Covid-19 Stiko empfiehlt Impfung für jüngere Kinder mit Vorerkrankung

Eltern hoffen seit Wochen darauf: Die Stiko hat die Corona-Impfempfehlung für Kinder zwischen fünf und elf Jahren mit Vorerkrankungen nun angepasst. Auch gesunde Kinder können auf Wunsch geimpft werden.
Jetzt können Eltern auch ihre kleinen Kinder impfen lassen (Symbolbild)

Jetzt können Eltern auch ihre kleinen Kinder impfen lassen (Symbolbild)

Foto: Laci Perenyi / IMAGO

Die Ständige Impfkommission (Stiko) am Robert Koch-Institut (RKI) will die Coronaimpfung von Kindern zwischen fünf und elf Jahren mit Vorerkrankungen und Kontakt zu Risikopatienten empfehlen. Aber auch gesunde Kinder sollen bei individuellem Wunsch geimpft werden können, hieß es ausdrücklich in einer Mitteilung des Expertengremiums . Der Beschlussentwurf mit dazugehöriger wissenschaftlicher Begründung sei in das vorgeschriebene Stellungnahmeverfahren an die Bundesländer und die beteiligten Fachkreise gegangen.

Die Einschätzung der Stiko war von vielen Eltern sehnlich erwartet worden, da Kinder dieses Alters in den Kitas und Schulen zusammenkommen und dadurch ein hohes Risiko haben, sich zu infizieren. Kinder mit bestimmten Vorerkrankungen, chronischen Leiden oder einer Immunsuppression haben zudem ein erhöhtes Risiko, schwer an Covid-19 zu erkranken.

Die Europäische Arzneimittelagentur Ema hatte den Biontech-Impfstoff Comirnaty für Fünf- bis Elfjährige bereits am 25. November freigegeben. Die Empfehlung bezieht sich auf die geringere Dosierung für kleinere Kinder, die ein Drittel der Erwachsenendosis erhalten sollen. Der Hersteller Biontech liefert diesen in speziellen Kinderampullen aus, die in Deutschland ab dem 13. Dezember zur Verfügung stehen sollen. »Es ist empfohlen, die Impfung mit zwei Impfstoffdosen des mRNA-Impfstoffs Comirnaty (10 µg) im Abstand von drei bis sechs Wochen durchzuführen«, heißt es in der Stiko-Mitteilung.

Daten reichen noch nicht

Das Gremium hatte bereits mehrfach darauf hingewiesen, dass ihm die Studienlage für eine allgemeine Impfempfehlung für diese Altersgruppe noch nicht ausreiche. Die Ständige Impfkommission arbeitet strikt evidenzbasiert, orientiert sich also an den verfügbaren wissenschaftlichen Studien. Dazu gehören zum einen die Zulassungsstudien der Hersteller. Biontech hatte seine Phase-II/III-Zulassungsstudie mit 2268 Kindern durchgeführt. Die Ergebnisse fielen positiv aus. Doch würden sehr seltene Nebenwirkungen bei einer so geringen Teilnehmerzahl vermutlich nicht auffallen. Da inzwischen bereits andere Länder wie die USA oder Israel Kinder dieser Altersklasse impfen, kann sich die Stiko bald auch auf die dort erhobenen Daten stützen.

Die Entscheidung bei den Fünf- bis Elfjährigen dürfte noch schwieriger gewesen sein als bei den älteren Kindern, denn kleine Kinder erkranken nur äußerst selten schwer an Covid-19. Ein hohes Risiko durch die Krankheit, vor dem sie geschützt werden müssten, gibt es bei ihnen also nicht. Jedoch können auch Kinder zur Verbreitung von Covid-19 beitragen und etwa Angehörige anstecken. Bei der Nutzen-Risiko-Analyse muss die Stiko also neben der Krankheitslast auch den allgemeinen gesellschaftlichen Nutzen mit einbeziehen – in einer pandemischen Situation wäre das wohl eine möglichst hohe Impfquote in der Allgemeinbevölkerung, um das Virus dauerhaft einzudämmen.

In ihrer Begründung schreibt die Stiko: »Ziel der Empfehlung ist es unter anderem, schwere Covid-19-Verläufe und Todesfälle bei Kindern im Alter von fünf bis elf Jahren zu verhindern. Zwar ist die Sieben-Tage-Inzidenz in der Altersgruppe sehr hoch, sodass man davon ausgehen kann, dass ohne Impfung ein Großteil der Fünf- bis Elfjährigen mittelfristig infiziert werden wird, allerdings verlaufen die meisten Infektionen asymptomatisch. Derzeit besteht für Kinder ohne Vorerkrankungen in dieser Altersgruppe nur ein geringes Risiko für eine schwere Covid-19-Erkrankung, Hospitalisierung und Intensivbehandlung.«

Trotzdem keine generelle Impfempfehlung

Hinzu komme, dass das Risiko seltener Nebenwirkungen der Impfung aufgrund der eingeschränkten Datenlage derzeit nicht eingeschätzt werden könne. Daher spreche die Stiko für Fünf- bis Elfjährige ohne Vorerkrankungen derzeit keine generelle Impfempfehlung aus. Sobald weitere Daten zur Sicherheit des Impfstoffs in dieser Altersgruppe oder andere relevante Erkenntnisse vorlägen, werde die Stiko diese umgehend prüfen und die Empfehlung gegebenenfalls anpassen. Weiterhin rief das Gremium nachdrücklich alle Eltern, Lehrer und Lehrerinnen sowie Erzieher und Erzieherinnen auf, sich selbst impfen zu lassen.

Die Stiko war bereits bei der Impfempfehlung für die Altersgruppe der 12- bis 17-Jährigen unter Druck geraten. Die Ema hatte die Impfstoff-Studien für diese Altersgruppe bereits geprüft und Ende Mai in Europa empfohlen, doch der Stiko reichten die vorhandenen Daten zunächst nicht für eine allgemeine Empfehlung in Deutschland. Die Gesundheitsminister übergingen das Gremium und beschlossen Anfang August, allen Kindern ab zwölf Jahren ein Impfangebot zu machen. Erst Ende August empfahl dann auch die Stiko die Impfung für alle 12- bis 17-Jährigen.

Auch dieses Mal hatten die Gesundheitsminister der Länder, wie schon bei der Entscheidung für die Impfung von 12- bis 17-Jährigen, wieder angefangen zu drängeln. Die Gesundheitsministerkonferenz (GMK) sei sich einig gewesen, dass man überall Kinder- und Familienimpfstraßen auf den Weg bringen wolle, damit man unmittelbar, wenn der Impfstoff zur Verfügung stehe, beginnen könne, hatte Bayerns Ressortchef Klaus Holetschek als derzeitiger GMK-Vorsitzender Ende November gesagt. Die Stiko wurde daher gebeten, »so schnell wie möglich« ihre Empfehlung abzugeben.

Der Stiko-Vorsitzende Thomas Mertens hatte jüngst für Aufregung gesorgt, als er in einem Podcast der »Frankfurter Allgemeinen Zeitung«  sagte, angesichts fehlender Daten würde er, hätte er selbst ein sieben Jahre altes Kind, es derzeit nicht gegen das Coronavirus impfen lassen. Es gebe jenseits der Daten aus der Zulassungsstudie des Impfstoffs »keinerlei Daten« über die Verträglichkeit des Impfstoffs in der Gruppe der Kinder zwischen fünf und elf Jahren.

kry/dpa
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