sitzt. Viele Menschen, die sich im vergangenen Jahr nicht impfen lassen wollten, hatten es damit begründet, auf einen solchen Impfstoff warten zu wollen.

Nuvaxovid ist für Menschen ab 18 Jahren zugelassen und wird wie die anderen Coronaimpfstoffe ins Muskelgewebe des Oberarms gespritzt. Die Ständige Impfkommission empfiehlt  zwei Impfungen im Abstand von mindestens drei Wochen. Erste Bundesländer hatten bereits am vergangenen Wochenende den neuen Impfstoff verabreicht, weitere zogen im Laufe der Woche nach.

Auch der Deutsche Hausärzteverband sieht die Hoffnung auf einen Impfboom durch das neue Mittel skeptisch. »In den Praxen gibt es bislang nur vereinzelte Nachfragen von Patientinnen und Patienten zu dem Novavax-Impfstoff«, sagte der Vorsitzende Ulrich Weigeldt kürzlich dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. »Nach aktuellem Stand ist es zumindest fraglich, ob der neue Impfstoff zu einer signifikanten Steigerung der Impfquoten führt.«

Laut RKI  haben inzwischen 75,5 Prozent der Menschen in Deutschland (mindestens 62,8 Millionen Menschen) einen Grundschutz erhalten, für den meist zwei Spritzen nötig sind. Bundesweit haben 57,3 Prozent (47,6 Millionen) zusätzlich eine Auffrischungsimpfung bekommen. Mindestens einmal geimpft sind 76,4 Prozent (63,5 Millionen Menschen).

Das RKI weist seit Längerem darauf hin, dass die ausgewiesenen Zahlen als Mindestimpfquoten zu verstehen sind. Das Institut geht davon aus, dass die tatsächliche Impfquote bis zu fünf Prozentpunkte höher liegt als auf dem Dashboard angegeben.

mar/dpa