Coronavirus auf Oberflächen Ist meine Türklinke ansteckend?

US-Forscher haben in einer neuen Studie herausgefunden, dass Sars-CoV-2 bis zu drei Tage auf Plastik und rostfreiem Stahl überdauern kann. Damit kann man sich theoretisch auch über Oberflächen infizieren.
Eine neue Studie hat untersucht, wie lange Sars-CoV-2 auf Oberflächen überdauert

Eine neue Studie hat untersucht, wie lange Sars-CoV-2 auf Oberflächen überdauert

Foto: Ekarin Apirakthanakorn/ Getty Images/EyeEm

Die Türklinke des Haupteingangs zur Firma fühlt sich seit einigen Tagen wie eine Bedrohung für Leib und Wohl an: War die Person, die sie zuvor angefasst hat, krank? War sie vielleicht sogar mit dem neuartigen Coronavirus infiziert - und könnte ich mich anstecken, wenn ich die Türklinke zufällig an der gleichen Stelle berühre?

Bisher gab es keine Studien dazu, wie lange Sars-CoV-2 auf Oberflächen überdauern kann. Untersuchungen anderer humaner Coronaviren zeigten, dass behüllte Viren bei Raumtemperatur durchschnittlich vier Tage überleben und infektiös sind. Auf einigen Materialien überdauern sie sogar bis zu neun Tage. Die Folge: Aufgrund der großen Verunsicherung riskieren Fahrgäste in S-Bahnen des öffentlichen Nahverkehrs lieber, beim Anfahren des Zuges umzustürzen, als sich an den Haltestangen festzuhalten.

Coronavirus, Covid-19, Sars-CoV-2? Was die Bezeichnungen bedeuten.

Coronavirus: Coronaviren sind eine Virusfamilie, zu der auch das derzeit weltweit grassierende Virus Sars-CoV-2 gehört. Da es anfangs keinen Namen trug, sprach man in den ersten Wochen vom "neuartigen Coronavirus".

Sars-CoV-2: Die WHO gab dem neuartigen Coronavirus den Namen "Sars-CoV-2" ("Severe Acute Respiratory Syndrome"-Coronavirus-2). Mit der Bezeichnung ist das Virus gemeint, das Symptome verursachen kann, aber nicht muss.

Covid-19: Die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Atemwegskrankheit wurde "Covid-19" (Coronavirus-Disease-2019) genannt. Covid-19-Patienten sind dementsprechend Menschen, die das Virus Sars-CoV-2 in sich tragen und Symptome zeigen.

US-Forscher haben in einer Studie , die vorab veröffentlicht und noch durch unabhängige Gutachter bestätigt werden muss, nun untersucht, wie lange Sars-CoV-2 auf Oberflächen und in feinen Partikeln in der Luft (Aerosolen) im Vergleich zu seinem genetischen Verwandten Sars überdauert. "Insgesamt scheinen die beiden Virentypen sich sehr ähnlich zu verhalten", schreiben die Forscher in der Studie. "Wir haben herausgefunden, dass Sars-CoV-2 bis zu drei Stunden in Partikeln in der Luft infektiös ist, bis zu vier Stunden auf Kupfer, bis zu 24 Stunden auf Karton und zwei bis drei Tage auf Plastik und rostfreiem Stahl."

Im Gegensatz zu Bakterien besitzen Viren keinen eigenen Stoffwechsel. Sie brauchen eine lebende Zelle, um sich zu vermehren: eine sogenannte Wirtszelle, in die sie ihre Erbinformation einschleusen. Die Stabilität von Viren außerhalb dieses Wirts hängt unter anderem von Faktoren wie Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Beschaffenheit der Oberfläche ab. Behüllte Viren, zu denen auch Sars-CoV-2 gehört, können im Gegensatz zu unbehüllten Viren besser durch Desinfektionsmittel beseitigt werden: Da ihre Hülle aus Lipiden, also Fetten, besteht, werden die Viren nicht nur weggewischt, sondern die Virushülle wird zerstört.

DER SPIEGEL

Händewaschen hilft!

Die Ergebnisse der neuen Studie implizieren, dass es möglich ist, sich durch Gegenstände oder Partikel in der Luft mit Covid-19 zu infizieren - zumindest theoretisch. Dafür müssten allerdings die infektiösen Tröpfchen an die Gegenstände gelangen. Es müsste sich also jemand in die Hand niesen oder husten und danach die Türklinke anfassen. Die nachfolgende Person müsste die Türklinke wiederum an derselben Stelle berühren und sich anschließend an die Schleimhäute fassen, etwa Mund, Nase oder Augen. So könnte das Virus in den Körper gelangen. Händewaschen bietet davor den besten Schutz: Wer rund 30 Sekunden lang die Hände gründlich mit Seife wäscht, zerstört die Virushülle. Husten und Niesen in die Armbeuge sorgt außerdem dafür, dass das Virus erst gar nicht an die Hände und von dort an Türklinken oder Handläufe von Rolltreppen gelangt.

Das Robert Koch-Institut empfiehlt dennoch nicht, alle Oberflächen ständig zu desinfizieren. Lediglich die Oberflächen in unmittelbarer Nähe von Erkrankten sollten desinfiziert werden - dazu gehören auch Krankenhäuser. Denn auch viele Oberflächen in Kliniken sind aus Plastik oder rostfreiem Stahl. In China haben sich nachweislich mehr als 3000 Mitarbeiter des medizinischen Personals in Krankenhäusern angesteckt. "Das zeigt, wie vulnerabel das Gesundheitssystem bei der Verbreitung von Sars-CoV-2 ist", schreiben die US-Forscher. Dennoch habe nach bisherigem Kenntnisstand der Großteil der Ansteckungen außerhalb medizinischer Einrichtungen stattgefunden.

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Die Ergebnisse zeigen noch etwas: Die Überlebensdauer von Sars-CoV-2 auf Oberflächen ist der des Sars-Virus so ähnlich, dass dies nicht der Grund dafür sein kann, dass die aktuelle Pandemie wesentlich stärker verläuft als die Sars-Epidemie vor rund 18 Jahren. Damals infizierten sich rund 8000 Menschen. Vielmehr scheinen den Virologen zufolge andere Faktoren eine Rolle zu spielen, wie etwa die Viruslast, die benötigt wird, um sich zu infizieren, die Stabilität des Virus in Schleim und Umweltfaktoren wie etwa Temperatur oder Luftfeuchtigkeit. Dazu liegen bisher noch keine verlässlichen Forschungsergebnisse vor.

Anmerkung: In einer früheren Version des Textes hieß es, die Studie wurde im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Bei dem Paper handelt es sich um ein Preprint, das noch nicht der sogenannten Peer-Review unterzogen wurde, also einer Qualitätssicherung durch unabhängige Gutachter. Die Informationen sind daher noch nicht verbindlich.

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