Infektionsgeschehen in Jena Studie bestätigt Schutzwirkung von Masken vor Coronavirus

In Jena wurden in der Coronakrise Masken zur Pflicht, als der Rest Deutschlands noch zögerte. Ein neues Diskussionspapier von Wirtschaftsforschern legt nahe, dass das eine erfolgreiche Strategie war.
Kunden stehen mit Mundschutz und Abstand zueinander vor einer Ikea-Filiale Schlange

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Foto: Niall Carson/ dpa

Die Thüringer Universitätsstadt Jena war in der Coronakrise ein Vorreiter bei der Maskenpflicht. Dort hatte man bereits am 6. April das verpflichtende Tragen einer Mund-Nasen-Bedeckung eingeführt – und damit wesentlich früher als in allen anderen Landkreisen und kreisfreien Städten Deutschlands. (Lesen Sie hier eine Reportage aus der "Stadt der schönen Muster").

Die Kampagne "Jena zeigt Maske" sollte die Nutzung in der Bevölkerung populär machen. Und die Ergebnisse schienen für sich zu sprechen: Die Zahl der registrierten Covid-19-Erkrankungen in Jena war nach der Einführung nur noch schwach angestiegen und hatte bald die Marke von null erreicht.

Eine Studie legt nun nahe, dass Alltagsmasken tatsächlich eine Schutzwirkung gegen die Ausbreitung des Coronavirus haben. Vorgelegt wurde sie von einem Team um den Wirtschaftswissenschaftler Klaus Wälde von der Johannes Gutenberg-Universität. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse bisher aber nur in Form eines Diskussionspapiers  mit dem Titel "Maskenpflicht und ihre Wirkung auf die Corona-Pandemie: Was die Welt von Jena lernen kann". Ein von Kollegen begutachteter Fachaufsatz in einem Wissenschaftsmagazin liegt bisher nicht vor.

"Eine Art synthetisches Jena geschaffen"

War die Entwicklung der Fallzahlen in Jena nun tatsächlich von der Maskenpflicht beeinflusst? Oder war sie auf andere Besonderheiten zurückzuführen? "Um diese Frage möglichst objektiv beantworten zu können, haben wir eine Art synthetisches Jena geschaffen, das die Maskenpflicht erst später eingeführt hat, und dieses mit dem realen verglichen", so Forscher Wälde.

Das Team hatte dazu aus den Daten anderer Landkreise und kreisfreien Städte in Deutschland diejenigen herausgesucht, die bei der Entwicklung der Covid-19-Fallzahlen bis Ende März mit Jena am stärksten übereinstimmten. Außerdem schauten die Forscher auch auf Vergleichbarkeit bei bestimmten Strukturmerkmalen wie etwa Bevölkerungsdichte, Durchschnittsalter und Dichte von Ärzten und Apotheken. Aus den Infektionszahlen dieser Städte und Landkreise habe man dann einen Durchschnitt berechnet, der den Infektionszahlen entsprechen könnte, die Jena ohne Einführung der Maskenpflicht zum 6. April möglicherweise gehabt hätte.

"Signifikante Kluft zwischen den Fallzahlen"

Nach den Berechnungen der Forscher "tut sich eine signifikante Kluft zwischen den Fallzahlen in Jena und der Vergleichsgruppe ohne Maskenpflicht auf". 20 Tage nach der Einführung der Maskenpflicht in Jena sei die Gesamtzahl der dort registrierten Covid-19-Fälle lediglich von 142 auf 158 gestiegen, im Vergleichsmodell hingegen von 143 auf 205.

In einem zweiten Schritt untersuchten die Forscher dann die Entwicklung der Fallzahlen in den Städten und Kreisen, welche die Maskenpflicht zum 22. April eingeführt hatten. Diese verglichen sie dann mit den Fallzahlen der Kommunen, die die Maskenpflicht erst zum 27. April oder später eingeführt hatten. Auch hier habe es signifikante Unterschiede gegeben, berichten sie. "Zusammenfassend kann man sagen, dass die Einführung der Maskenpflicht in den jeweiligen Kreisen zu einer Verlangsamung der Ausbreitung von Covid-19 beigetragen hat", so der Volkswirtschaftler Wälde.

Das Ergebnis stimmt mit der Einschätzung von Epidemiologen und Virologen überein, wonach ein Mund-Nasen-Schutz den Luftstrom beim Sprechen hemmt und dadurch die Übertragung infektiöser Partikel eingedämmt wird. Die Weltgesundheitsorganisation hatte trotzdem lange gezögert, sich für eine Maskenpflicht auszusprechen und erst in der vergangenen Woche ihre Position geändert.

Das Team um Wälde jedenfalls wirbt in seinem Papier für die Mund-Nasen-Bedeckung: Das Aufrechterhalten der Maskenpflicht sei ein "kosteneffektiver, wenig ökonomieschädlicher und demokratieverträglicher Baustein auch für die weitere Eindämmung von Covid-19".

chs/AFP