Kurt Stukenberg

Coronavirus - die Woche Was macht eine zweite Welle aus?

Kurt Stukenberg
Von Kurt Stukenberg, stellvertretender Ressortleiter Wissenschaft
Während wir über den Beginn der nächsten Infektionsphase noch diskutieren, schlägt die Viruskrise auf die Wirtschaft schon voll durch. Alle Hintergründe und Neues aus der Forschung im Wochenüberblick.

Timo Lenzen/ DER SPIEGEL

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

gut möglich, dass Sie ihn in den letzten Tagen schon hatten, den Boris-Becker-Moment: "Bin ich schon drin?" Genauso schnell und fast unbemerkt, wie der Tennisprofi um die Jahrtausendwende in einem Werbeclip den Sprung ins Internet geschafft haben will, könnte Deutschland in eine sogenannte zweite Infektionswelle rutschen. Ob sie erst im Herbst kommt, schon kurz bevor steht - oder wir vielleicht schon mittendrin stecken, das fragen sich derzeit viele.

Die Infektionszahlen in Deutschland sind zuletzt wieder deutlich gestiegen. Innerhalb eines Tages wurden 870 neue Corona-Infektionen gemeldet, wie das Robert Koch-Institut am Freitag berichtete. Am Donnerstag erreichte der Wert mit 902 Fällen einen neuen Höchststand seit Mai - abgesehen vom lokalen Corona-Ausbruch beim Fleischfabrikanten Tönnies im Juni. "Die neueste Entwicklung der Fallzahlen macht mir und allen im Robert Koch-Institut große Sorgen", sagte RKI-Präsident Lothar Wieler Anfang der Woche.

Trotzdem sind die Zahlen insgesamt noch deutlich niedriger als im Frühjahr, Masseninfektionen sind selten. Und eine einheitliche Definition, wann man offiziell von einer zweiten Welle sprechen kann, gibt es nicht. In der letzten Hochphase Anfang des Jahres ging es auch darum, exponentielles Wachstum bei den Fallzahlen einzudämmen und Zeit zu gewinnen, um den Kollaps des Gesundheitssystems zu verhindern. Von beidem sind wir aktuell weit entfernt. Maskenpflicht und Abstandsregeln wurden damals erst eingeführt als die Infektionszahlen schon hoch waren, heute sind sie der Normalzustand.

Was für eine zweite Welle spricht und was dagegen, haben meine KollegInnen Julia Köppe und Marcel Pauly recherchiert. So oder so: Die Wellendiskussion ist richtig, hält sie doch die Aufmerksamkeit dafür, dass die Coronakrise nicht vorbei ist, hoch.

"Sind wir zu leichtsinnig? Feiern, Urlaub, Schulanfang: Warum jetzt eine neue Welle droht und was sie stoppen kann", lautet der Titel des neuen SPIEGEL. Die Ausgabe erhalten Sie ab sofort digital und ab Samstag am Kiosk.

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Unsere exotische Heimat: Wegen der Pandemie bleiben viele im Urlaub in Deutschland. Unsere Reporter sind ausgeschwärmt - und waren selbst überrascht, was dieses Land zu bieten hat.

Unsere exotische Heimat: Wegen der Pandemie bleiben viele im Urlaub in Deutschland. Unsere Reporter sind ausgeschwärmt - und waren selbst überrascht, was dieses Land zu bieten hat.

Foto: [M]: akg-images (Johann Wilhelm Schirmer), GettyImages (2)

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Covid-19 in weltweiten Zahlen

  • Bestätigte Fälle: 17.308.434

  • Todesfälle: 673.431

  • Von der Krankheit genesen: 10.146.630

  • Deutschland: 208.698 bestätigte Erkrankte, 191.551 Genesene (geschätzt), 9141 Todesfälle

Quellen: CSSE / Johns-Hopkins-Universität , Stand: 31. Juli 2020, 9:45 Uhr; Robert Koch-Institut, Stand: 31. Juli 2020, 8:35 Uhr

Neues aus der Forschung

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Ein schönes Wochenende wünscht

Ihr Kurt Stukenberg

Was Sie über das Virus wissen müssen

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