Was über schwere Fälle von Covid-19 bekannt ist Angriff auf die Lunge

Bei den meisten Menschen bleibt eine Infektion mit dem Coronavirus ohne schwerwiegende Folgen, andere sterben daran: Welche Faktoren spielen eine Rolle?
In Italien musste jeder zehnte positiv Getestete künstlich beatmet werden

In Italien musste jeder zehnte positiv Getestete künstlich beatmet werden

Foto: Foto: Claudio Furlan/LaPresse/AP/dpa

Als eine 47-jährige Frau im australischen Melbourne ins Krankenhaus kam, fühlte sie sich fiebrig und abgeschlagen. Sie litt unter Halsschmerzen, bekam schwer Luft und hustete. Ihre Lunge rasselte beim Atmen, berichten Ärzte im Fachblatt "Nature Medicine" . Die Frau gehörte zu den ersten Patienten in Australien, die sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert hatten. Elf Tage bevor sie ins Krankenhaus kam, war sie im chinesischen Wuhan.

Die behandelnden Ärzte haben untersucht, wie sich ihr Körper gegen die Infektion wehrte. Sieben Tage nachdem sie ins Krankenhaus kam, konnten sie in ihrem Blut Antikörper nachweisen, die verhindern, dass das Virus in Körperzellen eindringen kann. Zudem stieg der Anteil weißer Blutkörperchen, die Zellen zerstören, in denen sich der Erreger vermehrt.

Die Frau erholte sich, ohne dass sie zusätzlich mit Sauerstoff oder antiviralen Medikamenten versorgt werden musste. Die behandelnden Ärzte schlussfolgerten, dass das menschliche Immunsystem mit dem Erreger in der Regel gut zurechtkommt.

Lungenentzündung ohne Atemnot gilt als moderater Fall

Der Fall der Frau zeigt beispielhaft, wie eine Covid-19-Erkrankung mit milden bis moderaten Symptomen verlaufen kann. In China, wo das Virus erstmals aufgetreten war, zählten vier von fünf der bekannten Infektionen in diese Kategorie:

  • Dazu gehörten auch Fälle, die im Krankenhaus behandelt wurden und bei denen es zu einer Lungenentzündung kam.

  • 14 Prozent der dokumentierten Fälle verliefen schwer, aber nicht lebensbedrohlich. Das heißt, die Betroffenen bekamen beispielsweise Atemnot, und ihre Sauerstoffsättigung sank.

  • Für sechs Prozent der Patienten bedeutete Covid-19 Lebensgefahr, weil es zu Lungenversagen, multiplem Organversagen oder einem septischen Schock kam. In anderen Ländern lag dieser Anteil niedriger, möglicherweise weil in China vor allem schwere Fälle dokumentiert wurden.

Wie lässt sich der unterschiedliche Verlauf erklären? Bei vielen Patienten beschränkt sich die Infektion auf den Rachenbereich und wird erfolgreich vom Immunsystem abgewehrt, ehe sie die unteren Atemwege erreicht. Gelangt das Virus jedoch in die Lunge, kann es dort eine Entzündung auslösen.

Wenn der Erreger an Körperzellen andockt und sein eigenes Erbgut einschleust, programmiert er diese um. Sie produzieren Millionen Kopien des Virengenoms und platzen irgendwann auf. Die Viren können sich weiter im Körper verbreiten und weitere Zellen angreifen.

Gelingt es dem Immunsystem nicht, diesen Prozess aufzuhalten, können gerade in der Lunge schwere Schäden entstehen, die die Sauerstoffversorgung beeinträchtigen. In Italien mussten zehn Prozent aller positiv getesteten Patienten auf Intensivstationen maschinell beatmet werden.

Symptome von Covid-19

Doch auch das eigene Immunsystem kann zur Gefahr werden. Entzündungen sind keine direkte Folge der Virusinfektion, sondern der Versuch des Körpers, den Erreger wieder loszuwerden. Reagiert das Immunsystem über, kann es gesunde Zellen angreifen, die nicht von Viren befallen sind.

Bekommen Patienten Atemnot und atmen öfter als 30 Mal in der Minute ein und aus, sind sie laut den in Deutschland geltenden Behandlungsempfehlungen  ein Fall für die Intensivstation. Bei einem schweren Verlauf kommt es zum Lungenversagen. Die Betroffenen müssen künstlich beatmet werden.

In der jetzigen Lage sind Kliniken bundesweit aufgefordert, die Anzahl der Versorgungsplätze an eine zentrale Datenbank zu melden.

Im schlimmsten Fall muss eine Maschine, bekannt als Ecmo, das Atmen übernehmen. Dabei wird das Blut außerhalb des Körpers mit Sauerstoff angereichert und dann zurückgeleitet. Sie kommt jedoch erst dann zum Einsatz, wenn alle anderen Therapiemöglichkeiten ausgeschöpft sind.

Infektionen können auch bei gesunden und jungen Patienten einen schweren Verlauf nehmen. Das Risiko steigt jedoch:

Weil vor allem ältere Patienten mit Vorerkrankungen an den Folgen der Infektion sterben, gab es Kritik, die Letalitätsrate - also der Anteil der Infizierten, die nicht überleben -, könne maßlos überschätzt werden, weil die Todesursache nicht nur Covid-19, sondern ebenso gut eine der Vorerkrankungen gewesen sein könnte.

In einer Untersuchung  von 191 schweren Infektionen aus dem chinesischen Wuhan litt jedoch der größte Teil der Verstorbenen unter Bluthochdruck und Diabetes, die in den meisten Fällen nicht unmittelbar tödlich sind. Laut Schätzungen leidet in Deutschland fast jeder Dritte an Bluthochdruck.

"Insofern ist es hoch wahrscheinlich, dass die Lungenentzündung verursacht durch das Sars-CoV-2-Virus tatsächlich die Todesursache in den meisten Fällen war", sagt Gerd Fätkenheuer, Infektiologe an der Uniklinik Köln. Solche schweren Krankheitsverläufe können zum Teil schnell gehen. In Italien vergingen zwischen dem Auftreten erster Symptome und dem Eintritt des Todes im Schnitt acht Tage.

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