Wegen Corona-Ausbruch Pneumokokken-Impfstoff wird knapp

Nachdem unter anderem Jens Spahn alle Menschen ab 60 zur Pneumokokken-Impfung aufrief, wurden die Mittel knapp. Jetzt sollen nur noch bestimmte Personen die Spritze gegen Lungenentzündungen bekommen.
Eigentlich wird die Pneumokokken-Impfung allen Erwachsenen ab 60 Jahren empfohlen

Eigentlich wird die Pneumokokken-Impfung allen Erwachsenen ab 60 Jahren empfohlen

Foto: A3390 Kay Nietfeld/ dpa

Noch vor wenigen Tagen wandte sich Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) an die Presse. Eine seiner Botschaften: Menschen ab 60 sollten angesichts der immer weiteren Ausbreitung des Coronavirus sicherstellen, dass sie gegen Penumokokken geimpft sind. Die Bakterien können zu gefährlichen Lungenentzündungen führen, genauso wie das neuartige Coronavirus.

Eine Impfung kann somit davor schützen, dass besonders gefährdete Menschen sich mit beiden Erregern gleichzeitig anstecken. Die Gefahr für eine solche Doppelinfektion steigt, wenn das Lungengewebe etwa durch eine Corona-Erkrankung bereits geschädigt ist. Viele Bürger folgten dem Impf-Aufruf, was allerdings zu einem neuen Problem führte: Mittlerweile ist der Pneumokokken-Impfstoff in Deutschland knapp.

Seit Donnerstag wurden beim Standardimpfstoff für Erwachsene, Pneumovax 23, Lieferprobleme gemeldet, wie aus einer Tabelle beim Paul-Ehrlich-Institut hervorgeht. Jetzt hat die beim Robert Koch-Institut ansässige Ständige Impfkommission ihre Empfehlungen zur Pneumokokken-Impfung angepasst.

Menschen ab 70 und mit manchen Krankheiten bevorzugen

Angesichts der Knappheit sollen demnach bis auf Weiteres zunächst Erwachsene geimpft werden, die:

  • eine Immundefizienz haben, bei denen also das Immunsystem geschwächt ist;

  • die mindestens 70 Jahre alt sind oder

  • die unter einer chronischen Atemwegserkrankung leiden.

Daneben gibt es noch einen zweiten Standardimpfstoff, der eine etwas andere Zusammensetzung hat und vor allem für Kleinkinder vorgesehen ist. Dieser (Handelsname Prevenar 13) taucht ebenfalls auf der Liste der Impfstoffe mit einem Lieferengpass auf. Er solle ausschließlich für die Grundimmunisierung im Säuglingsalter bis zu einem Alter von zwei Jahren verwendet werden, heißt es auf der Seite des Robert Koch-Instituts . Das "ausschließlich" ist bei dem Hinweis gefettet. Sollte er nicht verfügbar sein, kann noch auf einen anderen Impfstoff ausgewichen werden.

Den Angaben des Paul-Ehrlich-Instituts  zufolge wird der Erwachsenenimpfstoff (Pneumovax 23) voraussichtlich Anfang Mai wieder lieferbar sein. Der Pneumokokken-Konjugatimpfstoff Prevenar 13 von Pfizer sei "derzeit eingeschränkt verfügbar", teilt Pfizer mit. Um die Lieferfähigkeit von Prevenar 13 aufrecht zu erhalten, limitiert das Unternehmen derzeit die Bestellmengen in Deutschland. Darüber hinaus stehe Pfizer in engem Austausch mit den Zulassungsbehörden, um Patienten mit erhöhtem Risiko für Infektionskrankheiten weiter versorgen zu können, so ein Sprecher des Konzerns.

Die Nachfrage nach Impfstoffen gegen Pneumokokken ist in Deutschland innerhalb weniger Tage signifikant angestiegen.

irb
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