RKI-Chef Wieler zum Coronavirus "Wir wissen nicht, ob es der Beginn einer zweiten Welle ist"

Die Zahl der Coronavirus-Infektionen steigt in Deutschland, das RKI ist in Sorge. Lothar Wieler ist aber optimistisch, dass eine zweite Welle abgewendet werden kann - wenn sich alle an die Regeln halten.
Lothar Wieler, Präsident des RKI

Lothar Wieler, Präsident des RKI

Foto: Tobias Schwarz/ AFP

Deutschland hat es wochenlang geschafft, die Zahl der neuen Coronavirus-Infektionen im Land auf einem niedrigen Niveau zu halten. Jetzt steigen die Zahlen wieder. Aufgrund der beunruhigenden Entwicklung hat das Robert Koch-Institut in einem Briefing alle Menschen aufgefordert, sich an die Maßnahmen zu halten, mit denen die Verbreitung des Virus eingedämmt werden soll.

"Wir sind mitten in einer sich rasant entwickelnden Pandemie", sagt der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler. In den vergangenen sieben Tagen wurden dem RKI 3611 neue Infektionsfälle gemeldet. "Die neueste Entwicklung der Fallzahlen macht mir und allen im Robert Koch-Institut große Sorgen", sagt Wieler.

DER SPIEGEL

Wichtig: die AHA-Regeln

Wir hätten es geschafft, die Fallzahlen über mehrere Wochen stabil zu halten, bei 300 bis 500 Fällen täglich. Auch die Zahl der Todesfälle sei gesunken. Wieler spricht von einem großen Erfolg, der zeigt, "dass wir das Virus eindämmen können". Aber das gelinge nur, wenn wir uns an die AHA-Regeln halten. AHA steht für: Abstand, Hygiene, Atemschutz. 

Das bedeutet, mindestens 1,5 Meter Abstand zu halten, die Hygieneregeln zu beachten und eine Mund-Nasen-Bedeckung in bestimmten Situationen zu tragen, insbesondere, wenn es nicht möglich ist, den Mindestabstand einzuhalten. Wieler weist darauf hin, dass der Mund-Nasen-Schutz richtig getragen werden soll, also auch über der Nase. Zusätzlich sollten Räume gut gelüftet werden.

Ute Rexroth, eine der Leiterinnen des Lagezentrums am RKI, erklärt in dem Briefing des Instituts, dass es sich bei den steigenden Fallzahlen um ein deutschlandweites Geschehen handelt. Es sei "diffus". Das kann die Nachverfolgung von Fällen und damit die Eindämmung des Virus erschweren.

Vor wenigen Wochen hätten fast 150 Landkreise keine neuen Fälle gemeldet. Laut dem Tagesbericht  des RKI vom Montag melden aktuell nur noch 88 Landkreise keine Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen.

Die Ansteckungen passierten demnach in vielen verschiedenen Umgebungen, bei Familienfeiern, am Arbeitsplatz, in Gemeinschaftseinrichtungen, Altenheimen, Kliniken. Natürlich seien auch Reiserückkehrer dabei. "Aber der allergrößte Teil hat sich in Deutschland angesteckt."

Einen größeren Ausbruch gab es im bayrischen Landkreis Dingolfing-Landau, wo sie nach aktuellem Stand 174 Erntehelfer eines landwirtschaftlichen Betriebs infiziert haben. Der gesamte Betrieb steht jetzt unter Quarantäne.

Wieler warnt, dass wir uns nicht auf dem bisherigen Erfolg ausruhen dürfen: "Wir haben es in der Hand, wie sich die Pandemie in Deutschland weiter verbreiten wird." Jetzt zu Tausenden wilde Partys zu feiern, sei rücksichtlos und auch fahrlässig.

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Wer Symptome hat, soll sich testen lassen

Ein wichtiger Hinweis: Wer Symptome habe, die auf Covid deuten können und sich krank fühle, solle einen Arzt kontaktieren und sich testen lassen. So könne jeder Einzelne dazu beitragen, das Virus einzudämmen.

Wieler bittet auch Reisende, sich im Urlaub "vernünftig" zu verhalten, also auch dort die AHA-Regeln zu befolgen. "Der Urlaub ist genau so ein Teil der Vorsorge gegen Covid-19 wie ihr Berufs- und Privatleben. Das Setting ist egal, in dem wir sind, wir sollten uns immer an die Regeln halten."

Wir wüssten nicht, ob es der Beginn einer zweiten Welle sei, aber er könnte es sein. Wieler sagt, er sei optimistisch, dass wir das verhindern können, wenn wir uns an die AHA-Regeln halten. "Die müssen über Monate der Standard sein."

wbr
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