Weltweiter Ausbruch Robert Koch-Institut hält Corona-Pandemie für möglich

"Es ist offen, ob es gelingen wird, die weltweite Ausbreitung des Covid-19-Erregers einzugrenzen", schreibt das Robert Koch-Institut über das neuartige Coronavirus. Deutschland müsse mit weiteren Fällen rechnen.
Menschen in einem Supermarkt in Wuhan: Die Millionenstadt gilt als Ausgangspunkt des Corona-Ausbruchs

Menschen in einem Supermarkt in Wuhan: Die Millionenstadt gilt als Ausgangspunkt des Corona-Ausbruchs

Foto: Getty Images

Das neuartige Coronavirus könnte nach Einschätzung des Robert Koch-Instituts (RKI) auch international noch große Probleme bereiten. "Die globale Entwicklung legt nahe, dass es zu einer weltweiten Ausbreitung des Virus im Sinne einer Pandemie kommen kann", heißt es in einem Bericht , den das Berliner Institut am Mittwoch veröffentlicht hat.

Eine solche Pandemie würde demnach Länder mit geringen Ressourcen im Gesundheitssystem besonders stark treffen. "Aber auch in Ländern wie Deutschland könnte dies zu einer hohen Belastung der medizinischen Versorgung führen", heißt es. Dies sei insbesondere der Fall, wenn ein Ausbruch mit der jährlichen Grippewelle zusammentreffen würde. Die Erkrankung durch das neuartige Coronavirus trägt seit Dienstag den offiziellen Namen Covid-19.

Aktuell halten die Experten die Gefahr für die deutsche Bevölkerung jedoch weiterhin für gering, da es hierzulande nur wenige Fälle gibt, die fast alle miteinander zusammenhängen. Alle Betroffenen stehen unter Quarantäne, ihre Kontaktpersonen werden regelmäßig getestet.

Strategie der Eindämmung

Mit einem Import weiterer Fälle nach Deutschland müsse jedoch gerechnet werden, schreibt das RKI auf seiner Homepage . "Auch weitere Übertragungen und Infektionsketten in Deutschland sind möglich." Noch gebe es jedoch keine Anzeichen, dass das Virus anhaltend zirkuliere.

Allerdings weist das Institut auch darauf hin, dass sich diese Einschätzung aufgrund des "sehr dynamischen Geschehens" jederzeit ändern könne. "Es ist offen, ob es gelingen wird, die weltweite Ausbreitung des Erregers einzugrenzen."

Solange die Situation bleibt wie bisher, empfiehlt das Robert Koch-Institut für Deutschland eine Strategie der Eindämmung. Das Ziel sei, Infizierte so früh wie möglich zu erkennen und dadurch eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Kontaktpersonen der Infizierten sollten vorsichtshalber 14 Tage in häuslicher Quarantäne verbringen.

Selbst wenn nicht alle Erkrankten und ihre Kontakte rechtzeitig gefunden würden, könnte diese Strategie eine Ausbreitung des Erregers verlangsamen, heißt es. Treten vermehrt Fälle auf, deren Ursprung nicht mehr bekannt ist, müssen die Behörden jedoch umdenken. Dann geht es stärker darum, Personen zu schützen, bei denen die Krankheit besonders häufig schwer verläuft.

Das RKI weist jedoch auch darauf hin, dass noch viele Fragen offen sind: etwa wie lange es genau dauert, bis Infizierte nach der Ansteckung erste Beschwerden entwickeln. Wie lange Erkrankte die Erreger ausscheiden und damit ansteckend sind. Und wie gefährlich die Infektion genau ist. Forscher arbeiten weltweit daran, diese Wissenslücken zu schließen.

Aktuell: 99 Prozent der gemeldeten Fälle in China

Bislang haben sich laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) mehr als 45.000 Menschen nachweislich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Ein Großteil der Fälle - 99 Prozent - beschränkt sich noch auf China. Insgesamt haben jedoch 25 Länder Covid-19-Fälle gemeldet.

Alle Artikel zum Coronavirus

Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

irb/dpa
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