Vorfall mit Mutante Was die 14 Corona-Infektionen im Heim für den Impfschutz bedeuten

In einem Alten- und Pflegeheim in Belm wurden 14 Bewohner positiv auf die Coronavirus-Linie aus Großbritannien getestet – obwohl sie geimpft waren. Wie kann das sein?
Altenheim in Hannover (Symbolbild): Inwiefern Impfstoffe auch Infektionen verhindern, ist noch nicht geklärt

Altenheim in Hannover (Symbolbild): Inwiefern Impfstoffe auch Infektionen verhindern, ist noch nicht geklärt

Foto: Rainer Droese / localpic / imago images

Wir impfen, und dann wird alles gut. Das ist eine häufige Hoffnung in der Corona-Pandemie, und auf lange Sicht ist sie in der Tendenz berechtigt. Die in der Europäischen Union zugelassenen Impfstoffe sind in der Lage, das Risiko für eine Covid-19-Erkrankung deutlich zu senken. Das ist viel wert, wenn man an überfüllte Intensivstationen und eine hohe Zahl täglicher Todesfälle denkt.

Inwiefern die Impfstoffe allerdings auch Infektionen verhindern und damit die Ausbreitung und das Risiko für weitere Mutationen des Virus, ist noch nicht geklärt. Zwar gibt es erste Hinweise, dass sie dies in gewissem Umfang leisten könnten, allerdings wohl nicht so verlässlich, wie sie vor der Erkrankung Covid-19 schützen.

Damit lässt sich auch erklären, dass in einem Alten- und Pflegeheim in Belm im Landkreis Osnabrück, wie am Wochenende bekannt wurde, 14 geimpfte Senioren positiv auf Sars-CoV-2 getestet wurden. Man könnte sogar behaupten, der Vorfall zeigt, dass die Impfung guten Schutz bietet – vor einem schweren Verlauf.

Alle Bewohner des Heims waren am 25. Januar zum zweiten Mal mit dem Mittel von Biontech/Pfizer geimpft worden. Entdeckt wurden die ersten Infektionen bei täglichen Schnelltests der Mitarbeiter am 2. Februar. Bei einer anschließenden kompletten Testung der Heimbewohner wurden bis Ende vergangener Woche die restlichen Fälle bekannt. Allerdings gab es nur asymptomatische oder leichte Verläufe. Ernst zu nehmende Covid-19-Erkrankungen, wie sie die Impfung mit hoher Sicherheit verhindern soll, traten bislang nicht auf.

Fälle nach Erstdosis

Es ist nicht das erste Mal, dass Geimpfte positiv auf Sars-CoV-2 getestet werden. Allerdings handelte es sich zuvor meist um Personen, die nur die erste Impfdosis erhalten hatten. Anschließend kam unter anderem die Frage auf, ob Impfstoffe das Infektionsrisiko womöglich sogar erhöhen können. Das gilt jedoch als ausgeschlossen, da die in der Europäischen Union zugelassenen Mittel keine Viren enthalten, sondern lediglich den genetischen Bauplan einzelner Virusproteine (mehr dazu lesen Sie hier ).

Auch das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) führt in seinem Sicherheitsbericht  Fälle von Covid-19-Erkrankungen nach der ersten Impfdosis auf. Teils verstarben sogar Probanden, allerdings betrifft das vor allem Personen, die kurz nach der Erstimpfung erkrankt sind und deren Immunsystem damit zu wenig Zeit hatte, einen Schutz aufzubauen.

Zwischen 27. Dezember 2020 und 31. Januar 2021 seien in Deutschland knapp 2,4 Millionen Menschen gegen Covid-19 geimpft worden, so das PEI. 20 Personen – das entspricht 0,0008 Prozent – seien trotz Impfung »im Rahmen einer Covid-19-Erkrankung« verstorben. Alle Fälle bis auf einen hätten höchstens elf Tage nach der ersten Impfdosis stattgefunden.

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In einem Fall trat die Covid-19-Erkrankung laut dem Bericht 29 Tage nach der Impfung auf. Zudem gab es 46 Fälle, das sind 0,002 Prozent, die am Impftag oder bis 16 Tage nach der ersten Dosis schwer an Covid-19 erkrankten. Das PEI schreibt dazu: »Zu diesem Zeitpunkt kann noch von keiner Schutzwirkung der Impfung ausgegangen werden.«

Mutante B.1.1.7. nachgewiesen

Bei den aktuellen Vorfällen mit den bislang harmlosen Infektionen ist dagegen davon auszugehen, dass die Betroffenen bereits Antikörper gebildet haben. Die Zweitimpfung war bereits erfolgt. Sie findet laut RKI-Empfehlung beim Biontech/Pfizer-Mittel frühstens 21 Tage nach der Erstimpfung statt. Es gibt hier allerdings eine andere Besonderheit: Die Senioren haben sich offenbar mit der Virusmutante aus Großbritannien infiziert. Das zeigen genauere Analysen der Proben.

Die Mutante aus Großbritannien ist deutlich ansteckender als bisherige Viruslinien. Das Grundrisiko, dass ein von ihr Betroffener andere beim Kontakt infiziert, ist also von Grund auf höher. Das könnte auch erklären, warum es gleich 14 Fälle trotz Impfung gibt. Insgesamt verfügt die Einrichtung in Belm laut Website über hundert Pflegeplätze inklusive Kurzzeitpflege. Wie viele davon besetzt sind, ist offen.

Belege, dass die britische Viruslinie mit der Bezeichnung B1.1.7 den Impfschutz vor der Erkrankung Covid-19 verringert, gibt es bislang nicht. Im Labor konnten etwa Antikörper im Blut von mit dem Biontech/Pfizer-mRNA-Mittel Geimpften mutierte Viren verlässlich neutralisieren, wenn sie entscheidende B1.1.7-Mutationen trugen (mehr dazu lesen Sie hier).

Laut vorläufigen Informationen in einer Pressemitteilung aus einer Wirksamkeitsstudie des Unternehmens Novavax reduzierte der Protein-basierte Impfstoff des Herstellers das Risiko für eine Covid-19-Erkrankung durch B1.1.7 zudem in einer großen Phase-III-Studie immer noch um knapp 86 Prozent. (Ein Interview zur Frage, wie Impfstoffe an neue Mutanten angepasst werden können, lesen Sie hier .)

Schutz vor Infektionen weiter unklar

Dass die bereits zugelassenen Impfstoffe aber nicht nur die Krankheit Covid-19, sondern auch Infektionen mit Sars-CoV-2 verhindern könnten, zeigen erste Daten aus Israel. Nirgendwo sonst wurden, gemessen an der Größe der Bevölkerung, bislang so viele Menschen gegen Covid-19 geimpft. Die Entwicklung des dortigen Infektionsgeschehens gilt vielen daher als Wegweiser für die kommenden Monate.

Laut einer Auswertung der Daten  von mehr als 50.000 Geimpften sank die Zahl der Ansteckungen unter den Geimpften ab dem zwölften Tag nach der ersten Impfdosis deutlich (siehe Grafik oben). Laut einer Auswertung von AstraZeneca könnte deren Impfstoff das Risiko für Infektionen um 38 bis 60 Prozent reduzieren. Weitere Informationen aus Israel und von anderen Impfstoffherstellern dürften in nächster Zeit ein noch genaueres Bild vermitteln.

Zusammengefasst lässt sich sagen: Infektionen unter Geimpften können durchaus vorkommen. Noch besteht aber die Hoffnung, dass sie unter ihnen deutlich seltener sind als unter Ungeimpften. Wie gut der Schutz ist, müssen weitere Prüfungen zeigen.

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