Coronavirus Was taugt der Antikörpertest für daheim?

Ab sofort kann ein Heimtest Antikörper gegen Sars-CoV-2 nachweisen. Ist das ein wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer besseren Seuchenüberwachung - oder überflüssig?
Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow mit Teststreifen für zu Hause: Antikörpersuche im Blut

Sachsens Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow mit Teststreifen für zu Hause: Antikörpersuche im Blut

Foto: Sebastian Willnow / DPA

Wie funktioniert der Test?

Wer sich mit Sars-CoV-2 infiziert hat, bildet normalerweise Antikörper gegen das Virus. Diese sind frühestens ein bis zwei Wochen nach Symptombeginn im Blut nachweisbar, eine akute Infektion kann der Test daher nicht feststellen. Ebenso ist noch unklar, wie lange die Antikörper nach einer Infektion vorhanden sind. Wer den Test bestellt oder in der Apotheke kauft, bekommt ein Entnahmeset, mit dem man sich "einfach und schnell" ein paar Tropfen Blut aus der Fingerkuppe entnimmt. Dazu sticht man sich mit einer sogenannten Lanzette in den Finger und träufelt das Blut auf die beigelegte Filterkarte. Die Probe muss anschließend getrocknet und in ein Labor in Leipzig gesendet werden, wo die Blutprobe mittels des Standardverfahrens Elisa auf Antikörper untersucht wird. Ähnlich wie bei den Corona-PCR-Tests zum Nachweis einer akuten Infektion lässt sich das Ergebnis innerhalb von 24 bis 48 Stunden online abrufen.

Wer hat den Test entwickelt?

Das Verfahren mit dem Namen "AProof" ist aus einer Zusammenarbeit des Biotechnologisch-Biomedizinischen Zentrums (BBZ) der Universität Leipzig mit der Firma Adversis Pharma entstanden.

Für wen eignet sich der Test?

Auf der Website  schreiben die Hersteller vage: "Antikörper gegen Sars-CoV-2 können das Erkrankungsrisiko im kritischen Arbeitsumfeld oder mit Risikopersonen senken." Und: "Mit nachgewiesenen Antikörpern ist eine erneute Ansteckung unwahrscheinlicher." Das Problem ist allerdings: Noch ist viel zu wenig darüber bekannt, was der Nachweis von Antikörpern überhaupt aussagt. Denn ob diese allein eine durchgemachte Infektion belegen oder aber auch vor einer zweiten Ansteckung schützen, ist unklar. Bislang war die Hoffnung vieler Forscher gewesen, dass man nach einer Infektion immun gegen das Virus ist. Doch Ende August wurden mehrere Fälle von Einzelpersonen bekannt, die sich ein zweites Mal mit Sars-CoV-2 infiziert hatten.

Zudem werden vom Körper meist erst einige Wochen nach der Infektion die besser nachweisbaren Langzeitantikörper IgG gebildet, auf die der Test ausgelegt ist. Wer den Heimtest also zu früh macht, erhält kein zuverlässiges Testergebnis. Doch auch, wer den Test zu spät macht, könnte ein nicht aussagekräftiges Ergebnis erhalten. Denn es sind auch Fälle bekannt, in denen die Konzentration der Antikörper nach einiger Zeit wieder nachlässt.

Es gilt also: Für diejenigen mit Symptomen ist ohnehin ein PCR-Test das Mittel der Wahl, denn er weist eine aktive Infektion nach. Antikörpertests sind eher bei asymptomatischen Patienten sinnvoll, die wissen wollen, ob sie die Infektion bereits überstanden haben.

Wie gut weist der Test Antikörper nach?

Das Unternehmen gibt an, dass der Test eine sogenannte Sensitivität von 100 Prozent habe. Das heißt: Ausnahmslos alle Anwender, die Antikörper gebildet haben, würden demnach vom Test erkannt. Die Spezifität, also die Fähigkeit des Tests, jene richtig zu erkennen, die keine Antikörper im Blut haben, liegt den Angaben zufolge bei 99,4 Prozent.  

Bedeutet der fehlende Nachweis von Antikörpern, dass man nicht infiziert war?

Ganz so einfach ist es leider nicht, wie die Beobachtungen in dem ehemaligen deutschen Corona-Hotspot Bad Feilnbach zeigen. Dort konnten Forscher bei 40 Prozent der nachweislich Infizierten im Verlauf keine Langzeitantikörper der Klasse IgG (Immunglobulin G) nachweisen.

Was bringt der Test dann?

Überflüssig ist das Verfahren dennoch nicht. Zum einen bekommt der Nutzer eine Information darüber, ob er Antikörper gegen Sars-CoV-2 hat oder nicht. Sind diese vorhanden, war er mit Corona infiziert. Da ein Großteil der Infizierten nur milde oder keine Symptome hat, könnte die im Nachhinein erworbene Kenntnis über eine Infektion beeinflussen, wie der Einzelne die Pandemie beurteilt und mit ihr umgeht.

Zum anderen können die Leipziger Wissenschaftler mit den gewonnenen Daten wichtige Erkenntnisse über den Immunstatus sammeln, der langfristig auch bei der Seuchenüberwachung und für die Entwicklung von Impfstoffen eine Rolle spielen könnte. Ralf Hoffmann, Leiter der Bioanalytik am BBZ, wies darauf hin, dass die Wissenschaft wertvolle Daten darüber erhalte, wie viele Menschen in welchen Regionen eine Infektion durchgemacht hätten.

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Was kostet der Test?

Bei einer Onlinebestellung innerhalb Deutschlands kostet der Test 49 Euro, er soll auch in Apotheken vertrieben werden.  

Wer hat's bezahlt?

Das Gesamtforschungsprojekt ist dem Medienservice Sachsen zufolge bis 2022 angelegt und wird mit 323.000 Euro aus Mitteln des Freistaats und der Europäischen Union unterstützt.

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