Coronavirus US-Behörde bringt Blitz-Zulassung von Impfstoff ins Spiel

Der US-Präsident hofft noch vor der Wahl im November auf einen Impfstoff gegen Corona. Nun hat sich die zuständige Arzneimittelaufsicht zu einer beschleunigten Freigabe geäußert.
Stephen Hahn (am 23. August mit Donald Trump): Ausdrücklich keine "politische Entscheidung"

Stephen Hahn (am 23. August mit Donald Trump): Ausdrücklich keine "politische Entscheidung"

Foto: SAUL LOEB / AFP

Weltweit läuft das Rennen um eine möglichst rasche Entwicklung eines Impfstoffs gegen das Coronavirus. Neben der medizinischen Seite gibt es aber auch ganz handfeste politische Kalkulationen, wann und wo ein Impfstoff als Erstes eingesetzt werden könnte. Vor allem der Mann im Weißen Haus könnte in der heißen Phase des Wahlkampfs dringend positive Entwicklungen an der Virusfront gebrauchen.

Die US-Arzneimittelaufsichtsbehörde FDA hat nun die Zulassung eines Impfstoffs in den Vereinigten Staaten noch vor Abschluss der dritten und finalen Testphase als denkbar bezeichnet.

Der Antrag auf Zulassung noch vor Ende der Tests müsse vom Hersteller kommen, sagte FDA-Chef Stephen Hahn der Zeitung "Financial Times"  in einem am Sonntag veröffentlichten Interview.

Seine Behörde würde dann aufgrund der vorliegenden wissenschaftlichen und medizinischen Erkenntnisse und Daten darüber entscheiden, ob der Antrag "angemessen" sei oder nicht, führte der Behördenleiter aus. Er betonte, dass es sich dabei nicht um eine "politische Entscheidung" handeln würde.

Hahn wehrte sich damit gegen Spekulationen, seine Behörde stehe unter massivem Druck von Präsident Donald Trump, einen Corona-Impfstoff möglichst rasch zuzulassen. Trump hat gesagt, ein Serum werde möglicherweise schon vor der Präsidentschaftswahl am 3. November zur Verfügung stehen.

Immer wieder Vorwürfe gegen den Chef der Behörde

Dem FDA-Chef wird von Medizinern vorgeworfen, sich im Umgang mit der Pandemie bereits wiederholt Druck aus dem Weißen Haus gebeugt zu haben. So setzte es Kritik an der Entscheidung der FDA vom März, das Malariamittel Hydroxychloroquin für die Behandlung von Coronavirus-Patienten zuzulassen. Trump hatte wiederholt für das Mittel geworben - und es nach eigenen Angaben auch selbst eingenommen.

Hydroxychloroquin wird von Trump als Mittel gegen die von dem Virus ausgelöste Lungenkrankheit Covid-19 beworben. Die FDA zog die Zulassung im Juni wieder zurück, nachdem starke Nebenwirkungen von Hydroxychloroquin bei Covid-19-Patienten aufgetreten waren.

In die Kritik geriet Hahn außerdem wegen seiner optimistischen Bewertung des Einsatzes von Blutplasma bei der Behandlung von Covid-19-Patienten. Nach Angaben von Experten stellte der FDA-Chef in einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Trump die Wirksamkeit des von genesenen Covid-19-Patienten stammenden Plasmas stark übertrieben dar.

Drei Firmen stecken in der finalen Phase der Entwicklung

Hahn sagte nun, die denkbare beschleunigte Zulassung eines Corona-Impfstoffs noch vor Abschluss aller Tests könne möglicherweise zunächst nur für Menschen gelten, bei denen das Risiko eines besonders gefährlichen Krankheitsverlaufs bestehe.

Drei westliche Unternehmen befinden sich bei der Entwicklung eines Corona-Serums inzwischen in der dritten und finalen Phase. Dies sind der internationale Pharmakonzern AstraZeneca, das US-Unternehmen Moderna und eine Allianz des US-Konzerns Pfizer und der deutschen Firma Biontech.

In Russland war ein Corona-Impfstoff bereits vor drei Wochen zugelassen worden - noch vor Abschluss der finalen Testphase. Es handelt sich um das weltweit erste amtlich zugelassene Serum gegen den neuartigen Erreger. Westliche Wissenschaftler haben allerdings Zweifel an der Entwicklungsgeschwindigkeit ihrer russischen Kollegen angemeldet und ihnen mangelnde Transparenz vorgeworfen.

jok/AFP
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