Corona-Pandemie RKI-Chef nennt Anstieg der Neuinfektionen »besorgniserregend«

Die Corona-Lage in Deutschland hat sich nach Ansicht des Robert Koch-Instituts verschlechtert. RKI-Chef Lothar Wieler sieht das mit Sorge. Passiert nichts, könne es wieder zu einem exponentiellen Wachstum der Neuinfektionen kommen.
RKI-Chef Lothar Wieler

RKI-Chef Lothar Wieler

Foto: MICHAEL KAPPELER / AFP

Der Präsident des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler, hält den zuletzt wieder registrierten Anstieg bei den Corona-Neuinfektionen für »besorgniserregend«. Die Lage sei nach wie vor sehr ernst, sie habe sich seit der vergangenen Woche verschlechtert, sagte Wieler beim Pressebriefing des Instituts in Berlin.

»Das Infektionsgeschehen kann schnell wieder kippen«, warnte Wieler. Es könne schnell wieder zu einem exponentiellen Wachstum der Neuinfektionen in Deutschland kommen. Wieler erklärte die Situation damit, dass das Coronavirus in der Bevölkerung sehr verbreitet sei. Umso wichtiger sei es deshalb, die Schutzmaßnahmen einzuhalten.

Die Zahl der binnen einem Tag gemeldeten Corona-Neuinfektionen hatte bis Donnerstagfrüh einen Höchststand erreicht: Die Gesundheitsämter übermittelten dem RKI 23.679 Neuinfektionen, wie aus den Zahlen hervorging. Der bisherige Rekordwert war am 20. November mit 23.648 gemeldeten Fällen erreicht worden. Bereits im Lagebericht vom Mittwoch schrieb das RKI, seit dem 4. Dezember sei ein deutlicher Anstieg der Fallzahlen zu beobachten.

»Auch die Zahl der schweren Verläufe und Todesfälle nimmt immer mehr zu«, sagte Wieler. Das Plateau, auf dem sich die Neuinfektionen seit einigen Wochen befänden, sei äußerst fragil. Nach Angaben des RKI ist besonders die Lage in den Alten- und Pflegeheimen schwierig. Es gebe dort aktuell fast doppelt so viele Ausbrüche wie im Frühjahr. Pro Ausbruch seien im Durchschnitt fast 20 Menschen betroffen. Die Gesundheitsämter seien zunehmend erschöpft, in einigen Regionen hätten Krankenhäuser ihre Belastungsgrenze erreicht.

Wieler ging auch auf einen Impfstoff ein: »Wir werden vielleicht schon Ende 2020 oder Anfang 2021 mit dem Impfen beginnen können«, sagte er. Die Ständige Impfkommission am RKI (Stiko) habe festgelegt, dass zunächst Bewohnerinnen und Bewohner in Alten- und Pflegeheimen, Personen über 80 Jahre, Personal mit besonderem Expositionsrisiko, Pflegepersonal in Einrichtungen mit vulnerablen Gruppen und Personal in medizinischen Einrichtungen, in denen Risikogruppen behandelt werden, geimpft werden sollen.

Kontakte um 60 Prozent reduzieren

Innerhalb Deutschlands sieht das RKI große Unterschiede: In manchen Regionen gelinge es offenbar besser als in anderen, Infektionen zu verhindern. »Das zeigt, dass Infektionsschutzmaßnamen wirken, wenn sie effektiv umgesetzt werden«, sagte Wieler. Die Leiterin des RKI-Lagezentrums, Ute Rexroth, ergänzte, besonders besorgniserregend sei die Lage in Thüringen und Sachsen.

Um Ansteckungen zu verhindern, müssten alle konsequent mitmachen, sagte der RKI-Chef mit Blick auf die Regeln zu Mindestabständen, Hygiene, Alltagsmaske und Lüften. Alle sollten Kontakte auf das »zwingend Notwendige« reduzieren, sagte er. Man solle auf Treffen verzichten und Freunde und Familie schützen. Die Trendwende sei nur gemeinsam zu schaffen.

Empfohlener externer Inhalt
An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt, der den Artikel ergänzt und von der Redaktion empfohlen wird. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen und wieder ausblenden.
Externer Inhalt

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Der Teil-Shutdown seit Anfang November reiche nicht aus, um das Coronavirus erfolgreich einzudämmen. Die Kontakte in der Bevölkerung müssten um mindestens 60 Prozent reduziert werden, die aktuellen 40 Prozent seien zu wenig. Irland und Belgien hätten mit einem harten Lockdown die Kontakte erfolgreich um mehr als 60 Prozent gesenkt und damit Ansteckungen reduziert. Zu härteren Maßnahmen gebe es auch in Deutschland keine gute Alternative, sollten die Kontakte nicht vor einer Einführung noch deutlich stärker reduziert werden.

kry/AFP/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.