Coronavirus in Deutschland RKI weist Omikron-Sublinie BA.5 und mehrere Mischvarianten nach

Der Gipfel der aktuellen Omikron-Welle sei »klar überschritten«, meldet das RKI. In der vergangenen Woche sind neue Coronavarianten und Rekombinanten gefunden worden – jedoch bislang nur wenige Fälle.
Einkaufen wieder ohne Maske (hier in Düsseldorf): Die Trends bei mehreren Corona-Indikatoren sind rückläufig

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Foto: Michael Gstettenbauer / IMAGO

Mehrere der recht neuen Omikron-Sublinien und Mischvarianten sind nach Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) bisher in Deutschland gefunden worden – allerdings geht es bisher nur um relativ seltene Fälle. Von der Linie BA.5 seien mit Stand 18. April insgesamt 25 Proben nachgewiesen, heißt es im RKI-Wochenbericht von Donnerstagabend . Der Anteil in einer Stichprobe betrug demnach vorvergangene Woche 0,2 Prozent. Aktuellere Werte gibt es noch nicht. BA.4 sei bislang nicht nachgewiesen worden. In Deutschland wird allerdings nur bei einem kleinen Anteil der positiven Proben das Erbgut entschlüsselt.

Der in Deutschland vorherrschende Subtyp ist derzeit BA.2, in der Stichprobe gibt das RKI den Anteil für die vorverganene Woche mit über 95 Prozent an. BA.2 hatte die Schwesterlinie BA.1 wegen der höheren Übertragbarkeit abgelöst.

BA.4 und BA.5 – beides sind Sublinien von Omikron – sind erst kürzlich bekannt geworden und werden von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als besorgniserregend eingestuft. Nach WHO-Angaben kamen Nachweise aus Südafrika und einigen europäischen Ländern. Beide Sublinien wiesen teils andere Charakteristika als andere Omikron-Varianten auf, hieß es – aber Details sind noch offen.

Daneben berichtet das RKI von Nachweisen mehrerer Mischvarianten (sogenannten Rekombinanten), die beobachtet würden. Sie können entstehen, wenn eine Wirtszelle gleichzeitig mit zwei verschiedenen Erregern infiziert ist, also zum Beispiel der Delta- und der Omikron-Variante. Das RKI hält folgende Nachweise fest: je einen von XD (Spike-Protein von Omikron, Rest Delta) und von XE sowie drei von XG. Die beiden letztgenannten seien Mischungen aus BA.1 und BA.2.

»Die am häufigsten (90-mal) nachgewiesene XM-Linie ist eine Rekombinante aus den Omikron-Sublinien BA.1.1 und BA.2«, schreibt das RKI. Diese sei Mitte Februar zum ersten Mal identifiziert und seitdem in mehreren europäischen Ländern nachgewiesen worden, darunter in Dänemark, den Niederlanden und Großbritannien. Der Nachweis sei teils auch durch gezielte Suche nach bestimmten charakteristischen Mutationen erfolgt, hieß es. Das RKI weist zudem darauf hin, dass die Klassifizierung derzeit noch fehleranfällig sein könne.

Bislang lägen bei den Rekombinanten keine epidemiologischen Hinweise auf veränderte Übertragbarkeit, Krankheitsschwere und/oder veränderte Immunantwort im Vergleich zu den Ausgangsvarianten vor. Wie es hieß, ist XE im Vergleich zu BA.2 gegebenenfalls etwas leichter übertragbar.

Die in den USA aufgetauchte Omikron-Sublinie BA.2.12.1 wird im RKI-Bericht nicht erwähnt. Diese macht laut den Centers for Disease Control (CDC) , der US-amerikanischen Gesundheitsbehörde, inzwischen 19 Prozent des dortigen Infektionsgeschehens aus und scheint noch ansteckender als die Omikron-Linie BA.2 zu sein. Offenbar war die neue Sublinie für den jüngsten Anstieg der Fallzahlen im Bundesstaat New York verantwortlich . US-Medien zufolge  könnte sie noch einmal um rund 25 Prozent ansteckender sein als BA.2.

Gipfel der aktuellen Welle klar überschritten

Insgesamt spricht das RKI im Bericht von rückläufigen Trends bei mehreren Corona-Indikatoren in Deutschland. »Der Gipfel der aktuellen Welle ist jetzt klar überschritten«, heißt es in dem Bericht. Unter anderem nähmen Kennzahlen zu Krankenhausaufnahmen und zu Ausbrüchen in Einrichtungen ab. Die Belastung der Kapazitäten des Gesundheitsversorgungssystems, insbesondere im stationären und intensivmedizinischen Bereich, sei durch die eingeschränkte Verfügbarkeit des medizinischen Personals aufgrund infektionsbedingter Ausfälle aber nach wie vor hoch.

In mehr als 200 Laboren bundesweit wurden demnach zuletzt aber auch immer weniger PCR-Tests durchgeführt, auf denen die offiziellen Statistiken beruhen. Der deutliche Rückgang vorige Woche sei auch durch den Feiertag Karfreitag mitbedingt, schreibt das RKI. Laut Bericht fiel mehr als jeder zweite Test positiv aus. Insgesamt schätzen die Gesundheitsexperten den Infektionsdruck in der Bevölkerung weiter als hoch ein.

Das RKI schätzt die Gefährdung durch Covid-19 für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland insgesamt weiterhin als »sehr hoch« ein, insbesondere für die Gruppe der Ungeimpften.

kry/dpa