Mutation D614G Neue Corona-Variante offenbar ansteckender als ursprüngliches Virus

Eine Mutation von Sars-CoV-2 hat sich mittlerweile weltweit durchgesetzt - offenbar ist sie infektiöser als die ursprüngliche Variante aus China. Ob sie auch gefährlicher ist, ist unklar.
Mutierte Form des Coronavirus

Mutierte Form des Coronavirus

Foto: Joao Paulo Burini/ Getty Images

Eine derzeit weltweit vorherrschende Variante von Sars-CoV-2 befällt einer Studie zufolge die menschlichen Zellen leichter als das ursprüngliche Virus aus China. Eine am Donnerstag in der Fachzeitschrift "Cell" veröffentlichte Studie  weist darauf hin, dass die Mutation mit dem Code D614G ansteckender sein könnte als die in China aufgetretene Urform, sie kam vor allem bei Virenproben aus Europa und Nordamerika vor. Ob das Virus damit für den Menschen gefährlicher wird, ist aber unklar.

Für die Studie schlossen sich Forscher des Los Alamos National Laboratory in New Mexico und der Duke Universität in North Carolina mit einer Forschungsgruppe der britischen Universität Sheffield zusammen und analysierten Genom-Sequenzen von Sars-CoV-2. Sie fanden bereits im April heraus, dass die Virus-Variante D614G deutlich mehr funktionierende Spike-Proteine bildet und dadurch mehr Zellen infiziert als die Vorgängerversion - unter Laborbedingungen.

Nach Kritik an der ersten Studie und einer Aufforderung von "Cell" fügten die Forscher nun zusätzliche Untersuchungen hinzu: Unter anderem analysierten sie die Daten von 999 britischen Patienten, die wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden mussten. Sie stellten fest, dass Patienten mit der Variante D614G mehr Viruspartikel in sich trugen - sich dadurch aber am Schweregrad der Krankheit nichts änderte. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Mutation das Virus zwar ansteckender, aber nicht gefährlicher macht.

In Labortests war die Fähigkeit der Virusvariante, die menschlichen Zellen zu befallen, drei bis sechs Mal höher. "Es sieht so aus, als handelte es sich um ein leistungsfähigeres Virus", sagte Erica Ollmann Saphire vom La Jolla Institute for Immunology, die eines der Experimente vornahm. Weitere Studien müssen nun zeigen, ob sich das Virus unter realen Bedingungen genauso verhält wie im Labor.

Es ist normal, dass sich ein Virus mit der Zeit verändert. Um sich zu vermehren, muss sich das Genom des Erregers ständig kopieren. Dabei passieren zufällige Fehler, sogenannte Mutationen, die oft keinen Effekt haben.

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"Mutation kann besser replizieren"

"Ich glaube, die Daten zeigen, dass sich das Virus durch die Mutation besser replizieren kann und möglicherweise eine hohe Viruslast mit sich bringt", kommentierte US-Präsidentenberater Anthony Fauci die Studie gegenüber dem Fachblatt "Journal of the American Medical Association". Er wies aber gleichzeitig darauf hin, dass eine Bestätigung der These noch fehlt. Fauci betonte ebenfalls, dass noch ungewiss sei, ob die Variante schwerere Erkrankungen auslöse oder nicht.

DER SPIEGEL

In einem Kommentar zu der Studie  schrieb unter anderen der Virologe Nathan Grubaugh von der Yale School of Public Health: Für die Menschen ändere sich durch die Mutation nur wenig. Auch wenn dies die Entwicklung eines Medikaments oder eines Impfstoffs beeinflussen könnte, "rechnen wir nicht damit, dass D614G unsere Kontrollmaßnahmen ändern oder die einzelnen Infektionen verschlimmern wird". Was D614G für die Covid-19-Pandemie genau bedeute, bleibe unklar.

Noch halten es Forscher nicht für ausgeschlossen, dass sich das Coronavirus mit der Mutation D614G zufällig in Europa ausgebreitet hat, weil es die erste Variante war, die den Kontinent erreichte.

Dennoch sind Behörden weltweit hellhörig geworden. Auch bei dem jüngsten Ausbruch in Peking soll sich eine Virenvariante verbreiten, die ihren Ursprung in Europa hat. Weitere Analysen sollen nun die Abstammungslinie des Virus rekonstruieren und Hinweise liefern, wie das Virus auf Hackbretter des Xinfadi-Großmarkts gelangte, auf denen importierter Lachs verarbeitet worden war.

kry/AFP
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