Coronavirus Südkorea meldet 600 neue Fälle – Google verordnet Homeoffice

In Südkorea breitet sich das Coronavirus rapide aus. Für China hingegen werden immer mehr Zweifel an der Zählweise der Fälle laut. Und: Tech-Konzerne wollen, dass Mitarbeiter daheimbleiben. Der Überblick.
Soldaten in Schutzanzügen im südkoreanischen Daegu: 2,5-Millionen-Stadt ist besonders betroffen

Soldaten in Schutzanzügen im südkoreanischen Daegu: 2,5-Millionen-Stadt ist besonders betroffen

Foto: KIM KYUNG-HOON/ REUTERS

Asien bleibt der Brennpunkt der aktuellen Coronakrise. Allerdings verlaufen die Entwicklungen durchaus je nach Land unterschiedlich. So steigt die Zahl der Covid-19-Erkrankungen in Südkorea unvermindert an. Die Gesundheitsbehörden meldeten am Dienstag 600 weitere Fälle, bei denen sich Menschen mit dem Erreger der Lungenkrankheit ansteckten. Am Vortag waren es noch 476 gewesen. Die Gesamtzahl erreichte damit 4812. Die Zahl der Todesfälle, die mit dem neuartigen Coronavirus in Verbindung gebracht werden, kletterte im Vergleich zum Vortag um zwei auf 28.

Wieder wurde die Mehrheit der neuen Ansteckungsfälle in der südöstlichen Millionenstadt Daegu und der umliegenden Region erfasst. Allein auf Daegu entfallen fast drei Viertel aller bisher amtlich nachgewiesenen Infektionen im Land.

In der Stadt mit 2,5 Millionen Einwohnern gibt es die größte Häufung von Infektionen unter Anhängern der christlichen Sekte Shincheonji-Kirche Jesu, die auch Verbindungen nach China hat. Einige Sektenmitglieder hatten nach Behördenangaben noch im Januar die zentralchinesische Stadt Wuhan besucht, wo der Ursprung von Covid-19 vermutet wird. Sektenführer Lee Man Hee entschuldigte sich am Montag öffentlich für die Verbreitung des Virus unter seinen Anhängern.

DER SPIEGEL

China meldet für Montag 125 Neuinfektionen, tags zuvor waren es 202. Damit klettert die Gesamtzahl der Infizierten auf 80.151. Die Zahl der Toten stieg um 31 auf 2943. Am Vortag waren 42 gemeldet worden. Alle neuen Todesfälle ereigneten sich in der Provinz Hubei, darunter 24 in Wuhan.

Das wahre Ausmaß der Epidemie in China scheint aber unklar, da die Zählweise der nachgewiesenen Infektionen mehrfach geändert wurde, was sich auch spürbar auf die amtliche Statistik auswirkt. Wie das chinesische Magazin "Caixin" berichtete, können beispielsweise Personen, die nachweislich infiziert sind, aber keine Symptome der Krankheit zeigen, seit Anfang Februar nicht mehr als neu bestätigte Ansteckungen mitgerechnet, sondern anderweitig aufgelistet werden. Dabei können solche Personen auch ansteckend sein.

Auf den Rückgang der Zahlen wird von amtlichen Stellen gern verwiesen, wenn jetzt dazu aufgerufen wird, in Gebieten Chinas, wo das Risiko nicht so groß ist, zur Normalität zurückzukehren und auch die Produktion in den Betrieben wieder aufzunehmen.

Die Hongkonger Regierungschefin Carrie Lam will die verbliebenen Bürger der Sonderverwaltungszone aus Wuhan zurückholen. Mit vier Charterflügen würden 533 Bürger am Mittwoch und Donnerstag ausgeflogen und im Anschluss 14 Tage in einem separaten Gebäude abseits bisheriger Quarantänestationen isoliert, so Lam.

Alle Artikel zum Coronavirus

Am 31. Dezember 2019 wandte sich China erstmals an die Weltgesundheitsorganisation (WHO). In der Millionenstadt Wuhan häuften sich Fälle einer rätselhaften Lungenentzündung. Mittlerweile sind mehr als 180 Millionen Menschen weltweit nachweislich erkrankt, die Situation ändert sich von Tag zu Tag. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über alle SPIEGEL-Artikel zum Thema.

Die US-Regierung gab bekannt, dass sie führende Pharmaunternehmen zur Zusammenarbeit bei der Entwicklung eines Impfstoffes und von Medikamenten zur Behandlung des Coronavirus verpflichtet hat. Vizepräsident Mike Pence traf Vertreter der Pharmaunternehmen Gilead, Regeneron Pharmaceuticals, Moderna und GlaxoSmithKline, Pfizer, Johnson & Johnson und Sanofi. Nach Meinung der Experten könnte ein sicherer Impfstoff in zwölf bis 18 Monate verfügbar sein, antivirale Behandlungsmöglichkeiten könnten schneller die Zulassung bekommen.

Pfizer arbeitet an einem Präparat, das bei der Eindämmung des Virus helfen könnte. Das Pharmaunternehmen habe bestimmte antivirale Stoffe identifiziert, die bereits in der Entwicklung waren, die das Potenzial haben könnten, die Vermehrung des Coronavirus zu hemmen, so das Unternehmen. Pfizer hofft, bis Ende März Ergebnisse vorlegen zu können, und falls eine oder mehrere der Stoffe erfolgsversprechend seien, bis Ende des Jahres die notwendigen Tests durchzuführen.

Die Praxisärzte in Deutschland sehen sich gewappnet für den Umgang mit dem Virus - aber Handlungsbedarf beim Nachschub an Schutzausrüstung. "Der Grundbestand, über den die niedergelassenen Kollegen in ihren Praxen verfügen, wird bundesweit nicht ausreichen, wenn die Zahl der Verdachtsfälle steigen wird", sagte der Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, Andreas Gassen, der Nachrichtenagentur. "Und darauf deutet ja alles hin." Man sei daher im Gespräch mit dem Bundesgesundheitsministerium und allen Beteiligten, um rasch Abhilfe schaffen zu können und Schutzbekleidung dort vorzuhalten, wo sie gebraucht werde.

Weiterhin sind die Auswirkungen der weltweiten Epidemie auch auf die Wirtschaft erheblich. Die beiden US-Technologie-Konzerne Google und Twitter weisen Teile ihrer Belegschaft an, von zu Hause aus zu arbeiten. Bei dem Suchmaschinenbetreiber sind alle 8000 Mitarbeiter in Dublin betroffen, nachdem ein Kollege grippeähnliche Symptome meldet. Der Kurznachrichtendienst schreibt wiederum Heimarbeit für alle Mitarbeiter in Hongkong, Japan und Südkorea vor. Zudem werde das Homeoffice für alle Beschäftigten weltweit empfohlen, wenn dies irgendwie möglich sei.

Die US-Hotelgruppe Hyatt zieht ihren Gewinnausblick für das laufende Jahr infolge der Einbußen durch den Ausbruch zurück. Das Unternehmen hatte zuvor einen bereinigten Gewinn für 2020 zwischen 760 und 780 Millionen Dollar prognostiziert. "Dies ist eine sich stetig verändernde Situation, und unsere Fähigkeit, die finanziellen Auswirkungen von Covid-19 auf unser Geschäft zu bewerten, ist nach wie vor begrenzt", sagt Firmenchef Mark Hoplamazian. Auch Hyatt-Rivale Marriott warnte letzte Woche, dass der Virus seine Ergebnisse für das Gesamtjahr erheblich beeinträchtigen könnte.

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jok/dpa/Reuters
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