Coronavirus Robert Koch-Institut stuft Gesundheitsrisiko für Deutschland jetzt als hoch ein

Die Covid-19-Fallzahlen in Deutschland entwickeln sich sehr dynamisch. Das Robert Koch-Institut hat nun seine Risikoeinschätzung für die Gesundheit der Bevölkerung verändert.
RKI-Chef Lothar Wieler

RKI-Chef Lothar Wieler

Foto: FABRIZIO BENSCH/ REUTERS

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat die Bewertung des Gesundheitsrisikos für die deutsche Bevölkerung geändert: Bisher ging das RKI davon aus, dass für die Gesamtbevölkerung ein "mäßiges" Risiko besteht - "wir schätzen das Risiko für die Gesundheit in Deutschland nun als 'hoch' ein", sagte RKI-Chef Lothar Wieler beim täglichen Pressebriefing des Instituts. Grund für die Änderung seien die rapide steigenden Fallzahlen sowie die Alarmsignale, die das RKI aus den nationalen Gesundheitsämtern und den Kliniken erreichten.

DER SPIEGEL

Daher sei es jetzt umso wichtiger, dass sich die Deutschen an die seit Montag verhängten Maßnahmen zur Einschränkung des öffentlichen Lebens hielten. "Wir betreiben weiterhin die Strategie der Eindämmung, um die Behandlungskapazitäten nicht zu überfordern", sagte Wieler. "Denn jede Infektionskette, die wir vermeiden können, verhindert eine weitere Ausbreitung." Mittlerweile gebe es jedoch immer mehr Fälle in Deutschland, die nicht zurückverfolgt werden können.

In Deutschland waren am Dienstag landesweit 6012 Krankheitsfälle und 13 Todesfälle gemeldet. "Wir müssen davon ausgehen, dass die Fallzahlen wesentlich höher sind", sagte Wieler. Doch aufgrund der limitierten Testkapazitäten und einem Meldeverzug von etwa drei bis vier Tagen, könne man die tatsächlichen Zahlen nur schätzen. "Das beziehen wir aber in unsere Überlegungen mit ein", sagte Wieler.

Laut Website des RKI  gehen in die Risikobewertung der jeweils verfügbare aktuelle Kenntnisstand zur internationalen Situation, der Ist-Zustand der epidemiologischen Lage in Deutschland und die Verfügbarkeit von Schutz- und Behandlungsmaßnahmen ein. Dazu betrachtet das RKI folgende Informationen:

  • Übertragbarkeit: Fallzahlen und Trends zu gemeldeten Fällen gemäß Infektionsschutzgesetz in Deutschland und anderen Ländern

  • Schwereprofil: Anteil schwerer, klinisch kritischer und tödlicher Krankheitsverläufe in Deutschland und anderen Ländern

  • Ressourcenbelastung des Gesundheitsversorgungssystems in Deutschland und anderen Ländern: Dabei werden die jeweils getroffenen Maßnahmen berücksichtigt sowie alle prinzipiellen Möglichkeiten der Prävention und Kontrolle

Die höchste Stufe, die vom RKI genannt werden kann, ist "sehr hoch" - diese Einschätzung treffe auch für einige Regionen in Deutschland zu, sagte Wieler, etwa für den Landkreis Heinsberg. "Die Gefährdung variiert von Region zu Region."

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Er rief die Bevölkerung auf, sich ebenfalls an die eingeleiteten Maßnahmen zu halten und möglichst Kontakte zu reduzieren. Auf die Kritik, Deutschland reagiere viel zu spät, sagte Wieler: "Ich halte das Vorgehen für angemessen. Im Nachhinein werden wir es kritisch beurteilen können." Deutschland habe frühzeitig auf die Epidemie reagiert und die Zeit genutzt, entsprechende Maßnahmen einzuleiten.

Auf die Frage, wie lange die Pandemie noch anhalten könnte, antwortete Wieler vage: "Pandemien verlaufen ja immer in Wellen", sagte er. "Wir wissen aber nicht, wie lange die Wellen jeweils dauern." Das RKI gehe davon aus, dass sich die Covid-19-Pandemie insgesamt über einen Zeitraum von zwei Jahren ziehen werde.

kry
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