Kapazitätsgrenze erreicht Labore fordern Kurswechsel bei Teststrategie

Seit Monaten arbeiten deutsche Labore unter Hochdruck. Nun sehen sie ihre Belastungsgrenze erreicht - und fordern, die Pflichttestung von Reiserückkehrern schnellstmöglich abzuschaffen.
Ansturm auf das Corona-Testzentrum im Frankfurter Flughafen: Die Labore sind überlastet

Ansturm auf das Corona-Testzentrum im Frankfurter Flughafen: Die Labore sind überlastet

Foto: Ralph Peters / imago images/Ralph Peters

Die Labore in Deutschland klagen über eine zunehmende Überlastung ihrer Kapazitäten. Eine Anpassung der Teststrategie für Reiserückkehrer sei daher dringend notwendig, forderte der Verband der Akkreditierten Labore in der Medizin (ALM).

Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) hatte zuletzt vorgeschlagen, die kostenlosen PCR-Tests für Urlauber wieder abzuschaffen. Außerdem soll die Testpflicht für Rückkehrer aus Risikogebieten nach dem Ende des Sommers wieder eingestellt werden und stattdessen die vorherige Quarantäneregelung wieder eintreten. Auch viele Gesundheitsminister von Bund und Ländern pflichteten Spahn bei. Aus Bayern gibt es jedoch Widerstand. Am Donnerstag wollen die Ministerpräsidenten der Länder mit Bundeskanzlerin Angela Merkel darüber beraten.

Nach ALM-Angaben gab es in der vergangenen Woche erneut einen "drastischen Anstieg" bei den Tests. Es seien 17 Prozent mehr Tests durchgeführt worden als in der Vorwoche - insgesamt 889.815. Die "maximale kurzfristig verfügbare Testkapazität" für die laufende Woche wird mit knapp 1,1 Millionen angegeben.

Testkapazitäten in Deutschland

Kalenderwoche

Anzahl Testungen

Positiv getestet

Positivenrate

11

127.457

3892

5,95

12

348.619

23.820

6,83

13

361.515

31.414

8,69

14

408.348

36.885

9,03

15

380.197

30.791

8,10

16

331.902

22.082

6,65

17

363.890

18.083

4,97

18

326.788

12.608

3,86

19

403.875

10.755

2,66

20

432.666

7.233

1,67

21

353.467

5.218

1,48

22

405.269

4.310

1,06

23

340.986

3.208

0,94

24

326.645

2.816

0,86

25

387.484

5.309

1,37

26

466.459

3.670

0,79

27

504.082

3.080

0,61

28

510.103

2.990

0,59

29

538.229

3.483

0,65

30

570.746

4.464

0,78

31

578.099

5.634

0,97

32

730.300

7.256

0,99

33

875.524

8.407

0,96

Robert Koch-Institut, Stand: 20. August 2020

"Wir können diesen Druck aufs System nicht länger aushalten und unsere engagierten und seit Monaten an der Leistungsgrenze arbeitenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht weiter überlasten", sagte Jan Kramer, Vorstand im ALM. Die Testanforderungen überstiegen in vielen Laboren bereits die rationierten Liefermengen an Reagenz- und Verbrauchsmaterialien. "Sollten jetzt noch weitere regionale Ausbrüche hinzukommen, wird uns das in die Knie zwingen."

Auch der ALM-Verbandsvorsitzende Michael Müller warnte davor, die Labore weiterhin an der Obergrenze ihrer Kapazitäten zu belasten: "Man würde ja auch nicht einen Marathon in Sprintgeschwindigkeit versuchen", sagte er. "Dann schafft man nur wenige Meter." Man müsse daher eine Auslastung der Laborkapazitäten zwischen 65 und 80 Prozent anstreben, um über einen längeren Zeitraum durchzuhalten. "Doch seit einer Woche fahren fast alle Labore auf maximaler Kapazität, teilweise stauen sich die Tests", so Müller. "Wir brauchen daher jetzt eine Anpassung, nicht erst Mitte September oder Anfang Oktober."

Der Verband forderte, wieder gezielter zu testen. Anlasslose Tests für jeden machten epidemiologisch und medizinisch wenig Sinn. Zudem wachse der Bedarf an Materialien weltweit, das wirke sich auch auf die Kapazitätsgrenze in Deutschland aus.

kry/dpa
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