Schulbeginn in Mecklenburg-Vorpommern Schüler und Lehrer in einem Raum - kann das gut gehen?

Seit Montag gehen Schüler in Mecklenburg-Vorpommern wieder regulär zum Unterricht, weitere Bundesländer folgen bald. Dabei ist die Rolle der Kinder in der Pandemie noch immer unklar. Der Überblick.
Schulbeginn in Mecklenburg-Vorpommern: Ab jetzt ist wieder Regelbetrieb

Schulbeginn in Mecklenburg-Vorpommern: Ab jetzt ist wieder Regelbetrieb

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Jens Büttner/ dpa

In Mecklenburg-Vorpommern, auf den Halligen und mehreren anderen Inseln in Schleswig-Holstein hat am Montag das neue Schuljahr begonnen. Am Donnerstag geht in Hamburg die Schule wieder los, in der Woche darauf folgen Berlin, Brandenburg, Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen.

Es ist das erste Mal seit den Schulschließungen durch Corona, dass sich Schüler und Lehrer wieder regulär im gleichen Raum aufhalten - je nach Bundesland innerhalb fester Gruppen teils auch ohne Mindestabstand und Schutzmasken. Dabei wurden die Schulen in der ersten Corona-Welle nicht ohne Grund geschlossen.

Was haben Forscher seither über die Übertragungswege des Virus gelernt? Welche Rolle spielen Schulkinder in der Corona-Pandemie? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Stecken sich Kinder seltener mit dem neuen Coronavirus an?

Die Frage ist noch nicht abschließend geklärt. Die meisten Studien deuten aber darauf hin, dass Kinder ein geringeres Risiko haben, sich zu infizieren. Ein Grund dafür könnte sein, dass der Rezeptor, über den das neue Coronavirus in den Körper eindringt, bei ihnen in geringeren Mengen vorkommt.

Laut einer Untersuchung von 2500 Eltern-Kind-Paaren in Baden-Württemberg hatten Kinder beispielsweise deutlich seltener Antikörper gegen das Virus im Blut als ihre Eltern. Allerdings hatte der Nachwuchs zuletzt auch weniger Gelegenheit, sich anzustecken.

Coronavirus, Covid-19, Sars-CoV-2? Was die Bezeichnungen bedeuten.

Coronavirus: Coronaviren sind eine Virusfamilie, zu der auch das derzeit weltweit grassierende Virus Sars-CoV-2 gehört. Da es anfangs keinen Namen trug, sprach man in den ersten Wochen vom "neuartigen Coronavirus".

Sars-CoV-2: Die WHO gab dem neuartigen Coronavirus den Namen "Sars-CoV-2" ("Severe Acute Respiratory Syndrome"-Coronavirus-2). Mit der Bezeichnung ist das Virus gemeint, das Symptome verursachen kann, aber nicht muss.

Covid-19: Die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Atemwegskrankheit wurde "Covid-19" (Coronavirus-Disease-2019) genannt. Covid-19-Patienten sind dementsprechend Menschen, die das Virus Sars-CoV-2 in sich tragen und Symptome zeigen.

"Da die Studien meist während oder im Anschluss an Kontaktbeschränkungen beziehungsweise Lockdown-Situationen durchgeführt wurden, ist die Übertragbarkeit auf den Alltag begrenzt", schreibt das RKI.

Erste Ergebnisse einer Studie mit 2436 Kindern und Jugendlichen aus Hamburg legen nahe, dass das Infektionsrisiko mit der sozialen Reichweite der Kinder steigt. So lag der Altersdurchschnitt der Kinder und Jugendlichen, bei denen keine Antikörper gegen das neue Virus gefunden worden waren, bei 7,9 Jahren. Die Gruppe der Probanden, die Antikörper im Blut hatten, war im Mittel 9,7 Jahre alt.

Geben Kinder das Virus besonders häufig weiter?

Im Zusammenhang mit vielen Atemwegserkrankungen gelten Kinder als Treiber einer Ausbreitung. Beim Coronavirus war das bislang nicht der Fall. Allerdings ist auch dieser Zusammenhang noch nicht abschließend verstanden - der Grund ist auch hier, dass Kinder bislang kaum Gelegenheit hatten, sich zu infizieren und andere anzustecken.

Studien zum Thema kommen zu sehr unterschiedlichen Ergebnissen. Virologen haben etwa festgestellt, dass infizierte Kinder ähnlich viele Viren im Rachen tragen wie Erwachsene. Das könnte darauf hindeuten, dass sie ähnlich ansteckend sind. Untersuchungen von Infektionsketten in Haushalten zeigen allerdings nur in Einzelfällen, dass Kinder und Jugendliche andere ähnlich häufig  oder sogar häufiger  anstecken als Erwachsene.

"Die bisherigen Studien zeigen, dass Kinder meist von Erwachsenen infiziert werden", schreibt das RKI. Ob das an mangelnden Gelegenheiten lag oder daran, dass Kinder insgesamt weniger ansteckend sind, bleibt offen. "Die Infektiösität im Kindesalter wurde bisher selten untersucht und kann daher nicht abschließend bewertet werden."

Woran erkennt man ein infiziertes Kind?

Laut Robert Koch-Institut (RKI) macht sich das Coronavirus auch bei Kindern in 72 bis 96 Prozent der Fälle  bemerkbar. Allerdings verlaufen die Infektionen im Mittel milder als die von Erwachsenden und die Symptome sind noch öfter nicht eindeutig dem Virus zuzuordnen.

So gehören Husten und Fieber zwar auch bei Kindern zu den häufigsten Symptomen. Magen-Darm-Probleme, etwa Durchfall, sind bei jungen Infizierten aber häufiger als bei Erwachsenen und treten auch ohne Husten und Fieber auf. Lungenentzündungen bekommen Kinder nur sehr selten.

Dreht man die RKI-Zahlen um, entwickeln zudem vier bis 28 Prozent der Kinder gar keine Beschwerden. Damit besteht das Risiko, dass eine Infektion nicht auffällt und die Kinder das Virus unbemerkt weitergeben, etwa an Lehrer, Eltern oder Großeltern.

Auch Erwachsene können ansteckend sein, ohne klare Symptome entwickelt zu haben . Deshalb gelten für sie weiter Abstandsregeln und die Maskenpflicht im Supermarkt, im öffentlichen Nahverkehr und der Bahn.

Wie gefährlich ist Sars-CoV-2 für Kinder?

"Die Mehrzahl der Kinder zeigt nach bisherigen Studien einen eher milden und unspezifischen Krankheitsverlauf", schreibt das RKI. Das gilt insbesondere für schulpflichtige Kinder. Laut der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI)  sind unter den wenigen wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelten Kindern oft Säuglinge und Neugeborene. Sie werden möglicherweise öfter vorsorglich auf Station beobachtet.

Ungefähr ein Viertel der im Krankenhaus behandelten, infizierten Kinder hatte Vorerkrankungen. Vor allem Probleme mit der Lunge oder dem Herzen erhöhen demnach das Risiko. Dass Kinder auf der Intensivstation behandelt und beatmet werden müssen, sei aber selten, so das RKI.

Sorgen bereiteten Eltern und Fachleuten auch Berichte über vereinzelt auftretende Komplikationen bei infizierten Kindern. Die Rede ist von einem Hyperinflammationssyndrom, ähnlich dem sogenannten Kawasaki-Syndrom. Dabei reagiert der Körper mit einer heftigen Entzündung auf eine Infektion, die Folge ist sehr hohes, anhaltendes Fieber.

Allerdings verweisen Kinderärzte und das RKI darauf, dass das Risiko gering sei, das Phänomen auch im Zusammenhang mit anderen Infektionskrankheiten vorkomme und meist sehr gut überstanden werde.

Wie wird das Virus übertragen?

Zunächst sind Forscher davon ausgegangen, dass Sars-CoV-2 vor allem über Tröpfchen weitergegeben wird - also etwa beim Niesen. Schon Kleinkinder in der Krippe lernen deshalb, sich in die Armbeuge zu niesen, sodass ein Großteil der Partikel auf der eigenen Haut landet. Außerdem gilt es, Abstand zu halten.

Inzwischen ist ein weiterer Hauptübertragungsweg bekannt, der die Eindämmung des Virus erschwert: Aerosole. Das sind winzige Flüssigkeitspartikel, die wir unbewusst beim Atmen ausstoßen. Bekannt sind sie jedem, der schon mal mit fünf Mann in einem kleinen, parkenden Auto saß und irgendwann nicht mehr durch die Scheibe schauen konnte, weil sie beschlagen war.

Bevor sich die Partikel in größeren Räumen irgendwo niederlassen oder davongetragen werden, stehen sie eine ganze Weile in der Luft. Insbesondere in Innenräumen mit verschlossenen Türen und Fenstern - wie einem Klassenzimmer - sammeln sie sich an, wenn ein Infizierter im Raum ist. Damit steigt das Infektionsrisiko für alle übrigen Menschen.

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