Viruserkrankungen im Vergleich Was unterscheidet Covid-19 von Grippe?

Warum müssen wegen des neuartigen Corona-Virus Millionen Menschen in Quarantäne und bei der Grippe nicht, obwohl daran jedes Jahr Tausende Menschen in Europa sterben? Der Überblick.
Das neuartige Coronavirus - hier eine künstlerische Darstellung - sprang erst vor wenigen Monaten von einem Tier auf den Menschen über

Das neuartige Coronavirus - hier eine künstlerische Darstellung - sprang erst vor wenigen Monaten von einem Tier auf den Menschen über

Foto: Getty Images

Angesichts geschlossener Schulen, abgeriegelter Regionen und Wirtschaftseinbußen fragen sich viele, ob die Maßnahmen zur Eindämmung des neuartigen Coronavirus übertrieben sind. Während der Grippesaison gibt es solche Reaktionen schließlich nicht, obwohl daran allein in der aktuellen Saison mehr als 200 Menschen in Deutschland gestorben sind, während es bisher keinen nachgewiesenen Covid-19-Todesfall hierzulande gibt. Allerdings ist in Ägypten ein Deutscher an den Folgen von Covid-19 gestorben.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) nannte nun wichtige Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Krankheiten, die die unterschiedliche Herangehensweise erklären.

Die Gemeinsamkeiten von Grippe und Covid-19

  • Sowohl Grippe als auch Covid-19 werden von Viren verursacht - Grippe von Influenzaviren und Covid-19 von dem neuartigen Coronavirus namens Sars-CoV-2.

  • In beiden Fällen handelt es sich um Atemwegserkrankungen, deren Verlauf sehr unterschiedlich sein kann - von symptomlos oder mild bis hin zu sehr schwer oder gar tödlich.

  • Beide Erreger werden vorwiegend über Tröpfchen - etwa beim Sprechen oder Husten - oder auch durch direkten Kontakt übertragen.

  • Darum greifen bei beiden die gleichen Vorsichtsmaßnahmen: gute Handhygiene, in den Ellbogen oder ein Taschentuch husten, Kontakt zu Infizierten vermeiden.

Im Video: Die wichtigsten Hygiene-Regeln

DER SPIEGEL

Das unterscheidet Sars-CoV-2 von Grippeviren

  • Das Coronavirus Sars-CoV-2 ist neuartig und wahrscheinlich erst vor wenigen Monaten von einem Tier auf den Menschen übergesprungen und kann sich inzwischen auch von Mensch zu Mensch übertragen.

  • Das Immunsystem ist darauf nicht vorbereitet. Experten gehen davon aus, dass sich 60 bis 70 Prozent der Menschen in Deutschland anstecken könnten.

  • Die Quarantäne-Maßnahmen sollen verhindern, dass sich das Virus zu schnell ausbreitet und die Gesundheitssysteme überlastet.

  • Zu beachten ist auch der Unterschied bei den Möglichkeiten für Behandlung und Vorsorge. "Zwar gibt es bereits eine Reihe klinischer Tests von Medikamenten in China, und es sind mehr als 20 Impfstoffe gegen Covid-19 in der Entwicklung, bisher aber gibt es keine zugelassenen Impfstoffe oder Therapien für Covid-19", so die WHO. Bei Influenza hingegen gibt es sowohl schützende Impfungen als auch zugelassene antivirale Medikamente.

Coronavirus, Covid-19, Sars-CoV-2? Was die Bezeichnungen bedeuten.

Coronavirus: Coronaviren sind eine Virusfamilie, zu der auch das derzeit weltweit grassierende Virus Sars-CoV-2 gehört. Da es anfangs keinen Namen trug, sprach man in den ersten Wochen vom "neuartigen Coronavirus".

Sars-CoV-2: Die WHO gab dem neuartigen Coronavirus den Namen "Sars-CoV-2" ("Severe Acute Respiratory Syndrome"-Coronavirus-2). Mit der Bezeichnung ist das Virus gemeint, das Symptome verursachen kann, aber nicht muss.

Covid-19: Die durch Sars-CoV-2 ausgelöste Atemwegskrankheit wurde "Covid-19" (Coronavirus-Disease-2019) genannt. Covid-19-Patienten sind dementsprechend Menschen, die das Virus Sars-CoV-2 in sich tragen und Symptome zeigen.

  • Schwere bis lebensbedrohliche Verläufe gibt es nach bisherigen Auswertungen bei Covid-19 häufiger als bei der Grippe. Der WHO zufolge ist der Verlauf bei 15 Prozent der Infizierten so schwer, dass eine zusätzliche Versorgung mit Sauerstoff nötig wird. Bei fünf Prozent der Infizierten ist künstliche Beatmung nötig. Auch die Todesrate liegt wohl höher als bei der normalen saisonalen Grippewelle. Wie hoch die Letalität ist, lässt sich derzeit jedoch nur schwer einschätzen, weil nicht klar ist, wie viele milde Fälle nicht bekannt sind. 

  • Das neuartige Coronavirus Sars-CoV-2 scheint ansteckender zu sein als das Influenzavirus. Nach WHO-Daten gibt ein Infizierter das Virus an zwei bis zweieinhalb weitere Menschen weiter - und damit an mehr Personen als bei Influenza. Allerdings ist die Einschätzung noch vorläufig, weil noch zu wenig über das neuartige Virus bekannt ist.

  • Die Grippe hat eine kürzere Inkubationszeit, also die Zeit zwischen der Ansteckung und den ersten Beschwerden. Zudem stecken sich die Menschen im Schnitt schneller an, bei der Grippe meist innerhalb von drei Tagen. Bei Covid-19 liegt die Zeitspanne bei fünf bis sechs Tagen. Das heißt: Die Grippe kann sich schneller ausbreiten als Covid-19.

  • Menschen mit Grippe können andere schon anstecken, wenn sie selbst noch keine Symptome haben. Bei Covid-19 sind zwar Übertragungen 24 bis 48 Stunden vor dem Auftreten von Symptomen bekannt. Diese sind laut der WHO aber nur selten und spielen bei der Weiterverbreitung kaum eine Rolle. Dadurch könnte sich das neuartige Coronavirus leichter unter Kontrolle bringen lassen.

  • Während Kinder Grippe bekommen, zeigen sie bei Covid-19 nur selten deutliche Symptome. Laut einer ersten Analyse stecken sich Kinder zwar genauso häufig mit dem Virus an wie Erwachsene, sie bleiben aber gesund. Zudem infizieren sich Kinder offenbar vor allem bei Erwachsenen - Erwachsene aber umgekehrt kaum bei Kindern. Welche Rolle Kinder bei der Weiterverbreitung spielen könnten, ist jedoch noch nicht abschließend geklärt.

  • Als besonders von schweren Verläufen betroffene Risikogruppen gelten bei Influenza Kinder, Schwangere, Ältere sowie Menschen mit chronischen Krankheiten oder geschwächtem Immunsystem. Bei Covid-19 gehören Kinder und Schwangere nach derzeitigem Wissensstand nicht zu den Risikogruppen.

koe/dpa