Corona-Hotspot Erste positive Fälle bei Massentests in Hildburghausen

Im Corona-Hotspot Hildburghausen in Thüringen werden Tausende Schüler und Lehrer mit Schnelltests auf Sars-CoV-2 getestet. Einige positive Fälle waren bereits dabei.
Hildburghausen in Thüringen ist derzeit der Hotspot mit dem höchsten Infektionsgeschehen in Deutschland

Hildburghausen in Thüringen ist derzeit der Hotspot mit dem höchsten Infektionsgeschehen in Deutschland

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Ronald Wittek / EPA-EFE / Shutterstock

Bei den breit angelegten Corona-Tests in Hildburghausen sind bisher nur einige positive Fälle gefunden worden. Sechs von rund 900 Antigen-Schnelltests seien bisher positiv ausgefallen, teilte der Landrat Thomas Müller (CDU) am zweiten Tag der Massentestung in dem Thüringer Landkreis mit. Zum jetzigen Zeitpunkt könne man aber noch keine seriöse Aussage über eine mögliche Dunkelziffer machen.

Hildburghausen gilt als Corona-Hotspot in Deutschland. Der Südthüringer Kreis war mit bis zu 630 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in sieben Tagen tagelang die Region in Deutschland mit der höchsten Inzidenz. Am Dienstag ging der Wert weiter zurück und lag laut Gesundheitsministerium bei immer noch sehr hohen 519 Infektionen.

Müller zeigte sich besorgt über die diffuse Verbreitung des Coronavirus in Hildburghausen: »Wir hatten den ersten Corona-Fall am 20. März. Rund sieben Monate später hatten wir den 100. Fall«, sagte er. »Wir waren also den ganzen Sommer über fast Corona-frei, und dann ging schlagartig die Post ab, seit Ende Oktober.« Mittlerweile habe man mehr als 2000 Fälle. »Das bereitet uns Sorgen.«

Noch bis Freitag soll in Hildburghausen die Infektionshäufigkeit von Kindergarten- und Schulkindern sowie ihrer Betreuer durch Antigen-Schnelltests ermittelt werden. Insgesamt stehen rund 11.000 solcher Tests zur Verfügung. 25 Abstrichteams sind laut Landrat Müller an verschiedenen Orten in Hildburghausen unterwegs. Wie viele Menschen sich freiwillig testen lassen, ist ungewiss. Bisher hätten sich laut Thüringer Gesundheitsministerium rund 3000 Personen registriert.

Die nach Angaben des Gesundheitsministeriums  bisher einmalige Aktion startete bereits am Dienstag im Kindergarten Werraspatzen. Damit soll die Wiedereröffnung der Kindergärten und Schulen ermöglicht werden, die nach dem starken Anstieg der Infektionszahlen seit dem 25. November geschlossen sind.

Unterstützung bei den Tests leisten das Deutsche Rote Kreuz, das Technische Hilfswerk und die Bundeswehr. Wie viele Kinder, Jugendliche, Lehrerinnen und Lehrer, Erzieher und Angestellten die angebotenen Schnelltests nutzen, war zunächst offen. Auch ihr Nutzen ist umstritten, nicht alle Kommunalpolitiker des Kreises unterstützen die Aktion.

Breite Massentests von asymptomatischen Personen können dazu beitragen, sich einen Überblick über das Infektionsgeschehen in der Bevölkerung zu verschaffen. Jedoch sind die dabei verwendeten Antigen-Schnelltests nicht so zuverlässig wie PCR-Tests. Bis zu zehn Prozent der Infizierten werden dabei nicht aufgespürt, denn die Antigentests schlagen vor allem bei Personen an, die sehr infektiös sind.

Testet man eine Person etwa zu früh, könnte der Test negativ ausfallen – obwohl sie das Virus in sich trägt und möglicherweise kurze Zeit darauf ansteckend werden könnte. Daher kommt es auch auf den Zeitpunkt der Testung an: Die Schnelltests müssten also eigentlich mehrfach im Abstand von einigen Tagen durchgeführt werden. Das ist in Hildburghausen vorerst nicht geplant.

Antigen-Schnelltests nur Momentaufnahme

Zudem legt ein Bericht der "New York Times"  nahe, dass die Antigen-Schnelltests bei Personen unter 16 Jahren unter Umständen nicht so gut funktionieren könnten wie bei Erwachsenen. Demnach deuten einige Studienergebnisse darauf hin, dass infizierte Kinder und Jugendliche mit diesen Tests weniger zuverlässig erkannt werden. Die aktuellen Daten dazu reichen jedoch noch nicht aus, um eine definitive Aussage treffen zu können.

Die Thüringer Gesundheitsministerin Heike Werner (Die Linke) ist sich nach eigener Aussage darüber bewusst, dass die Massentests nur eine Momentaufnahme darstellen. »Wir wollen auch schauen, welche Rolle Kindergärten und Schulen bei der Verbreitung spielen«, sagte sie. »Nach den Zahlen, die wir bisher haben, scheinen sie sichere Orte zu sein – jetzt wollen wir schauen, ob es eine signifikant hohe Dunkelziffer gibt.« Die Schülerinnen und Schüler und die Lehrkräfte, die per Antigentest negativ getestet werden, könnten zudem wieder in die Schule gehen.

kry/dpa
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