Virenschutz USA melden mehr Vergiftungen mit Desinfektionsmittel

Viele Menschen benutzen Desinfektionsmittel als Schutz gegen das Coronavirus - machen dabei aber häufig Fehler.
Apotheke in München: In vielen Regionen ist Desinfektionsmittel knapp geworden

Apotheke in München: In vielen Regionen ist Desinfektionsmittel knapp geworden

Foto: Sven Hoppe/ dpa

In den USA haben seit Beginn der Coronakrise deutlich mehr Menschen Hilfe bei Notzentralen gesucht, weil sie sich mit Desinfektions- und Reinigungsmitteln vergiftet hatten. Besonders Kinder waren betroffen, berichtet die US-Seuchenschutzbehörde CDC .

In einem Fall musste eine Vorschülerin ins Krankenhaus gebracht werden, nachdem sie - unbemerkt von den Eltern - aus einer Flasche Desinfektionsmittel getrunken hatte. Dem Mädchen wurde schwindelig und es stürzte, berichtete die Familie später. Im Krankenhaus wurde ein hoher Alkoholwert im Blut des Kindes festgestellt. Das Mädchen musste eine Nacht auf der Intensivstation behandelt werden. Nach zwei Tagen konnte es das Krankenhaus wieder verlassen.

In einem weiteren Fall versuchte eine erwachsene Frau ihre Lebensmittel mit einer Bleichlösung zu reinigen, die sie selbst zusammengemischt hatte. Daraufhin breitete sich ein chlorartiger Geruch in der Küche aus. Die Frau bekam Atemprobleme, Husten und musste im Krankenhaus behandelt werden.

Laut der US-Behörde CDC ist nicht klar, ob tatsächlich die Coronakrise zu der steigenden Zahl an Vergiftungen geführt hat, allerdings sei der zeitliche Zusammenhang auffällig. Demnach gab es allein von Januar bis März 45.550 gemeldete Notfälle mit Desinfektions- und Reinigungsmittel - einen Anstieg um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Der größte Anstieg bei den Vergiftungen geht auf unbeabsichtigtes Einatmen von Dämpfen zurück.

Die US-Seuchenschutzbehörde empfiehlt im Umgang mit Putzmitteln deshalb:

  • nur entsprechend der Aufdrucke verwenden,

  • keine Chemikalien mixen,

  • Schutzhandschuhe tragen,

  • nur in gut belüfteten Räumen benutzen,

  • außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.

Das Robert Koch-Institut hat eine Liste mit Desinfektionsmitteln  herausgegeben, die gegen das Coronavirus wirksam sind. Entscheidend ist, dass diese behüllte Viren bekämpfen. In diesen Fällen steht auf der Verpackung "viruzid", "begrenzt viruzid" oder "begrenzt viruzid plus". Für die richtige Anwendung muss die komplette Hand mit Desinfektionsmittel benetzt sein. Danach müssen die Hände an der Luft trocknen.

Allerdings ist Desinfektionsmittel vielerorts nur schwer zubekommen. Im Alltag genügt im Regelfall das gründliche Händewaschen mit Seife, da Seife die Fettschicht der Viren angreift und diese dadurch unschädlich machen kann. Keinesfalls sollten Desinfektionsmittel eingeatmet oder getrunken werden.

Das Coronavirus wird vor allem über Tröpfchen übertragen. Eine Infektion über kontaminierte Flächen ist theoretisch denkbar, aber bisher nicht sicher nachgewiesen. Im Alltag schützt Abstandhalten deshalb wahrscheinlich zuverlässiger vor einer Infektion als desinfizierendes Putzmittel.

koe
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