Covid-19 in Italien Coronavirus in Abwasserproben von Dezember gefunden

Vermutlich zirkulierte Covid-19 schon vergangenes Jahr in Europa. Italienische Forscher haben nun ein weiteres Indiz dafür gefunden: Das Virus wurde in Abwasserproben nachgewiesen - die im Dezember genommen wurden.
Touristen vor dem Mailänder Dom: Coronavirus in Abwasserproben vom 18. Dezember 2019 gefunden

Touristen vor dem Mailänder Dom: Coronavirus in Abwasserproben vom 18. Dezember 2019 gefunden

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Francesco Bozzo/ Independent Photo Agency Int./ imago images

Der Verdacht, dass Sars-CoV-2 bereits seit Ende vergangenen Jahres in Europa kursiert, erhärtet sich: Der Erreger sei in Abwasserproben der beiden norditalienischen Großstädte Mailand und Turin nachgewiesen worden, die bereits von Dezember stammen, heißt es in einer Mitteilung von Italiens nationalem Gesundheitsinstitut ISS . Dies belege eine Studie, die Abwasserproben der vergangenen Monate untersucht hatte.

Die ersten offiziell bestätigten Fälle des Coronavirus waren in Italien Mitte Februar bekannt geworden. Aufgrund der hohen Todeszahlen und der Wucht, mit der die Pandemie das Land traf, ging man bereits früh davon aus, dass sich das Virus schon lange vor Bekanntwerden der ersten Fälle in Italien unbemerkt ausgebreitet hatte.

Bereits zu Beginn der Pandemie wurde Erbgut von Sars-CoV-2 in Stuhlproben von Erkrankten nachgewiesen. Die Forscher analysierten nun rund 40 Proben, die zwischen Oktober 2019 und Februar 2020 aus Kläranlagen in ganz Italien entnommen wurden. Dabei fanden sie Sars-CoV-2 erstmals in Proben aus Mailand und Turin vom 18. Dezember 2019. In Bologna wurde das Virus in Abwässern vom 29. Januar 2020 nachgewiesen.

"Diese Erkenntnisse können dabei helfen, zu verstehen, wann das Virus begonnen hat, in Italien zu zirkulieren", heißt es in der Stellungnahme des ISS. Gleichzeitig heiße das nicht, dass die entdeckten Virensequenzen unbedingt von denjenigen stammen müssen, die das Virus ins Land eingeschleppt hätten - eine noch frühere Verbreitung ist also denkbar. Für die Kontrolle der Verbreitung des Virus könnten Gewässerproben aber hilfreich sein. Das ISS wies auf Abwasser-Studien in Frankreich und Spanien hin, die zu ähnlichen Ergebnissen gekommen seien.

Nicht nur die Abwasseruntersuchungen aus Italien deuten darauf hin, dass Sars-CoV-2 sich wesentlich früher weltweit ausbreitete als zunächst gedacht. In einem französischen Krankenhaus etwa wurde die Blutprobe eines Patienten mit Lungenentzündung vom Dezember nachträglich positiv auf das Coronavirus getestet. Auch in Barcelona fanden Forscher die Virus-RNA in Abwasserproben von Mitte Januar - rund einen Monat, bevor die ersten Fälle offiziell bestätigt wurden. Eine britische Studie, die Mutationen des Virus untersucht hatte, kommt zudem ebenfalls zu dem Ergebnis, dass sich Sars-CoV-2 bereits lange vor Bekanntwerden der ersten Fälle rasant weltweit ausgebreitet hat.

Das ISS kündigte ein Pilotprojekt an, bei dem Abwasser in Touristenorten im Juli untersucht werden soll. Ein landesweites Monitoring-Netzwerk soll zudem Aufschluss über die Verbreitung des Virus geben. Abwasser sei ein "strategisches" Werkzeug für ein Frühwarnsystem, da das Virus dort eventuell schon früher nachgewiesen werden könne als beim Menschen.

Die Regierung in Rom hatte Provinzen in der Lombardei und in Venetien Ende Februar zum Sperrgebiet erklärt. Mittlerweile wurde Kritik laut, dass die gesamten Regionen früher abgeriegelt hätten werden sollen. Italien wurde in Europa als erstes hart von der Pandemie getroffen. Als Ausgangspunkt der Corona-Pandemie gilt die chinesische Millionenmetropole Wuhan. Dort wurde das neuartige Coronavirus im Dezember erstmals bei Menschen festgestellt.

kry/AFP/dpa
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