Covid-19 Hamburg startet Studie zu neuem Antikörpertest

Die Uniklinik in Hamburg will einen Antikörpertest prüfen, der bereits überstandene Infektionen nachweisen soll. Er könnte helfen, die Verbreitung von Covid-19 in der breiten Bevölkerung zu erfassen.
In Blutproben können Antikörper gegen das Coronavirus nachgewiesen werden

In Blutproben können Antikörper gegen das Coronavirus nachgewiesen werden

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YakobchukOlena/ iStockphoto/ Getty Images

Das Universitätsklinikum Eppendorf (UKE) in Hamburg will ab Freitag einen neuen Test einsetzen, der Antikörper gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 nachweisen soll. Das berichtet die "Zeit" in ihrer aktuellen Ausgabe (Donnerstag). "Damit kann man überstandene Infektionen nachweisen", sagt Marylyn Addo, Leiterin der Infektiologie am UKE, dem Blatt zufolge.

Der Test wurde dem Bericht nach vom UKE zusammen mit einer Pharmafirma entwickelt. Er untersucht das Blut auf Antikörper gegen das Virus und kann somit nachweisen, wer einmal infiziert war - selbst wenn derjenige gar nichts davon weiß. Damit ließen sich bisher unentdeckte Fälle in der Bevölkerung auffinden. "So wird unterscheidbar, wer durch die kursierenden Erreger noch in Gefahr und wer schon immun ist", sagte Addo demnach. Ob und wie lange nach einer Infektion mit Sars-CoV-2 eine Immunität besteht, ist derzeit noch nicht ausreichend untersucht. Auch bei der Beantwortung dieser Fragen könnte ein solcher Test helfen.

Als Nachweis für eine akute Infektion ist ein Antikörpertest nicht geeignet, da sich die Antikörper erst nach einiger Zeit im Blut bilden. Dann ist der Patient jedoch schon längst ansteckend. Daher wird das wichtigste Testverfahren weiterhin der PCR-Test bleiben, bei dem ein Rachenabstrich auf die Erbinformation von Sars-CoV-2 untersucht wird. Die Testkapazitäten in Deutschland reichen jedoch bei Weitem nicht aus, um die gesamte Bevölkerung durchzutesten. Um die Ressourcen gezielt einzusetzen, hat das Robert Koch-Institut (RKI) Empfehlungen für Ärzte erstellt, wen sie testen sollen und wen eher nicht (Mehr dazu lesen Sie hier).

Die Hamburger sind nicht die Ersten, die einen Antikörpertest entwickelt haben. Auch US-Forscher haben offenbar einen zuverlässigen Test entwickelt, der Sars-CoV-2 im Blut nachweisen kann. In einem vorab veröffentlichten Preprint  heißt es, der Test könne dazu genutzt werden, die Ausbreitung von Covid-19 in der Bevölkerung zu erfassen. Weiterhin könne die Testung von medizinischem Personal helfen, solche Mitarbeiter für die Betreuung von Covid-19-Personen einzuspannen, die selbst bereits eine Immunität gegen das Virus ausgebildet hätten. Das Paper wurde noch nicht von Experten gegengeprüft.

Coronavirus, Covid-19, Sars-CoV-2? Was die Bezeichnungen bedeuten.

Coronavirus: Coronaviren sind eine Virusfamilie, zu der auch das derzeit weltweit grassierende Virus Sars-CoV-2 gehört. Da es anfangs keinen Namen trug, sprach man in den ersten Wochen vom "neuartigen Coronavirus".

Sars-CoV-2: Die WHO gab dem neuartigen Coronavirus den Namen "Sars-CoV-2" ("Severe Acute Respiratory Syndrome"-Coronavirus-2). Mit der Bezeichnung ist das Virus gemeint, das Symptome verursachen kann, aber nicht muss.

Covid-19: Die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Atemwegskrankheit wurde "Covid-19" (Coronavirus-Disease-2019) genannt. Covid-19-Patienten sind dementsprechend Menschen, die das Virus Sars-CoV-2 in sich tragen und Symptome zeigen.

In Hamburg gibt es laut RKI  derzeit 1262 bestätigte Covid-19-Fälle. Mit einer Inzidenz von 68,9 Infizierten pro 100.000 Einwohner hat die Hansestadt derzeit die höchste Rate an Neuerkrankungen von allen Bundesländern. Der Leiter der Krankenhaushygiene am UKE, Johannes Knobloch, bestätigte auf einer Pressekonferenz am Mittwoch, dass der Test am UKE angekommen sei. Er müsse nun noch validiert - also auf seine Wirksamkeit geprüft - werden. Ende der Woche werde man voraussichtlich mehr dazu sagen können, wie genau der Test eingesetzt werde.

Der Direktor der Intensivmedizin am UKE, Stefan Kluge, sieht seine Klinik für die Welle an Schwerkranken, die er im April erwartet, gut gerüstet. "Wir sind gut aufgestellt, wir haben mehr Intensivbetten als andere europäische Länder, wir haben auch mehr Personal", sagte er am Mittwoch auf einer Pressekonferenz. Ein großer Vorteil sei, dass Deutschland die Covid-19-Fälle sehr früh erkannt habe und nicht von ihnen überrascht wurde - wie etwa Italien, wo der Ausbruch der Epidemie quasi erst auffiel, als es die ersten Toten gab.

"Haben Sorge, was auf uns zukommt"

"Trotzdem müssen wir am UKE zusätzlich Intensivbetten aufbauen", sagte Kluge. "Denn die meisten Patienten müssen beatmet werden, wenn sie mit Covid-19 auf die Intensivstationen kommen." Man könne die Zahl der Intensivbetten auf 166 erhöhen. Derzeit sei das UKE noch nicht ausgelastet. "Wir haben zehn Covid-19-Patienten auf der Intensivstation und 22 Patienten in der Infektiologie", so Kluge. "So langsam gibt es Zuwachs, wir gehen aber von noch sehr viel höheren Zahlen aus." Die Stimmung in seiner Klinik sei angespannt, aber gut. "Natürlich haben wir Sorge, was auf uns zukommt", sagte Kluge. "Aber wir erleben auch eine tolle Verbundenheit."

Die hohen Fallzahlen in Hamburg sind Knobloch zufolge unter anderem darauf zurückzuführen, dass die Social-Distancing-Maßnahmen eingeführt wurden, als in Hamburg die Frühjahrsschulferien gerade zu Ende waren. Ein Großteil der Infizierten in Hamburg seien Urlaubsrückkehrer.

kry
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