Corona-Studie mit Hamstern Masken reduzieren Infektionsrisiko deutlich

Eine OP-Maske vor Mund und Nase hält beim Atmen, Sprechen und Husten Partikel zurück. Wie effizient das vor dem Coronavirus schützt, haben Forscher nun mithilfe von Hamstern untersucht.
OP-Masken sind kein Ersatz fürs Abstandhalten

OP-Masken sind kein Ersatz fürs Abstandhalten

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bildgehege via www.imago-images./ Bildgehege/ imago images

Über die Maskenpflicht in Supermärkten, in der Bahn und im öffentlichen Nahverkehr wurde in Deutschland viel diskutiert. Laut einer Umfrage unter Virologen und Infektiologen gehen inzwischen knapp zwei Drittel davon aus, dass Masken vor Wochen vor allem deswegen nicht empfohlen wurden, weil Deutschland zu wenige vorrätig hatte und staatliche Stellen sich keine Blöße geben wollten.

Einleuchtend ist, dass ein Stück dichter Stoff vor Mund und Nase Partikel zurückhält, die sonst beim Sprechen und Atmen in die Umgebung gelangen würden. Forscher gehen deshalb davon aus, dass die Masken im Zusammenhang mit dem neuen Coronavirus vor allem das Risiko vermindern, dass ein unbemerkt Infizierter Kontaktpersonen ansteckt. Eine aktuelle Untersuchung mit Goldhamstern bestätigt diese These.

In der Studie sank das Infektionsrisiko gesunder Hamster um 75 Prozent, wenn die Käfige infizierter Artgenossen mit dem Stoff einfacher OP-Masken versehen waren. Bestand nur bei den gesunden Tieren ein Maskenschutz, halbierte es sich immerhin.

OP-Masken, auch als Mund-Nasen-Schutz bekannt, bestehen aus mehreren Vliesschichten, in denen Keime beim Ausatmen hängen bleiben. Allerdings sind sie nicht dicht abgeschlossen, sodass beim Einatmen an den Seiten Luft aus der Umgebung angesogen wird.

Maske tragen als wichtige Maßnahme bestätigt

"Die Studie ist interessant aufgebaut und technisch gut durchgeführt", sagt der Virologe Heinz Feldmann  vom National Institute of Allergy and Infectious Diseases in den USA. "Sie zeigt im Tiermodell, dass OP-Maskenstoff das Infektionsrisiko verringert. Allerdings würde ich die exakten Ergebniszahlen nicht auf die Situation im Menschen übertragen."

Die Zahl der Tiere in der Untersuchung sei gering gewesen, sodass die Ergebnisse im Detail mit Unsicherheiten behaftet seien. "Würde man die Experimente wiederholen, käme man wahrscheinlich zu geringfügig veränderten Ergebnissen."

Goldhamster sind auch beliebte Haustiere

Goldhamster sind auch beliebte Haustiere

Foto: Elke Rampfl-Platte/ Shotshop/ imago images

In der Tendenz unterstütze die Studie aber klar die weitere Anwendung des Mund-Nasen-Schutzes in der Bevölkerung als eine wichtige Maßnahme. "Selbst falls die Masken das Infektionsrisiko beim Menschen letztlich nur um beispielsweise 25 Prozent reduziert, wäre das ein Erfolg", sagt Feldmann. Gleichzeitig blieben Abstandhalten und Handhygiene aber wichtigste Schutzmaßnahmen.

Im Detail wacklige Zahlen

Die Forscher um den Coronavirus-Experten Kwok-Yung Yuen von der Universität Hongkong haben das Masketragen bei den Hamstern simuliert, indem sie Stoff von einfachen OP-Masken zwischen zwei Käfige hängten.

Auf die eine Seite des Maskenstoffs setzten sie Hamster, die mit dem neuen Coronavirus Sars-Cov-2 infiziert waren und für kranke Hamster typische Symptome hatten - etwa zerzaustes Fell, Anzeichen von Lethargie, schnelle Atmung und einen gekrümmten Rücken. Auf der anderen Seite platzierten sie gesunde Hamster.

Coronavirus, Covid-19, Sars-CoV-2? Was die Bezeichnungen bedeuten.

Coronavirus: Coronaviren sind eine Virusfamilie, zu der auch das derzeit weltweit grassierende Virus Sars-CoV-2 gehört. Da es anfangs keinen Namen trug, sprach man in den ersten Wochen vom "neuartigen Coronavirus".

Sars-CoV-2: Die WHO gab dem neuartigen Coronavirus den Namen "Sars-CoV-2" ("Severe Acute Respiratory Syndrome"-Coronavirus-2). Mit der Bezeichnung ist das Virus gemeint, das Symptome verursachen kann, aber nicht muss.

Covid-19: Die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Atemwegskrankheit wurde "Covid-19" (Coronavirus-Disease-2019) genannt. Covid-19-Patienten sind dementsprechend Menschen, die das Virus Sars-CoV-2 in sich tragen und Symptome zeigen.

Ein Luftstrom beförderte Partikel aus der Umgebung der kranken Tiere durch die Maske zu den gesunden. Die Hamster waren dem Luftstrom fünf bis sieben Tage ausgesetzt.

Im ersten Versuch ließen die Forscher zunächst den Maskenstoff weg, um das generelle Infektionsrisiko der Hamster zu ermitteln. Es lag bei zwei Dritteln. Dann richteten sie die Masken so aus, dass die Innenseite mit dem schützenden Vlies zu den gesunden Hamstern zeigte - so als würden diese Maske tragen. Im dritten Experiment zeigte das Vlies zu den kranken Tieren, als hätten diese eine Maske auf.

War das Vlies auf die gesunden Hamster gerichtet, halbierte sich ihr Ansteckungsrisiko auf ein Drittel. Trugen die infizierten Tiere Maske im übertragenen Sinne, erkrankten nur noch 17 Prozent, also viermal weniger Tiere als ohne Maske (siehe Grafik oben).

Allerdings waren an den drei Tests nur jeweils 15 beziehungsweise zwölf gesunde Hamster beteiligt. Schon ein infiziertes Tier mehr oder weniger hätte die Statistik merklich verändert.

Vermutlich Effekt auch bei selbst genähten Masken

Die Studie mache in erster Linie deutlich, wie wichtig es sei, dass Infizierte eine Maske trügen, sagte auch Forscher Yuen . Da Betroffene mitunter ansteckend seien, bevor sie Symptome entwickelten und einige Infektionen wohl sogar ganz ohne Krankheitszeichen abliefen, sei Maskentragen während der Pandemie für alle sinnvoll.

Yuens Untersuchung gehört zu den ersten weltweit, in denen der konkrete Nutzen von Schutzmasken im Zusammenhang mit dem neuen Coronavirus analysiert wurde. Erscheinen soll sie demnächst im Fachmagazin "Clinical Infectious Diseases”, dem SPIEGEL liegt sie bereits vor.

Ob selbst genähte Stoffmasken das neue Coronavirus genauso gut abschirmen wie OP-Masken, verrät die Studie nicht. "Das hängt auch vom verwendeten Material ab. Ich würde aber davon ausgehen, dass jeder Mund-Nasen-Schutz einen positiven Effekt hat", sagt Feldmann. In jedem Fall sei der Maskentyp für die Allgemeinheit gut geeignet, weil er verfügbar und einfach anzuwenden sei.

Offenbar besonderer Schutz in Innenräumen nötig

Studien, in denen Forscher die Infektionsketten von Sars-CoV-2-Ausbrüchen nachverfolgen, deuten darauf hin, dass das Risiko für eine Infektion generell vor allem dann groß ist, wenn sich mehrere Menschen über einen längeren Zeitraum mit einem Infizierten in einem geschlossenen Raum aufhalten. (Mehr dazu lesen Sie hier.) Insbesondere hier könnten Masken das Infektionsrisiko möglicherweise verringern.

Das deckt sich auch mit Erkenntnissen, nach denen das neue Coronavirus wohl nicht nur über Tröpfchen übertragen wird, sondern auch über noch viel feinere Partikel, die in der Luft schweben, sogenannte Aerosole. Diese gelangen etwa beim Atmen und Sprechen in die Luft. Ist eine ansteckende Person in einem Raum, wächst die Anzahl infektiöser Aerosole der Theorie nach mit der Zeit an, bis sie für eine Infektion ausreicht.

"Tröpfcheninfektionen bleiben, nach allem was bekannt ist, aber ein Haupt-Übertragungsweg", sagt Feldmann. "Abstandhalten und Handhygiene sind daher nach wie vor sehr wichtigste Maßnahmen, um sich und andere vor einer Infektion zu schützen und die Ausbreitung des neuen Virus einzudämmen."