Frank Ulrich Montgomery Weltärztepräsident fürchtet Imageschaden für AstraZeneca-Impfstoff

Deutschland und viele andere Länder setzen Impfungen mit AstraZeneca vorerst aus. Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery hält eine Überprüfung für richtig –bangt aber um die Akzeptanz des Impfstoffs.
Impfzentrum in Gera

Impfzentrum in Gera

Foto: Bodo Schackow / dpa

Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery warnt vor einem Imageschaden für den Impfstoff von AstraZeneca. »Dass Menschen Thrombosen und Lungenembolien bekommen, muss nicht unbedingt etwas mit der Impfung zu tun haben«, sagte Montgomery dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Nach den ihm bekannten internationalen Studien sei die Thrombose-Häufigkeit in der Placebo-Gruppe und in der Gruppe mit dem Impfstoff etwa gleich gewesen.

»Unter dem Strich ist es leider so, dass dieser eigentlich gute und wirksame Impfstoff durch den Wirbel und die Impfaussetzung in vielen Ländern nicht gerade eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung gewinnt«, sagte der Weltärztepräsident. Eine grundsätzliche Überprüfung der Vorfälle begrüßte Montgomery allerdings. Die Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) habe noch einmal bestätigt, dass AstraZeneca ein sicherer und effektiver Impfstoff gegen das Coronavirus sei. »Trotzdem ist es richtig, dass die nationalen Behörden die Verdachtsfälle auf schwere Nebenwirkungen prüfen.«

Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery

Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery

Foto: Guido Kirchner / dpa

Die Aussetzung der Impfungen mit AstraZeneca löste in der Politik Verwunderung und Verärgerung aus. So wird der Impfstopp nach Einschätzung von CDU-Chef Armin Laschet die Impfpläne durcheinanderbringen. »Das wird viele Strategien wieder verändern«, sagte der nordrhein-westfälische Ministerpräsident in der ZDF-Sendung »Was nun, Herr Laschet?«. »Wir haben darauf gesetzt, dass wir jetzt sehr schnell, sehr breit impfen, den Stoff sogar zu den Hausärzten geben. Und jetzt ist er gar nicht mehr da, jedenfalls nicht die nächsten Tage.« Hier müsse Politik wieder reagieren.

Kritik am vorläufigen Impfstopp kam aus der SPD. Der NRW-Landeschef Thomas Kutschaty bezeichnet Jens Spahn gegenüber dem SPIEGEL als »nicht mehr tragbar«. Er fordert die Entlassung des Gesundheitsministers.

Telefonkonferenz zu Impfstrategie offenbar verschoben

Eine für Mittwochabend geplante Telefonkonferenz von Bund und Ländern zum Thema Impfen soll aufgrund der Entscheidung nun offenbar verschoben werden. Das erfuhr die dpa aus mit den Vorgängen befassten Kreisen. Es sei davon auszugehen, dass die Entscheidung der Europäischen Arzneimittelbehörde am Donnerstag zum weiteren Vorgehen abgewartet werde, hieß es.

Bei dem Impfgipfel am Mittwoch wollten Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten eigentlich über das weitere Vorgehen in der Impfstrategie beraten. Dabei sollte es auch um die Frage gehen, wie die Hausärzte in Deutschland flächendeckend in den Impfabläufen berücksichtigt werden könnten. In den Praxen sollte dabei insbesondere der Impfstoff von AstraZeneca zum Einsatz kommen, da dieser dort auch gelagert werden kann.

Die Bundesregierung hatte zunächst auf eine Aussetzung der AstraZeneca-Impfungen verzichtet, nachdem am Donnerstag Dänemark diesen Schritt gegangen war. Es folgten Norwegen, Island sowie die EU-Länder Bulgarien, Irland und am Sonntagabend dann auch die Niederlande. Portugal, Lettland, Zypern und Slowenien stoppten ebenfalls die Impfungen mit AstraZeneca. Österreich, Estland, Litauen und Luxemburg setzten die Nutzung von einer bestimmten AstraZeneca-Charge aus, Italien und Rumänien stoppten die Nutzung einer anderen Charge.

Die Länder reagierten damit auf eine Reihe von Fällen schwerer Blutgerinnsel nach Impfungen. Von den 1,6 Millionen Erstimpfungen mit der Vakzine sind in Deutschland sieben solcher Fälle bekannt. Der britisch-schwedische Hersteller weist die Bedenken zurück. (Lesen Sie hier, was es mit dem Impfstopp auf sich hat.)

Anmerkung der Redaktion: In einer vorherigen Version dieses Textes hieß es in der Überschrift, Weltärztepräsident Frank Ulrich Montgomery kritisiere den Impfstopp. Tatsächlich begrüßt er die Überprüfung, fürchtet aber einen Imageschaden für den Impfstoff von AstraZeneca. Wir haben die Überschrift korrigiert.

cop/AFP/ Reuters
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