RKI meldet höchsten Wert seit April Sieben-Tage-Inzidenz steigt auf 139 – mehr als 24.000 Neuinfizierte

Die Corona-Fallzahlen sind weiter gestiegen. Intensivmediziner warnen vor einem harten Winter. Gesundheitsminister Spahn wirbt für Booster-Impfung.
Im Winter kommt für viele die Booster-Impfung (Symbolbild)

Im Winter kommt für viele die Booster-Impfung (Symbolbild)

Foto: Markus Schreiber / picture alliance / dpa

Die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz bei den Corona-Neuinfektionen ist erneut deutlich gestiegen. Wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Freitag unter Berufung auf Daten der Gesundheitsämter meldete , erhöhte sich der Wert auf 139,2. Am Vortag hatte er bei 130,2 gelegen, vor einer Woche bei 95,1.

Der Wert gibt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen an. Die Zahl der Neuinfektionen bildet die Zahl der positiv gemeldeten Coronafälle des Vortages ab. Zwischen der Meldung durch die Ärzte und Labore an die Gesundheitsämter und der Übermittlung der Fälle an die zuständigen Landesbehörden und das RKI können einige Tage vergehen. Jeden Tag werden dem RKI neue Fälle übermittelt, die am selben Tag oder bereits an früheren Tagen an das Gesundheitsamt gemeldet worden sind.

Diese Nachmeldungen werden dann im Nachhinein nochmals korrigiert. Durch den Meldeverzug sind die aktuellsten Zahlen unvollständig und in Wirklichkeit meist etwas höher. Hinzu kommt, dass die Patienten sich häufig erst einige Tage nach Symptombeginn testen lassen. Das Erkrankungsdatum liegt daher noch einmal einige Tage vor dem Meldedatum.

Dennoch lässt sich aus den Werten ein Trend ablesen. Die Sieben-Tage-Inzidenz dient dabei als Anhaltspunkt, um die Dynamik des Infektionsgeschehens einschätzen zu können. Jedoch gilt sie mittlerweile nicht mehr als alleiniger Richtwert für die Verschärfung von Coronamaßnahmen.

Ein Wert, der wichtiger für politische Entscheidungen geworden ist, ist die Zahl der in Kliniken aufgenommenen Coronapatienten je 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen.

Impfquote »Schlüssel für Ende der Pandemie«

Der Präsident der Intensivmediziner-Vereinigung, Gernot Marx, erwartet in diesem Winter ähnliche Coronazustände wie vor einem Jahr. »Wir erwarten keinen Winter, der sich groß von den letzten zwei erlebten unterscheidet«, sagte Marx den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland (RND). Er gehe diesmal jedoch davon aus, dass alle Patientinnen und Patienten vollumfänglich versorgt werden können. Dazu müssten jedoch wieder Operationen abgesagt und es müsse auch Pflegepersonal aus anderen Bereichen abgezogen werden.

Im Moment folge die Intensivbettenbelegung »wieder sehr klar der Inzidenz«, sagte Marx weiter. »Im Unterschied zu den vorangegangenen Pandemiewellen braucht es in diesem Herbst aber eine höhere Inzidenz, bis die Intensivbetten vergleichbar stark belegt sind – weil viele Menschen bereits geimpft sind.« Auch die reduzierte Zahl der Intensivbetten sei ein Grund für seine Sorgen.

Eine zehnprozentige Steigerung der Impfquoten führe Marx zufolge zu einer erheblich verringerten Intensivbettenbelegung. Die Impfquote sei »der Schlüssel für das Ende der Pandemie«, betonte er.

Laut den jüngsten Angaben des RKI wurden binnen 24 Stunden 24.668 Coronavirus-Neuinfektionen sowie 121 neue Todesfälle in Zusammenhang mit dem Virus verzeichnet.

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Spahn ruft zu Auffrischimpfungen auf

Die Gesamtzahl der registrierten Infektionsfälle in Deutschland seit Beginn der Pandemie wuchs damit auf 4.559.120, die Gesamtzahl der verzeichneten Todesfälle in Zusammenhang mit einer Coronainfektion auf 95.606.

Die Sieben-Tage-Inzidenz steigt seit zwei Wochen kontinuierlich an. Am vergangenen Freitag hatte der Wert erstmals seit Mai wieder die Marke von 100 überschritten.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn rief alle über 60-Jährigen und Menschen mit geschwächtem Immunsystem auf, sich ein drittes Mal gegen das Coronavirus impfen zu lassen. Seiner Meinung nach sollten die Bundesländer diese Menschen auch noch mal schriftlich einladen. Dafür wolle er nächste Woche bei der Gesundheitsministerkonferenz in Lindau werben.

»Wir haben Impfstoff mehr als genug«, sagte Spahn. Er hatte sich am Donnerstag selbst erneut impfen lassen.

kry/AFP
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