Knapp 22.000 Neuinfektionen RKI-Chef Wieler bewertet Corona-Lage weiter sehr ernst – aber "vorsichtig optimistisch"

Die Zahl der gemeldeten Neuinfektionen in Deutschland ist weiterhin hoch, steigt aber nicht mehr so schnell an. Kliniken stoßen jedoch durch Infektionen beim Personal an ihre Grenzen.
Wartende vor Corona-Teststation in Köln

Wartende vor Corona-Teststation in Köln

Foto: Martin Meissner / AP

Lothar Wieler, Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), hat angesichts der aktuellen Lage in Deutschland von einem vorsichtigen Optimismus gesprochen. "Was mich vorsichtig optimistisch stimmt, ist die Tatsache, dass die Fallzahlen aktuell nicht mehr so steil ansteigen", sagte Wieler bei einer Pressekonferenz. Die Kurve flache sich leicht ab. Das Infektionsgeschehen nehme jedoch praktisch in ganz Deutschland noch zu, die Lage sei weiterhin ernst.

Hinzu kommt: Die Gründe für das Abflachen der Kurve sind laut RKI noch unklar. Möglich sei, dass die strengeren Maßnahmen zu wirken beginnen. Möglich sei aber auch, dass die Laborkapazitäten ausgeschöpft sind und die Zahl aus diesem Grund nicht mehr stark ansteigt. "Wir wissen noch nicht, ob das eine stabile Entwicklung ist", sagte Wieler. "Aber das zeigt, dass wir diesem Virus nicht hilflos ausgeliefert sind."

DER SPIEGEL

Dennoch müsse man damit rechnen, dass die Zahl der schweren Krankheitsverläufe mit zeitlichem Verzug weiter ansteige. "Fast die Hälfte der Kliniken meldet eingeschränkte Verfügbarkeit an", sagte Wieler. Die Krankenhäuser stießen vor allem auch durch Infektionen beim Personal an ihre Grenzen. "Es ist möglich, dass Patienten nicht mehr überall optimal versorgt werden können."

Es gelte zu verhindern, dass sich die Situation weiter zuspitze, so der RKI-Chef. Ziel sei nach wie vor, die Zahl der Neuinfektionen wieder auf ein Level zu bringen, mit dem auch die Krankenhäuser umgehen können. Die Zahl der Covid-19-Intensivpatienten war zuletzt deutlich gestiegen.

Spahn: "Veranstaltungen mit mehr als zehn, fünfzehn Personen sehe ich in diesem Winter nicht mehr"

Die Gesundheitsämter in Deutschland hatten zuletzt 21.866 neue Ansteckungsfälle innerhalb von 24 Stunden gemeldet, wie das RKI am Donnerstagmorgen mitteilte. Dies waren rund 3400 Neuinfektionen mehr als am Vortag, als knapp 18.500 neue Infektionsfälle erfasst worden waren.

Dass die Infektionszahlen in Deutschland im Herbst und Winter ansteigen werden, sei mit Blick auf die Nachbarländer absehbar gewesen, sagte Ute Rexroth, die am RKI das Infektionsgeschehen analysiert. "Wir sind keine Insel der Glückseligen", so Rexroth. "Wir sehen aber trotz der hohen Fallzahlen, dass die Maßnahmen wirken." Sonst sei mit einem R-Wert von drei oder vier zu rechnen – das bedeutet, dass jeder Infizierte sonst im Schnitt drei bis vier weitere Menschen anstecken würde. Aktuell schwankt der Wert um eins.

"Die Zahlen könnten viel schlimmer nach oben schießen", sagte Rexroth weiter. Dass dies nicht passiere, sei ein großer Erfolg, der der Bevölkerung zu verdanken sei, allen, die sich an die Regeln halten. "Es reicht nur noch nicht ganz."

Gesundheitsminister Jens Spahn rechnet für den gesamten Winter mit anhaltenden Corona-Einschränkungen. Auch wenn die Infektionszahlen durch den Teil-Shutdown im November heruntergebracht würden, bedeute das nicht, dass es ab Dezember oder Januar wieder überall richtig losgehen und es wieder Hochzeits- oder Weihnachtsfeiern geben könne, als wäre nichts gewesen, sagte der Gesundheitsminister dem RBB.

"Deswegen finde ich schon jetzt die Botschaft wichtig: Veranstaltungen mit mehr als zehn, fünfzehn Personen (...) sehe ich in diesem Winter nicht mehr", so der CDU-Politiker.

irb/AFP/dpa/Reuters
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