Coronavirus Mehr als 10.000 Infizierte unter Pflegern und Ärzten

Wer im Krankenhaus, in Pflegeeinrichtungen oder direkt mit Covid-19-Patienten arbeitet, ist besonders gefährdet, sich anzustecken. In Deutschland fordern Mediziner nun bessere Arbeitsbedingungen.
Ärzte in Gefahr: In Krankenhäusern ist das Infektionsrisiko hoch

Ärzte in Gefahr: In Krankenhäusern ist das Infektionsrisiko hoch

Foto: Peter Kneffel/ dpa

Mehr als 10.200 Mitarbeiter im Gesundheitswesen haben sich bereits mit Sars-CoV-2 infiziert. Das geht aus dem aktuellen Lagebericht des Robert Koch-Instituts (RKI)  hervor. Demnach seien die Betroffenen durchschnittlich 42 Jahre alt und mehrheitlich weiblich.

450 positiv getestete Mitarbeiter werden den RKI-Angaben zufolge im Krankenhaus behandelt, 17 von ihnen sind an Covid-19 gestorben und schätzungsweise 9227 von ihnen sind inzwischen wieder genesen.

Die tatsächlichen Zahlen könnten deutlich höher liegen, da dem RKI nicht alle Daten in aufgeschlüsselter Form vorliegen. "Für die übermittelten Covid-19-Fälle aus den Einrichtungen sei jedoch unbekannt, wie hoch der Anteil derer sei, die sich auch in dieser Einrichtung angesteckt hätten", berichtet "Tagesschau.de"  unter Bezug auf Angaben des RKI.

Das RKI erfasst weiterhin mehr als 7500 Infizierte unter den Mitarbeitern in Pflegeeinrichtungen, Obdachlosenunterkünften oder Unterbringungen für Asylbewerber. 30 von ihnen sind bereits gestorben. Die Zahl der infizierten Mitarbeiter in Kitas, Schulen und Horten ist vergleichsweise niedrig: 2050 seien insgesamt bisher positiv getestet worden.

Die viel beachtete Reproduktionszahl R sank den Schätzungen des RKI zufolge am Donnerstag auf 0,65 - ein Infizierter steckt also weit weniger als einen anderen Menschen an (Lesen Sie hier, warum R zwar wichtig, aber nur bedingt aussagekräftig ist). Der Anteil der Verstorbenen stieg allerdings auf 4,2 Prozent. Die hohe Sterblichkeitsrate könnte darauf hindeuten, dass die Dunkelziffer sehr hoch ist. Die Zahl der Neuinfektionen lag in dieser Woche stabil unter 1000.

Der Bundestag beriet am Donnerstag ein neues Infektionsschutzgesetz, in dem unter anderem festgelegt werden soll, dass die Kassen den Beschäftigten in der Pflege wegen der Corona-Belastungen eine Prämie von bis zu 1000 Euro zahlen sollen. Die volle Prämie erhalten Beschäftigte, die hauptsächlich in der direkten Pflege und Betreuung arbeiten. Wer dafür mindestens ein Viertel seiner Arbeitszeit aufwendet, bekommt 676 Euro. Die Kassen bekommen dafür einen Zuschuss vom Bund. Die Gesamtkosten für die Prämie von bis zu 1000 Euro beziffert Spahn auf eine Milliarde Euro.

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Mediziner fordern außerdem, die Arbeitszeiten zu verkürzen, um die enorme Arbeitsbelastung besser verkraften zu können. Die "Augsburger Allgemeine" zitiert den Mediziner und ehemaligen stellvertretenden Ethikrat-Vorsitzenden Eckhard Nagel , der angibt, dass im chinesischen Wuhan sowohl die Infektionsraten beim Gesundheitspersonal als auch die Sterberaten bei den Patienten gesunken seien, als die Arbeitszeit dort auf sechs Stunden verkürzt wurde. "Bei den Patienten sank die Sterblichkeitsrate, weil man sie besser behandeln kann, und als Zweites haben sich deutlich weniger Klinikmitarbeiter in der Arbeit angesteckt", sagte Nagel dem Blatt.

kry/AFP
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