Coronavirus US-Pharmakonzern Johnson & Johnson unterbricht Impfstoffstudie

Nach AstraZeneca musste nun der zweite Pharmakonzern seine Coronavirus-Impfstudie wegen einer Krankheit eines Probanden unterbrechen.
Der Imfpstoffkandidat von Johnson & Johnson ist ein sogenannter Vektorimpfstoff

Der Imfpstoffkandidat von Johnson & Johnson ist ein sogenannter Vektorimpfstoff

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Cheryl Gerber / AP

Der US-Pharmakonzern Johnson & Johnson hat seine Studie für einen Corona-Impfstoff wegen einer ungeklärten Erkrankung eines Probanden vorübergehend unterbrochen. Das teilte das Unternehmen am Montag mit. Die Erkrankung des Studienteilnehmers werde nun von einer unabhängigen Expertengruppe und von internen Ärzten geprüft und bewertet. Weitere Informationen zu dem erkrankten Probanden gab es zunächst unter Hinweis auf seine Privatsphäre nicht.

Johnson & Johnson teilte zudem mit, es sei nicht immer sofort ersichtlich, ob ein Teilnehmer den Impfstoff oder ein Placebo erhalten habe. "Unerwünschte Ereignisse" wie Krankheiten oder Unfälle seien zu erwartende Bestandteile jeder klinischen Studie. Bei einer Studie dieser Größe sei eine Unterbrechung nicht überraschend, sagte laut dem Magazin "Statnews"  eine Person, die mit der Studie vertraut ist.

Studie im September gestartet

Am 23. September hatte das Unternehmen die letzte und entscheidende Phase der klinischen Tests gestartet. In einer sogenannten Phase-III-Studie mit bis zu 60.000 Freiwilligen auf drei Kontinenten sollten Sicherheit und Wirksamkeit des Impfstoffkandidaten namens JNJ-78436735 überprüft werden. Die Besonderheit des Mittels ist, dass nur eine Dosis ausreichend Schutz bieten soll. Das Unternehmen hoffte, dass Anfang 2021 die ersten Dosen des Impfstoffs "für den Notfallgebrauch" zur Verfügung stehen.

JNJ-78436735, auch bekannt als Ad26.COV2.S, ist ein Vektorimpfstoff: Einem für Menschen harmlosen Virus wurde Erbgut-Information für ein Protein des neuartigen Coronavirus hinzugefügt. So soll das Immunsystem lernen, Antikörper gegen dieses Protein zu bilden, wie es sonst während einer Coronavirus-Infektion passiert.

Klinische Prüfung der Impfstoffentwicklung in drei Phasen

Bis ein Impfstoff zugelassen wird, muss er in drei Phasen klinisch geprüft werden. Damit das Paul-Ehrlich-Institut einen potenziellen Impfstoff für eine klinische Studie am Menschen zulässt, muss ein Hersteller zunächst Daten vorlegen, dass der Stoff bereits ausreichend präklinisch getestet wurde – etwa in Tierversuchen.

Phase I: Der Impfstoff wird einer kleinen Gruppe von freiwilligen Gesunden verabreicht. Es wird beobachtet, ob das Mittel den Zielbereich im Körper erreicht und dabei keine akuten Nebenwirkungen auftreten.

Phase II: Erst wenn die Phase I erfolgreich war, kann der Impfstoff in Phase II einer größeren Teilnehmerzahl verabreicht werden, die der Risikogruppe entstammen. Im Fall von Covid-19 wären das ältere Personen oder Menschen mit Vorerkrankungen. In dieser Phase werden die Wirksamkeit des Impfstoffs bei der Verhinderung der Krankheit und die geeignete Dosierung getestet.

Phase III: Danach kann der Impfstoff an einer repräsentativen Gruppe von Freiwilligen getestet werden – bis zu 10.000 Probanden werden dabei geimpft. In Phase III werden die Wirksamkeit, die Sicherheit sowie die Dosierung der Impfung bestätigt. Unerwünschte Ereignisse, wie etwa ein besonders schwerer Krankheitsverlauf durch die Gabe des Impfstoffs, können ausgeschlossen werden.

An Impfstoffen gegen den neuartigen Erreger wird intensiv geforscht. Neben J&J befinden sich noch mehrere andere Unternehmen in der letzten Testphase. Mitte September musste AstraZeneca seine Impfstoffstudie kurz aussetzen, nachdem eine Probandin erkrankt war. Die Studie lief nach wenigen Tagen weiter.

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Die EU-Kommission hatte sich vergangene Woche Bezugsrechte für einen künftigen Impfstoff von Johnson & Johnson gesichert: Mit der belgischen Tochter des US-Unternehmens schloss die EU-Behörde Verträge über die mögliche Lieferung von Impfstoff für 200 Millionen Menschen. Vorgesehen ist zudem eine Option für weitere 200 Millionen Personen. Bei Impfstoffen, die derzeit noch entwickelt werden, hatte die Kommission schon ähnliche Verträge mit AstraZeneca und Sanofi-GSK geschlossen, die ebenfalls Impfstoffkandidaten testen. Bisher ist aber noch keines dieser Mittel zugelassen.

kry/wbr/dpa/AFP
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