Uniklinik Aachen So erging es frühen Covid-19-Patienten

Im Landkreis Heinsberg erkrankten schon früh viele Menschen an Covid-19. Aachener Ärzte berichten von ihren Erfahrungen mit den ersten 50 Patienten, die an der Uniklinik behandelt wurden.
An der Uniklinik Aachen wurden Covid-19-Patienten aus dem Landkreis Heinsberg behandelt

An der Uniklinik Aachen wurden Covid-19-Patienten aus dem Landkreis Heinsberg behandelt

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Felix von der Osten

In der Umgebung von Aachen, im Landkreis Heinsberg, gab es bereits im Februar eine größere Zahl von Covid-19-Fällen. Die Schwerkranken wurden - oder werden - an der Uniklinik Aachen behandelt. Nun haben Mediziner im "Deutschen Ärzteblatt"  einen Fachartikel veröffentlicht, in dem sie die ersten 50 Patientinnen und Patienten beschreiben. Dabei zeigen sich einige Unterschiede zu den Berichten über Covid-19-Betroffene aus dem chinesischen Wuhan, aber auch einige Parallelen. Weil das Krankenhaus natürlich nur Erkrankte mit schweren Symptomen aufgenommen hat, sagen diese Daten nichts über milde Verläufe der Infektion beziehungsweise die davon betroffenen Menschen aus.

  • Die Patienten waren im Schnitt 65 Jahre alt. Das ist älter als der Durchschnitt der Covid-19-Klinikpatienten im chinesischen Wuhan.

  • Männer stellen zwei Drittel der Betroffenen, Frauen nur ein Drittel.

  • Alle 50 Patienten hatten bereits eine Vorerkrankung. 35 von ihnen hatten Bluthochdruck, 29 Diabetes, 25 eine Atemwegserkrankung, darunter das chronische Lungenleiden COPD, Schlafapnoe und Asthma. Auch Herz-, Nieren- und Leberleiden sowie Krebserkrankungen werden von den Ärzten genannt.

  • Mehr als 80 Prozent hatten zunächst Fieber, knapp die Hälfte hatte Husten oder bereits früh Atembeschwerden. Nur je ein Patient hatte Schnupfen beziehungsweise Kopfschmerzen, lediglich zwei Halsweh. Magen-Darm-Beschwerden in Form von Erbrechen, Durchfall oder Übelkeit betrafen zu Beginn der Erkrankung immerhin sechs Patientinnen und Patienten.

  • Zwischen dem Einsetzen der ersten Symptome und der Einlieferung ins Krankenhaus lagen im Schnitt nur vier Tage. Die Zeit ist kürzer als in den Berichten aus Wuhan.

  • Knapp die Hälfte der beschriebenen Patienten, nämlich 24, hatten ein schweres Lungenversagen. Sie benötigten Beatmung. In acht Fällen sogar die sogenannte extrakorporale Membranoxygenierung (ECMO). Das aufwendige Verfahren kann die Atmung für eine Weile ersetzen, indem Blut über eine Kanüle aus dem Körper in ein Gerät geleitet wird, das der Flüssigkeit Kohlendioxid entzieht und sie mit Sauerstoff anreichert - beides geschieht normalerweise, während das Blut die Lunge passiert.

  • Alle Patienten ohne schweres Lungenversagen benötigten eine Sauerstofftherapie.

  • Patienten mit einem Lungenversagen hatten häufiger bereits eine chronische Atemwegserkrankung und waren häufiger übergewichtig als die Covid-19-Patienten in der Klinik, deren Lunge nicht versagte. Bei den anderen Begleiterkrankungen zeigte sich in dieser Gruppe kein Unterschied.

  • Die Viruslast unterschied sich bei den Patienten mit und ohne Lungenversagen nicht. Die Daten aus China legten dagegen nahe, dass eine höhere Viruslast mit einem schwereren Verlauf der Krankheit einhergeht.

Das Ärzteteam berichtet über diese 50 Patienten, während viele von ihnen noch in Behandlung sind. 35 der 50 waren noch im Krankenhaus, als die Übersicht verfasst wurde. Acht Patienten konnten entlassen werden, sieben waren verstorben. Drei Patienten mit einem Lungenversagen starben an einem Multiorganversagen. Vier Patienten ohne Lungenversagen starben an Atemversagen. Sie selbst oder ihre Angehörigen hatten eine intensivmedizinische Behandlung abgelehnt.

wbr
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