Pandemiebekämpfung Mediziner rufen zur Nutzung der Corona-Warn-App auf

"Uns stehen schwierige Monate bevor": In einem offenen Brief haben sich die Verbände der Heilberufe an ihre Kollegen und die Bevölkerung gewandt. Im Winter werde es schwieriger, der Pandemie Herr zu werden.
Corona-Warn-App mit der Seite zur Risikoermittlung

Corona-Warn-App mit der Seite zur Risikoermittlung

Foto: Michael Kappeler / dpa

Ärzte und Apotheker in Deutschland haben sich gemeinsam für die Nutzung der Corona-Warn-App ausgesprochen. Mit der App könne dazu beigetragen werden, Infektionsketten schneller zu erkennen und zu unterbrechen, hieß es in einer gemeinsamen Pressemitteilung der Verbände aller Heilberufe. Alle Bundesbürgerinnen und -bürger mit einem kompatiblen Smartphone sollten daher die kostenlose App nutzen.

Doch genau da liegt einer der Haken der Corona-Warn-App: Weder hat jeder Bürger einen Zugriff auf ein modernes Smartphone, noch sind alle Handys kompatibel mit der App. Nutzerinnen und Nutzer berichten zudem von diffusen Fehlermeldungen oder unverständlichen Warnungen. Einer Befragung zufolge hält jeder zweite Onlinenutzer die App für wirkungslos. Ein weiterer Kritikpunkt: Positiv getestete Personen müssen ihren Befund eigenständig in die App eintragen - viele tun das aber nicht. Da so die Kontaktnachverfolgung verhindert wird, verliert die App ihren Sinn.

Die Medizinerinnen und Mediziner sind dennoch der Meinung, dass die App ein wichtiges Werkzeug im Kampf gegen die Corona-Pandemie ist. "Mit der App wurde rechtzeitig vor der kalten Jahreszeit eine wirksame Technologie zur Pandemie-Prävention geschaffen", sagt der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, der Mitteilung zufolge. "Jetzt kommt es darauf an, dass die App nicht nur heruntergeladen, sondern auch genutzt wird."

Er schreibt den Nutzerinnen und Nutzern dabei eine hohe Eigenverantwortung zu: "Im Falle eines positiven Testergebnisses sollten App-Nutzer ihre Kontakte über die App informieren." Die Bundesregierung sichere im Gegenzug absolute Datensicherheit zu. "Auf diese Weise können alle Bürgerinnen und Bürger mit wenig Aufwand dazu beitragen, die Pandemie einzudämmen und weitere Einschränkungen unseres gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens zu vermeiden", so der Ärztekammer-Präsident.

Die Verbände der Heilberufe riefen nicht nur die Bevölkerung zur Nutzung der App auf, sondern wandten sich auch an ihre Kolleginnen und Kollegen: In einem offenen Brief baten sie alle Angehörigen der Heilberufe darum, ihren Einfluss zu nutzen und Patientinnen und Patienten zur Einhaltung der Hygieneregeln und zur Nutzung der Corona-Warn-App zu motivieren.

"Uns stehen schwierige Monate bevor", heißt es in dem Schreiben. "War es im Frühjahr noch aufwendig, aber möglich, trotz weitreichender Maßnahmen einen geordneten Ablauf in Praxen, Apotheken und Krankenhäusern zu gewährleisten, so wird dies in der beginnenden kalten Jahreszeit voraussichtlich sehr viel schwieriger." Es sei daher auch wichtig, die Bevölkerung besonders in diesem Jahr umfassend gegen Grippe zu impfen. Es seien absehbar ausreichende Impfstoffmengen verfügbar.

"Die erneut steigende Zahl der Corona-Infektionen in Deutschland erfüllt uns als Angehörige der Heilberufe mit großer Sorge", schreiben die Vorstände der Apothekerverbände, der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung, der Bundesärztekammer und der Bundeszahnärztekammer. "Weitreichende Lockdown-Maßnahmen zu verhindern, liegt auch in unserem Interesse."

kry
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