Sars-CoV-2 Kinder infizieren sich offenbar genauso häufig, werden aber nicht krank

Das neuartige Coronavirus scheint Kinder bisher weitgehend zu verschonen. Eine aktuelle Studie zeigt, woran das liegen könnte.
Ob Kinder das neuartige Virus besser abwehren, ist unklar

Ob Kinder das neuartige Virus besser abwehren, ist unklar

Foto: wundervisuals/ Getty Images

Warum macht die Lungenkrankheit, die von dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 ausgelöst wird, offenbar vor Kindern halt? Ein internationales Forscherteam hat zu dieser Frage nun die bisher detailreichste Studie  veröffentlicht.

Demnach stecken sich Kinder ebenso häufig mit dem Erreger an wie Erwachsene. Sie entwickeln aber keine oder nur leichte Symptome. Für die Analyse hatten die Mediziner Patientendaten aus der südostchinesischen Metropole Shenzhen ausgewertet.

Die Studie ist bisher einzigartig, weil sie nicht nur die Daten von Menschen berücksichtigt, die sich infiziert haben, sondern auch aus deren Umfeld. Zunächst untersuchten die Forscher 391 Patienten, bei denen aufgrund der auftretenden Symptome Covid-19 diagnostiziert wurde - die Lungenkrankheit, die von dem neuartigen Coronavirus ausgelöst wird.

  • 91 Prozent der Betroffenen hatten nur leichte oder mäßige Symptome.

  • Sie waren im Schnitt 45 Jahre alt und damit etwas älter als der Bevölkerungsdurchschnitt.

  • Frauen waren in der Stichprobe etwas häufiger vertreten als Männer.

  • Mehr als die Hälfte gilt inzwischen als genesen.

  • Im Schnitt vergingen 32 Tage, bis sie sich wieder erholt hatten.

Die Forscher analysierten außerdem, wie viele der 1286 Menschen, die mit den Erkrankten in Kontakt waren, später positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurden. Ergebnis: Im Schnitt steckten sich sieben bis acht Prozent der Kontaktpersonen an, unabhängig vom Alter. "Kinder werden genauso wahrscheinlich infiziert, aber sie werden nicht krank", sagt einer der Studienautoren, Justin Lessler von der Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health in Baltimore.

Coronavirus, Covid-19, Sars-CoV-2? Was die Bezeichnungen bedeuten.

Coronavirus: Coronaviren sind eine Virusfamilie, zu der auch das derzeit weltweit grassierende Virus Sars-CoV-2 gehört. Da es anfangs keinen Namen trug, sprach man in den ersten Wochen vom "neuartigen Coronavirus".

Sars-CoV-2: Die WHO gab dem neuartigen Coronavirus den Namen "Sars-CoV-2" ("Severe Acute Respiratory Syndrome"-Coronavirus-2). Mit der Bezeichnung ist das Virus gemeint, das Symptome verursachen kann, aber nicht muss.

Covid-19: Die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Atemwegskrankheit wurde "Covid-19" (Coronavirus-Disease-2019) genannt. Covid-19-Patienten sind dementsprechend Menschen, die das Virus Sars-CoV-2 in sich tragen und Symptome zeigen.

Menschen, die mit einem Covid-19-Erkrankten in einem Haushalt lebten und engen Kontakt zu der Person hatten, steckten sich etwa sechsmal häufiger an als Menschen, die den Betroffenen außerhalb der eigenen Wohnung begegneten. Auch gemeinsame Reisen erhöhten die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung.

Schon vorherige Analysen hatten gezeigt, dass Kinder deutlich seltener schwere Symptome entwickeln als Erwachsene. Aber es war nicht klar, ob sie sich seltener anstecken oder ob sie die Infektion besser abwehren können als andere Altersgruppen. Die aktuelle Studie spricht für Letzteres.

Laut dem Dresdner Infektiologen Reinhard Berner zeigen Kinder unter zehn Jahren überhaupt keine Symptome. Auch von Menschen unter 20 Jahren seien aus Deutschland nur milde Fälle bekannt, sagte er dem SWR . Andere Virusinfektionen wie das Pfeiffersche Drüsenfieber lösten bei gesunden Kindern ebenfalls meist keine oder nur leichte Symptome aus. Warum das so ist, ist jedoch unklar.

Eine These ist, dass die Andockstellen, über die Viren Körperzellen befallen, bei Kindern noch nicht ausreichend entwickelt sind. Wenn die Viren nicht in die Zellen eindringen, können sie sich auch nicht vermehren. Eine weitere Möglichkeit wäre, dass das Immunsystem von Kindern nicht so stark auf das Virus anspricht. Eine Lungenentzündung, die bei Covid-19 auftreten kann, ist der Versuch des Körpers, die Erreger loszuwerden.

Die aktuelle Studie wirft die Frage auf, welche Rolle Kinder bei der Ausbreitung des neuartigen Coronavirus spielen. Untersuchungen zeigen, dass sie das Virus länger ausscheiden als Erwachsene. Möglicherweise könnten sie andere anstecken, obwohl sie selbst keine Symptome haben. Zudem könnten Ausbrüche an Schulen unerkannt geblieben sein, weil die Kinder nur milde Symptome entwickeln.

Um eine Ausbreitung an Schulen und in Kindergärten zu verhindern, müssen bayerische Kinder künftig zwei Wochen lang zu Hause bleiben, wenn sie aus Südtirol nach Hause zurückkommen. Südtirol war vom Robert Koch-Institut (RKI) als Coronavirus-Risikogebiet eingestuft worden.

koe