Coronavirus Viele Intensivstationen arbeiten in eingeschränktem Betrieb

Der Ausfall von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern während der Corona-Sommerwelle macht Krankenhäusern zu schaffen. Auch in der Wirtschaft bereiten pandemiebedingte Personalengpässe Sorgen.
Eine Pflegekraft auf einer Intensivstation (Symbolbild)

Eine Pflegekraft auf einer Intensivstation (Symbolbild)

Foto: Jens Schlueter / Getty Images

Steigende Coronazahlen und hoher Krankenstand belasten den Betrieb der Intensivstationen in deutschen Kliniken. »Vor allem die hohe Zahl erkrankter Mitarbeiter macht uns deshalb gerade im Gesundheitssystem zu schaffen – zudem einige auch endlich noch ihren verdienten Urlaub antreten, um mit neuer Kraft in die Wintermonate zu starten«, sagte der Präsident der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (Divi), Gernot Marx, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

55 Prozent der Intensivstationen – 736 an der Zahl – arbeiteten derzeit im eingeschränkten oder teilweise eingeschränkten Betrieb. »Das ist leider schon eine sehr hohe Zahl, die wir sonst nur in den kälteren Jahreszeiten und einer höheren Covid-Belastung gesehen haben«, sagte Marx.

Weniger Intensivbetten stehen zur Verfügung

Die Angaben zu der Situation auf den Intensivstationen basieren auf Einschätzungen des dortigen Personals. Gibt eine Klinik den Betrieb mit »teilweise eingeschränkt« an – derzeit 23 Prozent –, bedeutet das, dass der reguläre Betrieb gerade noch möglich ist, aber nur, weil dafür beispielsweise einige Operationen abgesagt werden müssen, sagte eine Divi-Sprecherin. Wird die Betriebssituation mit »eingeschränkt« angegeben (derzeit 32 Prozent), ist der reguläre Betrieb demnach nicht mehr möglich.

Intensivmedizinisch behandelt werden nach dem Divi-Tagesreport vom Samstag  1053 Patientinnen und Patienten mit Covid-19, das sind 19 weniger als am Tag zuvor. Nach Angaben von Marx sind es derzeit etwa doppelt so viele wie zur gleichen Zeit im vergangenen Jahr und knapp viermal so viele wie 2020. Zugleich stünden vor allem wegen Personalmangels fast 2000 Intensivbetten weniger zur Verfügung als im vergangenen Jahr.

Zwar sei die Versorgung der lebensbedrohlich erkrankten Patienten und Notfallpatientinnen und -patienten überall gesichert. »Aber in den Krankenhäusern werden schon wieder zahlreiche Operationen verschoben und Personal muss umgesetzt werden«, sagte Marx.

Das Robert Koch-Institut (RKI) gab die bundesweite Sieben-Tage-Inzidenz am Samstagmorgen mit 700,3 an. Am Vortag hatte der Wert der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche bei 699,5 gelegen, im Vormonat bei 276,9. Allerdings liefert die Inzidenz kein vollständiges Bild der Infektionslage. Expertinnen und Experten gehen von sehr vielen nicht erfassten Fällen aus – wegen Nachmeldungen, Übermittlungsproblemen und weil nicht alle Infizierten einen PCR-Test machen lassen, mit dem sie statistisch erfasst werden.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht die steigenden Corona-Infektionszahlen auch als große Belastung für die Wirtschaft. »Coronabedingte Personalengpässe sind für viele Unternehmen eine Herausforderung – erst recht bei ohnehin schon bestehendem Fachkräftemangel«, sagte DIHK-Präsident Peter Adrian dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. »Aufträge müssen abgelehnt werden oder ziehen sich in die Länge wie etwa beim Bau.«

Mit Blick auf den Herbst sagte Adrian: »Bei Isolations- und Quarantäneregeln müssen auch die Folgen für den Ausfall von Beschäftigten und damit die Arbeitsfähigkeit in der Wirtschaft immer mitbedacht werden.« Für das Funktionieren des Alltags seien »nicht nur das Gesundheitswesen und die staatliche Infrastruktur, sondern weite Bereiche der Wirtschaft« kritisch.

Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) verteidigte derweil die aktuelle Coronapolitik der Regierung. Viele Bürger fragten sich, ob jetzt eine Durchseuchung durch die Hintertür komme, schrieb der Minister am Samstag im Kurznachrichtendienst Twitter . »Nein«, versicherte er – der von ihm im Juni vorgestellte Siebenpunkteplan zur Vorbereitung auf den Herbst laufe schon an. Dazu gehöre unter anderem »ein für alle Infektionsstufen ausreichendes Infektionsschutzgesetz«.

mar/dpa
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