Coronavirus Menschen können ihre Hunde anstecken

Das Coronavirus trifft in seltenen Fällen auch Haustiere, wie zwei neue Studien zeigen. Hunde können sich demnach bei ihrem Besitzer infizieren, Katzen den Erreger untereinander weitergeben.
Bei einer Corona-Infektion sollten Haustierbesitzer für einige Zeit auf das Kuscheln mit ihren Tieren verzichten

Bei einer Corona-Infektion sollten Haustierbesitzer für einige Zeit auf das Kuscheln mit ihren Tieren verzichten

Foto: Gala Martinez Lopez/ Westend61/ imago images

Hunde können sich bei ihren Besitzern mit dem Coronavirus anstecken - allerdings nur in seltenen Fällen. Bei 2 von 15 untersuchten Tieren wiesen Wissenschaftler eine Infektion nach, wie sie im Fachmagazin "Nature" berichten .

Ob infizierte Hunde wiederum das Virus an andere Tiere oder Menschen weitergeben können, ist unklar. Es gebe aber keine Hinweise darauf, dass Haustiere eine Rolle bei der gegenwärtigen Ausbreitung des Virus gespielt haben, schreiben die Forscher.

Ein Team um Malik Peiris von der University of Hong Kong hatte 15 Hunde untersucht, die aufgrund einer Covid-19-Erkrankung ihrer Besitzer in Obhut einer staatlichen Behörde gekommen waren. Dafür nahmen die Wissenschaftler unter anderem Abstriche aus Rachen und Nase sowie Blutproben der Tiere.

Bei zwei Hunden konnten sie Sars-CoV-2 nachweisen - bei einem 15 Jahre alten Zwergspitz und einem zwei Jahre alten Deutschen Schäferhund. Bei einem weiteren Hund, der im gleichen Haushalt wie der infizierte Schäferhund lebte, entdeckten die Forscher keine Hinweise auf eine Infektion.

In einem zweiten Schritt analysierten die Forscher den genetischen Aufbau der bei den Proben gewonnenen Viren. Das Erbgut der Erreger der Hunde und ihrer Besitzer war identisch, während sich die Proben der beiden Haushalte deutlich voneinander unterschieden. Die Forscher schlussfolgern daraus, dass sich die Hunde wahrscheinlich bei ihren Besitzern angesteckt haben.

Risiko durch Haustiere trotzdem sehr gering

Krank wirkten die Hunde nicht - allerdings starb der Zwergspitz zwei Tage nach der Entlassung aus der Quarantäne. Er sei jedoch schon sehr alt gewesen und habe schwere Vorerkrankungen gehabt, darunter Herz- und Nierenprobleme, schreiben die Wissenschaftler.

In den Niederlanden berichteten die Behörden am Freitag von insgesamt vier Haustieren, bei denen seit Beginn des Corona-Ausbruchs eine Infektion nachgewiesen wurde, ein Hund und drei Katzen.

Der Hund habe sich sehr wahrscheinlich bei seinem Besitzer angesteckt, erklärte Landwirtschaftsministerin Carola Schouten. Bei dem Tier handelte es sich um eine acht Jahre alte Amerikanische Bulldogge, deren Besitzer an Covid-19 erkrankt war. Der Hund musste aufgrund starker Atemprobleme Ende April eingeschläfert werden.

Eine Blutprobe zeigte im Nachhinein, dass er Antikörper gegen Sars-CoV-2 entwickelt hatte. Dennoch ist unklar, ob das Coronavirus die Ursache seiner Atemwegsprobleme war, oder ob das Tier noch unter einer anderen Erkrankung litt.

Haustierbesitzer mit Covid-19 sollten vorsichtshalber den Kontakt zu ihren Tieren meiden, erklärte Schouten. Falls die Tiere ebenfalls erkranken, sollten diese außerdem so wenig wie möglich das Zuhause verlassen.

Katzen können sich auch untereinander anstecken

In der Vergangenheit wurden vor allem Infektionen von Katzen bekannt, die sich vermutlich bei ihrem Besitzer mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt hatten, etwa in Hongkong, Frankreich und den USA. Experimente im Labor zeigen jetzt, dass die Tiere sich auch untereinander anstecken können, ohne selbst Symptome zu zeigen.

Für ihren Versuch infizierten Forscher drei Katzen mit Viren eines Covid-19-Patienten, wie sie im "New England Journal of Medicine"  berichten. Anschließend hielten sie jede der Katze mit einem zweiten Tier, das zuvor nicht infiziert war. Fünf Tage später konnte das Virus bei allen sechs Katzen nachgewiesen werden, keines der Tiere entwickelte Beschwerden wie Niesen oder Fieber.

Dass solche Infektionen unter künstlichen Bedingungen herbeigeführt werden können, heiße jedoch noch nicht, dass sich die Tiere auch unter natürlichen Bedingungen leicht untereinander infizieren, erklärte die Amerikanische Gesellschaft für Tiermedizin einschränkend.

Für ein geringes Infektionsrisiko unter Haustieren spricht auch eine frühere Untersuchung, für die Wissenschaftler in Gegenden mit Corona-Ausbrüchen 4000 Proben von Hunden, Katzen und Pferden untersucht hatten. Bei keinem der Tiere konnten sie den Erreger nachweisen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht ebenfalls davon aus , dass Sars-CoV-2 vor allem durch Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch übertragen wird. Noch gebe es keinen Beleg für einen Fall, bei dem sich ein Mensch bei seinem Haustier angesteckt habe, schreibt sie. Wer selbst an Covid-19 erkrankt ist oder ein großes Risiko für eine Infektion hat, sollte jedoch den Kontakt zu seinen Tieren möglichst einschränken.

Abgesehen davon raten auch die Autoren der Katzenstudie dazu, grundsätzliche Hygieneregeln einzuhalten. Diese schützten auch vor anderen möglichen Infektionen durch die Tiere. Dazu zählt, Tiere nicht zu küssen, sich nach dem Streicheln die Hände gründlich zu waschen und Futternäpfe sauber zu halten.

irb/AP/dpa/Reuters

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