Neue Virusvariante Einige Omikron-Infizierte haben milde Symptome – was sagt das aus?

Körperschmerzen und extreme Müdigkeit: Von diesen Symptomen berichten Menschen, die mit Omikron infiziert sind. Was bislang über die Gefährlichkeit der Virusvariante bekannt ist.
Mitarbeiterin der Intensivstation am Universitätsklinikum in Kiel: Ob Omikron zu anderen Krankheitsverläufen führt als Delta, ist noch unklar

Mitarbeiterin der Intensivstation am Universitätsklinikum in Kiel: Ob Omikron zu anderen Krankheitsverläufen führt als Delta, ist noch unklar

Foto: Frank Molter / dpa

Am Donnerstag meldete Südafrika, dass eine neue Variante des Coronavirus Sars-CoV-2 entdeckt wurde. Inzwischen ist klar, dass Omikron bereits in zahlreichen weiteren Ländern zu finden ist. Die hohe Anzahl Mutationen an der wichtigen Bindestelle der Viruslinie macht Fachleuten Sorge, auch deshalb hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die Viruslinie als »besorgniserregend« eingestuft.

Welche Eigenschaften Omikron genau besitzt, lässt sich allerdings noch nicht abschließend sagen. So weisen die bislang verfügbaren Daten zwar darauf hin, dass die Variante ansteckender sein könnte als frühere, auch Geimpfte infiziert und meist zu milden Krankheitsverläufen führt. Dr. Angelique Coetzee, eine südafrikanische Ärztin, die die ersten Fälle von Omikron-Infizierten an die Behörden gemeldet hatte, berichtete in verschiedenen Medien von vergleichsweise milden Symptomen bei ihren Patienten.

Die Zahl der bekannten Fälle ist aber noch sehr klein und die Erkenntnisse deshalb mit erheblichen Unsicherheiten verbunden. Was also lässt sich zum aktuellen Zeitpunkt darüber sagen, wie schwer die durch Omikron verursachte Krankheit ist?

»Vorläufige Daten deuten darauf hin, dass die Zahl der Krankenhausaufenthalte in Südafrika zunimmt«, schreibt die Weltgesundheitsorganisation (WHO)  auf ihrem aktuellen Faktenblatt vom Sonntag. Das könne jedoch auch daran liegen, dass die Zahl der Infizierten dort insgesamt steige und müsse nicht auf Infektionen mit Omikron zurückzuführen sein.

Vor allem junge Infizierte

Auch gebe es derzeit keine Informationen, die darauf hindeuteten, dass sich die mit Omikron verbundenen Symptome von denen anderer Varianten unterscheiden, so die WHO. Zuvor hatten Fachleute berichtet, dass mit Omikron Infizierte vor allem unter Körperschmerzen und extremer Müdigkeit litten. Beide Symptome kommen aber auch im Zusammenhang mit der Delta-Variante vor.

»Die ersten gemeldeten Infektionen betrafen Universitätsstudenten – jüngere Menschen, die in der Regel leichter erkranken«, schreibt die WHO. Schwere Verläufe wären hier auch bei anderen Virusvarianten nur mit geringer Wahrscheinlichkeit zu erwarten.

In Hongkong hatte sich in einem Quarantänehotel ein über 60-Jähriger  infiziert. Auch von ihm ist kein schwerer Verlauf bekannt. Als Beleg dafür, dass Omikron harmlos ist, taugen solche Einzelfälle aber nicht. Genaueres wird sich erst zeigen, wenn sich ein breiter Durchschnitt der Bevölkerung infiziert hat.

Zu bedenken gilt es bei den Überlegungen zur Krankheitsschwere auch, dass sich schwere Verläufe erst mit einigem zeitlichen Abstand zur Infektion entwickeln. Wer sich heute infiziert, würde gegebenenfalls erst in ein bis zwei Wochen schwer erkranken. Todesfälle treten in der Regel mit noch größerem zeitlichen Verzug auf. Im Kontext der neuen Variante sind bislang keine bekannt.

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Hohe Durchseuchungsrate in Südafrika

Fachleute weisen zudem darauf hin, dass die Daten zur Übersterblichkeit aus Südafrika nahelegen, dass fast alle Einwohner des Landes bereits mit dem Coronavirus infiziert waren. »Es ist zu erwarten, dass nachfolgende Infektionen milder verlaufen«, schreibt der Ökologe und Evolutionsbiologe A. Marm Kilpatrick von der University of California auf Twitter. »Daher können wir den Schweregrad von Neuinfektionen anhand der Daten aus Südafrika nicht beurteilen.«

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Anders gesagt: Die Immunität durch die Infektion mit früheren Varianten könnte schwere Verläufe mit Omikron verhindern, wie es auch bei den zuvor bekannten Varianten des Virus der Fall ist. Ähnliches gilt für die Impfung gegen Covid-19.

Fachleute rufen daher auch mit Blick auf diese Variante zum Impfen auf. Auch Impfungen erzeugen eine breite Immunantwort und können daher vor neuen Varianten eines Erregers schützen. So verhindern die Impfstoffe, die gegen frühere Coronavarianten entwickelt wurden, auch schwere Delta-Verläufe mit großer Zuverlässigkeit.

»Das Einzige, was man wirklich mit Sicherheit sagen kann: Es ist besser, wenn man geimpft ist. Es ist noch besser, wenn man geboostert ist«, sagte auch der Coronavirus-Experte und Virologe Christian Drosten von der Charité in Berlin im ZDF-»heute journal«. Wie gut der Impfschutz gegen Omikron im Detail ist, wird sich zeigen. Damit, dass er besser ist als kein Schutz, ist aber zu rechnen. Und die Impfung schützt weiterhin vor schweren Verläufen mit der in der aktuellen Welle dominanten Delta-Variante.

»Alle Covid-19-Varianten, einschließlich der weltweit vorherrschenden Delta-Variante, können zu schweren Erkrankungen oder zum Tod führen, insbesondere bei den am stärksten gefährdeten Personen, sodass Prävention immer der Schlüssel ist«, bilanziert die WHO. Nach ihrer Einschätzung werden noch Tage bis Wochen vergehen, bis der Schweregrad der Omikron-Variante bekannt sein wird.

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