Neue Corona-Strategie Wer in Deutschland künftig getestet wird

Am Donnerstag tritt die neue Corona-Testverordnung in Kraft. Neu sind darin die Antigen-Schnelltests. Wann kommen sie zum Einsatz? Und wer kann sich testen lassen? Die Übersicht.
Für Antigentests und PCR-Tests sind immer noch Nasen-Rachenabstriche notwendig

Für Antigentests und PCR-Tests sind immer noch Nasen-Rachenabstriche notwendig

Foto: Michael Kappeler / dpa

Wer weiß, dass er sich mit dem Coronavirus infiziert hat, kann sich selbst isolieren und die Menschen warnen, mit denen er zuletzt Kontakt hatte - aus diesem Grund gehören Coronavirus-Tests seit Beginn der Pandemie mit zum wichtigsten Instrument, um das Virus einzudämmen. Im Frühjahr waren die Testkapazitäten noch relativ begrenzt, und das Robert Koch-Institut (RKI) empfahl vor allem Menschen mit einschlägigen Symptomen oder Risikokontakten, sich testen zu lassen.

Mittlerweile können deutsche Labors rund 1,5 Millionen PCR-Tests pro Woche auswerten. Neben der Polymerase-Kettenreaktion sind inzwischen weitere Testverfahren hinzugekommen, die es ermöglichen sollen, noch mehr Erkenntnisse über die Virusausbreitung in der Bevölkerung zu gewinnen. So bieten einige Hersteller seit Kurzem auch Antigen-Schnelltests an, die mitunter in 15 Minuten ein Ergebnis anzeigen (mehr dazu lesen Sie hier). Dazu kommen Antikörpertests, mit denen man testen kann, ob jemand bereits mit Sars-CoV-2 infiziert war.

Jetzt hat die Bundesregierung zum dritten Mal die Coronavirus-Testverordnung für Deutschland überarbeitet. Am Mittwochmorgen wurde sie von Jens Spahn unterschrieben, ab Donnerstag tritt sie in Kraft. Wer soll ab jetzt getestet werden? Und welches Testverfahren kommt wann zum Einsatz? Die wichtigsten Fakten im Überblick:

Wer wird getestet?

  1. Symptomatische Personen
    Alle Personen, die einschlägige Covid-19-Symptome aufweisen. Dabei müssen andere mögliche Erkrankungen, wie etwa die Influenza, berücksichtigt werden.

  2. Kontaktpersonen
    Als Kontaktpersonen gelten Personen, die in den vergangenen zehn Tagen
    - in Gesprächssituationen mindestens 15 Minuten engen Kontakt zu einer mit dem Coronavirus infizierten Person hatten,
    - im gleichen Haushalt mit einem bestätigten Fall leben,
    - in einer Situation waren, in der es zu Aerosol-Übertragung gekommen sein könnte (etwa Feiern, Sport in Innenräumen, Chorproben),
    - mit einer Corona-positiven Person für eine Zeit von mehr als 30 Minuten in relativ beengter Raumsituation waren (etwa Schulklassen, Asylbewerberheime),
    - durch die Corona-Warn-App eine Warnung erhalten haben,
    - eine Corona-positive Person betreut oder gepflegt haben oder von einer positiven Person betreut oder gepflegt wurden.

  3. Nach Auftreten von Infektionen in Einrichtungen
    Nach Ausbrüchen in bestimmten Einrichtungen, wie etwa Alten- und Pflegeheimen, Einrichtungen für Menschen mit Behinderungen, Krankenhäusern, Dialyse- oder Rehabilitationseinrichtungen, dürfen sich Mitarbeiter und Bewohner testen lassen, auch wenn sie keine Symptome haben. Auch Menschen, die sich in den vergangenen zehn Tagen in der Einrichtung aufgehalten haben, also etwa Besucherinnern oder Besucher, dürfen sich testen lassen.

  4. Individuelle Testkonzepte
    Die Verordnung räumt den besagten Einrichtungen ein, ein individuelles Testkonzept zu erstellen, wenn es dazu beiträgt, die weitere Verbreitung von Sars-CoV-2 zu verhindern. Dabei können auch Antigen-Schnelltests zum Einsatz kommen.

  5. Einreisen aus Risikogebieten
    In der neuen Testverordnung werden Einreisende aus Risikogebieten nicht genannt, dafür im Schema des RKI . Demnach können sich asymptomatische Personen, die aus einem ausländischen Risikogebiet nach Deutschland einreisen, innerhalb von zehn Tagen testen lassen. Auch Personen, die sich in einem innerdeutschen Risikogebiet aufgehalten haben, können sich laut RKI testen lassen.

Wie oft darf eine Person getestet werden?

Laut der Verordnung darf jeder Test pro Person einmal wiederholt werden - sofern die Testkriterien auf die Person zutreffen. Für Einrichtungen wie Alten- oder Pflegeheime mit einem individuellen Testkonzept gilt: Sowohl Bewohner als auch Mitarbeiter oder Besucher dürfen einmal pro Woche auf Kosten der Krankenkassen getestet werden.

Wie viel kostet ein Test?

Treffen auf eine Person die genannten Testkriterien zu, übernimmt die gesetzliche Krankenkasse die Kosten für den Test. Auch Personen, die nicht gesetzlich versichert sind, haben einen Anspruch auf den Erregernachweis. Ein PCR-Test inklusive der ärztlichen Laborleistungen, Versandmaterial und Transportkosten kostet die Krankenkassen laut Testverordnung 50,50 Euro. Selbstzahler, die sich lediglich aus persönlichen Gründen, beispielsweise bei der Einreise an Flughäfen, freiwillig testen wollen, müssen dafür teilweise das Dreifache bezahlen. Ein Antigentest, der im Labor ausgewertet wird, kostet laut Testverordnung 15 Euro. In beiden Fällen kommen 15 Euro dazu, die Ärzte für die Probenentnahme, das Mitteilen des Ergebnisses und dem Ausstellen einer Bescheinigung abrechnen dürfen.

In welchen Fällen kommen Antigen-Schnelltests zum Einsatz?

Antigentests sollen ab sofort zum weiteren Ausbau der Testkapazität beitragen. Aufgrund ihrer geringeren Genauigkeit ist der Einsatz dieser Tests laut RKI nur unter bestimmten Voraussetzungen eine sinnvolle Ergänzung zu anderen Maßnahmen.

Daher legt die Testverordnung fest, dass jedes positive Antigentest-Ergebnis noch einmal per PCR-Test bestätigt werden muss. Denn die PCR ist sehr viel zuverlässiger als die Antigentests (Mehr dazu lesen Sie hier).

Die Schnelltests vor Ort, sogenannte Point-of-Care-Antigentests (PoC-Antigentests), kommen vorwiegend bei der Testung von asymptomatischen Personen zum Einsatz, und vor allem dann, wenn ein falsch-negatives Testergebnis keine schwerwiegenden Konsequenzen hat.

Ein schnelles Testergebnis kann in verschiedenen Situationen gewünscht sein: etwa in Notaufnahmen, wo Ärzte und Pfleger schnelle Entscheidungen treffen und eindeutig Corona-positive Personen schnell von anderen Patienten isolieren müssen. Die Tests eignen sich aber auch für regelmäßige Screenings des Personals, der Bewohner oder Besucher in Alten- und Pflegeheimen oder in ähnlichen Einrichtungen. Sie sind laut RKI auch als Labortest für die Untersuchung größerer Probenmengen geeignet.

Antigentests schließen dann eine Infektion zwar nicht sicher aus, doch sie erkennen mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit hochinfektiöse Menschen. Die üblichen Schutzmaßnahmen und AHA-Regeln dürfen also auch bei einem negativen Testergebnis nicht weggelassen werden. Jedoch filtert man mit so einer Teststrategie zumindest einige der sehr ansteckenden Fälle heraus und erhöht somit die Sicherheit in Einrichtungen mit vulnerablen Risikogruppen.

Ein Nachteil der Antigentests ist, dass in Deutschland weiterhin medizinisch geschultes Personal den Nasen-Rachenabstrich nehmen muss. Denn das Ergebnis der Schnelltests hängt auch damit zusammen, ob ausreichend Virusmenge verfügbar ist. Eine gute Probenentnahme erhöht also die Zuverlässigkeit der Tests.

In welchen Fällen kommen PCR-Tests zum Einsatz?

Der Goldstandard bleibt weiterhin der PCR-Test. Immer noch gilt er als der zuverlässigste Test für die Diagnostik von Sars-CoV-2. Um mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit zu bestätigen oder auszuschließen, ob sich eine Person mit dem Virus angesteckt hat, wird also weiterhin die PCR eingesetzt, auch wenn diese einige Nachteile birgt: etwa die lange Dauer bis zum Testergebnis oder die vergleichsweise hohen Kosten (lesen Sie hier mehr zu den einzelnen Testverfahren).

Bei Symptomen oder direktem Kontakt zu bestätigten Sars-CoV-2-Fällen wird immer ein PCR-Test empfohlen. Ebenfalls nach einem positiven Antigentest (siehe oben). Auch bei Ausbrüchen in Pflegeeinrichtungen, Krankenhäusern oder Arztpraxen empfiehlt das RKI, den PCR-Test vorzuziehen.

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