Coronavirus Wie schnell wird Omikron dominant?

In Großbritannien nimmt die Zahl der Menschen schnell zu, die sich mit Omikron infiziert haben, in Dänemark ebenso. Einige Wissenschaftler sehen Hinweise dafür, dass die neue Variante Delta verdrängen könnte.
Der Anteil der Omikron-Fälle steigt in Großbritannien stark an.

Der Anteil der Omikron-Fälle steigt in Großbritannien stark an.

Foto: Alberto Pezzali / dpa

In mehr als 50 Ländern  dieser Erde haben sich Menschen bereits nachweislich mit der Omikron-Variante des Coronavirus angesteckt.

In drei Ländern ist die Zahl der bestätigten Fälle besonders hoch: In Südafrika wurden 228 Omikron-Infektionen bestätigt, hinzu kommen Zehntausende Verdachtsfälle.

In Dänemark  registrierten die Behörden 261 Fälle – und eine stark steigende Tendenz. Nach Angaben des staatlichen dänischen Gesundheitsinstituts wurden 73 Fälle durch Gesamtgenomsequenzierung nachgewiesen, 188 Infektionen wurden mit einem Varianten-PCR-Test bestätigt.

Auch in Großbritannien werden mehr und mehr Infektionen mit der neuen Variante registriert. Aktuell sind 336 Fälle bestätigt. Besorgniserregend ist dabei besonders das Tempo, mit dem die Fallzahlen steigen: Allein von Freitag auf Sonntag verdoppelte sich die Zahl der Omikron-Fälle beinahe. Nach Angaben des britischen Gesundheitsministers Sajid Javid müssen bislang keine Betroffenen im Krankenhaus behandelt werden.

Gemessen an der Gesamtzahl der Neuinfektionen ist der Omikron-Anteil allerdings immer noch gering: Am Montag wurden in Großbritannien rund 50.000 positive Coronatests  registriert.

Es gibt Signale, die auf eine Verdrängung hindeuten

Wie wahrscheinlich ist es, dass Omikron die bisher dominierende Delta-Variante verdrängt? Einige Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vermuten: eher wahrscheinlich.

Zwar sei es für verlässliche Aussagen zum aktuellen Zeitpunkt noch zu früh. Aber: »Es kommen immer mehr Daten herein, die darauf hindeuten, dass Omikron Delta an vielen, wenn nicht sogar an allen Orten verdrängen könnte.« Das sagt zum Beispiel der Forscher Jacob Lemieux, der die Ausbreitung der Varianten an der Harvard Medical School beobachtet.

In Daten aus Großbritannien, wo viel Genomsequenzierung betrieben wird, »sehen wir ein Signal, das auf eine exponentielle Zunahme von Omikron gegenüber Delta hindeutet«, sagte der Forscher weiter.

Vieles ist über Omikron noch nicht bekannt. Unklar ist etwa, ob die Variante zu milderen Krankheitsverläufen führt oder inwieweit sie sich der Immunität durch frühere Covid-19-Erkrankungen oder Impfstoffe entziehen könnte.

Darauf, dass Omikron aber sehr ansteckend sein könnte, weisen die Entwicklungen der aktuellen Infektionszahlen hin. In Südafrika – wo Omikron nicht unbedingt entstanden sein muss, wo es aber erstmals entdeckt wurde – stiegen die Fallzahlen von weniger als 200 Erkrankten pro Tag Anfang November auf mehr als 16.000 tägliche Neuinfektionen Anfang Dezember. Mehr als 90 Prozent der neuen Fälle könnten auf Omikron zurückzuführen sein.

Die Delta-Fallzahlen waren in Südafrika niedrig

»Das Virus breitet sich außerordentlich schnell aus«, sagte auch Willem Hanekom, der Direktor des Africa Health Research Institute in Südafrika. »Wenn man sich die Steigung dieser Welle ansieht, die wir gerade erleben, ist sie viel steiler als die ersten drei Wellen in Südafrika.« Das lasse vermuten, dass die Variante möglicherweise sehr übertragbar ist. Erste Daten zeigten außerdem, dass die Reinfektionsraten höher seien als bei früheren Varianten.

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Allerdings, schränkt Hanekom ein, sei die Zahl der Delta-Fälle in Südafrika sehr niedrig gewesen, als Omikron auftauchte. Deshalb lasse sich nicht mit Sicherheit feststellen, ob die neue Variante Delta verdrängt hat.

Eindeutiger fällt die Einschätzung des Wissenschaftlers Jeffrey Barrett aus, der am britischen Wellcome-Sanger-Institut die Covid-Genom-Initiative leitet. Dem britischen Radiosender BBC sagte Barrett: »Ich denke, wir können jetzt sagen, dass die Variante sich im Vereinigten Königreich schneller ausbreitet als die Delta-Variante, und das war bis vor sehr kurzer Zeit nicht klar. Ich bin ziemlich sicher, dass sie wahrscheinlich innerhalb von Wochen dominant werden wird.«

vki/dpa/AP
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